Der Fussball-Fan stellt am frühen Freitagmorgen seinen Geländewagen mitten auf einen Bahnübergang in der Nähe von Hannover. Auf dem Rücksitz legt er ein Trikot des FC Liverpool, unter dem Scheibenwischer montiert er ein Hannover 96-Fanschal. Weiter findet die Polizei auf den Gleisen eine aufgeschlagene Zeitung, in der über den Enke-Selbstmord berichtet wird.
Der Lenker des schwarzen Autos kann kurz nach dem Zusammenprall in unmittelbarer Nähe des Bahnübergangs von der Polizei gefasst und verhaftet werden. Sein Wagen wird total zerstört. Die Beweggründe, warum der Mann sein Fahrzeug aufs Gleis stellte, sind noch unklar. Es kann davon ausgegangen werden, dass er den Selbstmord von Robert Enke nicht verkraften konnte. (sau)
Enkes Vater Dirk spricht über seinen toten Sohn
Nur die engsten Vertrauenspersonen von Robert Enke wussten von seiner Krankheit. Einer davon ist sein Vater Dirk. Der Psychotherapeut erzählt «Spiegel Online» von den Versagensängsten seines Sohnes und sagt, wie schlecht es ihm wirklich ging.
Dirk Enke: «In kritischen Phasen hatte Robert Angst, dass ein Ball auf sein Tor geschossen würde. Er hatte Anfälle, wollte nicht zum Training, konnte sich nicht vorstellen, im Tor zu stehen. Er war so verzweifelt, einmal hat er gefragt: Sag mal, Papa, nimmst du mir das übel, wenn ich mit dem Fussball aufhöre? Ich sagte: Robert, das ist doch nicht das Wichtigste, um Gottes Willen.»
Vater Enke erzählt von der schlimmsten Erfahrung im Leben seines Sohnes: Der Tod seiner kleinen Tochter Lara, die im Jahr 2006 im Alter von nur zwei Jahren starb. Dirk Enke: «Nach ihrer Gehör-Operation kam Robert vom Spiel, fuhr in die Klinik, schlief abends neben der Kleinen alleine ein. Am nächsten Morgen wurde er von dem Gerüttel und Geschüttel der Krankenschwestern wach, die die Kleine wieder beleben wollten. Er lag daneben.»
Sein Sohn habe den Schluss gezogen: «Ich habe das nicht mitgekriegt, ich bin daran schuld.» Besonders traurig: Nur eineinhalb Wochen vor dem Selbstmord Enkes reiste der Vater zu seinem Sohn und legte ihm eine stationäre Behandlung nahe. Die Antwort sei gewesen: «Wenn ich in der psychiatrischen Klinik behandelt werde, dann ist es aus mit meinem Fussball. Das ist das Einzige, was ich kann und will und gerne mache.»