Sion-Goalie Germano Vailati «Ein einziger Bock – und ich war tot»

  • Publiziert: 19.02.2008, Aktualisiert: 20.01.2012
  • Von Alain Kunz

SION – Der Aufstieg war kometenhaft. Der Fall ist nun umso tiefer. Goalie Germano Vailati (27) war der Held im Cupfinal 2006, hexte Sion zurück in die Super League und in den Uefa-Cup und fand Aufnahme im 40-Mann-Sichtungskader der Nati. Boss Christian Constantin liess ihn dessen ungeachtet fallen wie eine heisse Kartoffel.

BLICK Germano Vailati, wie geht es Ihnen nach der Degradierung zur Nummer drei?
GERMANO VAILATI «Es geht, es geht. Ich bin gesund. Meine Familie ist gesund. Fussball ist und bleibt ein Spiel. Und ich kann mir nichts vorwerfen. Absolut nichts.»

Wie sehr schmerzt die Rückstufung?
«Es tut weh. Extrem weh sogar. Aber jetzt widerfährt mir halt die gleiche Behandlung wie vielen meiner Mitspieler und Trainern zuvor.»

Wie meinen Sie das?
«Mein Verhältnis zu diesem Klub hat sich in den dreieinhalb Jahren, seit ich hier bin, fast zu einer Liebesgeschichte entwickelt. Deshalb hoffte ich auch auf Unterstützung in dieser Phase, in der es mir nicht sehr gut läuft. Aber da war ich wohl zu naiv.»

Sie sprechen so, wie wenn Sie bereits mit Sion abgeschlossen hätten?
«Nein, keineswegs. Ich denke im Moment auch nicht über einen Wechsel nach. Ich habe einen Vertrag bis 2009. Ich arbeite weiter wie ein Profi. Dann wird man sehen, wie sich die Situation entwickelt.»

Die beiden Flops in Thun und gegen St. Gallen lassen sich aber nicht wegdiskutieren?
«Nein. Das will ich auch gar nicht. Aber wenn man keine Tore schiesst, ist es schwierig, Spiele zu gewinnen. Sehen Sie: Wenn wir in Sion gewinnen, gewinnen wir als Team. Wenn wir verlieren, ist es meine Schuld. So lief das hier.»

Hatten Sie dieses Gefühl schon immer?
«Ja. Ich denke, ich habe mich in den letzten beiden Jahren zum konstantesten Super-League-Goalie entwickelt. Die Anzahl meiner gravierenden Fehler kann man an einer Hand abzählen. Fehler macht aber auch ein Iker Casillas, ein Oliver Kahn. Bei Xamax hat niemand von einem Flop gesprochen, als Zubi einen direkten Corner kassiert hat. Hier heisst es, ich würde das Team in die Challenge League führen. Fehlt nur noch, dass man mir vorwirft, dass ich keine Tore schiesse.»

Wie hat Ihnen der Präsident seine Entscheidung mitgeteilt?
«Gleich nach dem Thun-Spiel sagte er mir, dass mir jemand vor die Nase gesetzt werde und ich nicht mehr die Nummer eins sei. Ich hatte also einen einzigen Bock geschossen – und war tot. Ich wurde fast wie ein Krimineller behandelt.»