Varela: «Wir hatten keine Eier!»

  • Aktualisiert am 03.01.2012
  • Von Alain Kunz, Benny Epstein und Peter Pflugshaupt
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Wer zu dämlich ist, den Cup nach einer 2:0-Führung im Heimstadion zu gewinnen, der hat keinen Bock auf Smalltalk. Und die Sieger mussten ungebührlich lange auf den Schämpis warten.

Ein YBler nach dem anderen defilierte an den vergeblich wartenden Journalisten vorbei. Lust auf Reden? Fehlanzeige. Mario Raimondi vertröstete auf den nächsten Tag. Marco Wölfli winkte mit der einen Hand ab, mit der anderen hielt er seine Freundin. Lediglich Carlos Varela stand Red und Antwort. Und was er sagte, resümierte das Spiel bestens: «Wir hatten keine Eier. Vielleicht sind wir nicht intelligent genug! Dieses Spiel haben wir mit dem Kopf verloren. Nicht mit den Füssen.»

Wie wahr! Das Tor zum Paradies stand sperrangelweit offen nach den beiden einfachen Toren für YB. Doch anstatt die Mannschaft auf einer Welle der Euphorie zu tragen, begannen die Berner Fans zu pennen. Und das Team liess sich auch einlullen. Der Rest ist bekannt. Die unglaublichen Walliser Fans begannen ihre Mannschaft nach vorne zu peitschen. Und wenn die das tun, dann geht die Post ab! Dann wirds zum Spiel ohne Grenzen!

Sion für YB ein Fluch

Auch dem masslos enttäuschen YB-General Stefan Niedermaier blieb nichts anderes übrig, als festzuhalten: «Bern hat gegen das Wallis verloren. Für uns ist der FC Sion im Cupfinal kein Mythos, sondern ein regelrechter Fluch.» Doch die mangelhafte Fanunterstützung schloss YB-Trainer Vladimir Petkovic als Alibi aus: «Pech war, dass ich zu zwei verletzungsbedingten Wechseln gezwungen war. Das hat mein Konzept gestört.»

Doch selbst die verfrühten Herausnahmen von Varela und Raimondi hätte niemals dazu führen dürfen, dass YB gegen eine derart heterogene Mannschaft verliert. Es war schlicht fehlende Klasse, mit einem Vorsprung umgehen zu können.

Constantin ging in die Garderobe

So also jubelte Sion. Jubelte sein Präsident Christian Constantin, der sich in Sachen Coaching – anders als 2006 – extrem zurückhielt. Das Spiel verfolgte er artig auf der Tribüne. Lediglich in der Pause stieg er herab und fand in der Garderobe die richtigen Worte: «Ich habe den Jungs gesagt, dass es schon fast zur Tradition gehöre, im Cupfinal in der Pause zurückzuliegen. Doch wir haben das Ding immer umgedreht. Zweimal gegen YB, gegen Servette. Wir werden es auch diesmal packen.»

Und selbst beim Jubel gabs diesmal keine Extravaganzen wie 2006, als sich CC lediglich in den Unterhosen, den Pokal eng umschlungen, ablichten liess. Er ging den diversen Duschen aus dem Weg. Seine Armani-Schale war immer noch makellos, als er sich auf den Weg nach Sion machte, wo die Walliser das Fest für die Ankunft ihrer Helden vorbereiteten.

Apropos Flüssigkeit im Pokal: Eine geschlagene Viertelstunde mussten die Heroen auf den Schämpis warten. Irgendwas musste da schiefgelaufen sein. Die Spieler begannen gar damit, Bananen in den Pokal abzufüllen… Oder bestand gar kein grosser Bedarf an Sprudelwein? Als Gründe stehen zur Auswahl: Sions Multikulti-Truppe besteht zur Mehrzahl aus abstinenten Moslems. Oder Trainer Didier Tholot («Ich bedanke mich bei meinen Spielern, dass sie mir den ersten Titel in meiner Trainerkarriere beschert haben») verbot im Hinblick auf das überlebenswichtige Meisterschaftsspiel am Sonntag in Vaduz jegliche Exzesse. Auf der Rückfahrt nach Sion wurde jedenfalls hitzig darüber diskutiert, wie viel Freinacht nach dem Sieg erlaubt werden würde.

CC lobte sogar Circhetta

CC hatte aber auch ohne Alkohol beste Laune. Er lobte Ref Claudio Circhetta über den Klee. Also jenen Mann, wegen dessen Nominierung Sion den Final unsinnigerweise bloss unter Protest gespielt hatte: «Er hat erstmals ein Spiel von uns derart gut geleitet.». Und CC antwortete auf die Frage nach der Bedeutung der makellosen Bilanz von elf Siegen bei elf Finalteilnahmen: «Das ist schon Vergangenheit. Jetzt bereiten wir den zwölften Sieg vor.»

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Sind die YB-Spieler Weicheier?»

  • 75% Ja. YB hatte richtig Angst vor Sion.
  • 25% Nein. Die YB-Spieler wollten den Cupfinal ja auch gewinnen.