
Bitte melden Sie sich an, um Ihren Kommentar abzugeben.
Wenn Sie ein Konto bei Facebook haben, können Sie sich damit anmelden.
Wenn die Spieler nach dem Match ihre Gegner um Autogramme bitten, wenn das ganze Dorf nach dem Kirchenbesuch auf den Sportplatz pilgert, wenn der Präsident trotz 0:11-Debakel vom schönsten Tag der Vereinsgeschichte spricht, dann ist Schweizer Cup.
Das war einmal. Die Realität sieht so aus: Locarno spielt gegen den FCZ im Letzigrund, Wil gegen St. Gallen in der AFG-Arena, Serrières gegen Xamax in der Maladière.
Bis zum Viertelfinal geniesst der unterklassige Klub eigentlich Heimrecht. Doch nach kurzen Gesprächen sind sich Locarno und der FCZ einig: Der Match wird im Letzigrund ausgetragen. Dahin kommen mehr Fans als nach Locarno, und die Sicherheit ist auch eher gewährt.
Dass der FC Wil in St. Gallen zum Kantons-Derby antritt, sorgt für viel Kopfschütteln. Wil-Präsident Roger Bigger siehts anders: «Für uns ist es nur schon aus Sicherheitsgründen richtig, nach St. Gallen zu gehen. Vor allem wenn man bedenkt, was letztes Jahr gegen Zürich passierte.»
Da stürmten FCZ-Fans auf dem Bergholz einen Eingang, verletzten Polizisten, richteten Schaden an. Bigger: «Die FCZ-Fans sind schwierig, um es vorsichtig zu formulieren. Und die St. Galler-Fans sind noch schwieriger.»
Für einen Pauschalbetrag mietet man deshalb Stadion, Organisation und Sicherheitsdispositiv des FC St. Gallen. Das zahlt sich aus. Ins Bergholz passen nur 4800 Fans. Das ergäbe eine finanzielle Nullrechnung, zumal die Einnahmen unter Profiteams geteilt werden. «In St. Gallen verdienen wir ab zirka 7000 Zuschauern», sagt Bigger. Bis gestern waren bereits 8000 Tickets weg. Möglich, dass sogar 15 000 kommen.
Beim Quartier-Derby gegen Serrières werden in der Neuenburger Maladière dagegen nur wenige Fans zuschauen. Klub-Präsident Rohrer war bis vor zwei Jahren Xamax-Sportchef, Trainer Wittl ist langjähriger Xamax-Spieler. Reicht das schon, um ein Dorffest abzublasen? Anscheinend ja.
Dabei verkleinern sich die Chancen auf Aussenseitersiege drastisch, die Cup-Atmosphäre stirbt aus. «Es ist tatsächlich so, dass die klassische Cup-Stimmung verloren geht», gesteht FCZ-Sportchef Fredy Bickel. Statt 1700 Provinz-Einwohnern rund um den Rasen, verlaufen sich nun 3000 Fans im Letzi.
«Unser Wunsch ist das nicht», sagt Robert Breiter, Chef-Organisator des Schweizer Cups deutlich. «Mir wäre auch lieber, wenn die kleinen Klubs Dorffeste veranstalten würden. Aber das ist wohl eine Entscheidung zwischen Herz und Verstand.»
In Deutschland wird der Heimrecht-Tausch in den Statuten verboten. Zuletzt wollte Oberligist Emden das Heimrecht an den 1. FC Köln abtreten, um mehr Einnahmen zu generieren, doch der Deutsche Fussball-Bund lehnte ab.
«Wir müssen die Entwicklung verfolgen», sagt Breiter. Problem: Die Regeln bestimmt nicht der Verband, sondern die Klubs. «Und weil der Staat immer mehr Kosten den Klubs überwälzt, werden die Kosten für die Kleinen zu hoch.»
Dass der Sicherheitsaufwand in den letzten Jahren massiv angestiegen ist, haben die Klubs den Hooligans zu verdanken. Diese Chaoten können sich die Kleinen nicht leisten. Sie machen unseren Cup kaputt!
Mitarbeit: C. B./P. P./B. H./R. P.