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BLICK: Olivier, was haben Sie vor dem Einrücken ins Trainingslager vom Cup-Mythos des FC Sion mitbekommen?
Olivier Monterrubio: Seit dem Halbfinal in Luzern sprechen die Leute nur noch vom Final. Ich frage mich, ob die überhaupt wissen, dass noch Meisterschaft gespielt wird.
Und Sie?
Nun, ich ziehe es vor, YB den Pokal wegzuschnappen statt in der Meisterschaft in deren Stadion zu gewinnen. Denn die Saison können wir mit den letzten beiden Spielen noch retten. Aber dieser Pokal, dieser unglaublich emotionale Moment des Schlusspfiffs, wenn du vorne liegst, der ist einmalig. Wir haben in gut einer Woche die Chance, eine katastrophale Saison zu einer wunderbaren zu machen.
Und Sie würden als Captain den Pokal als Erster in die Höhe halten dürfen. Haben Sie das schon erlebt?
Nein. Ich war noch nie Captain. Aber zuerst muss mich der Trainer aufstellen. Das war ja auch nicht immer der Fall in Sion. Und dann muss ich noch die Binde umgehängt bekommen.
Sie haben den Cup mit Nantes zweimal gewonnen. Was sind die Unterschiede?
Sie sind klein. Frankreich ist halt grösser, die Medienpräsenz auch. Aber in den Zeitungen stand nicht mehr drin als hier.
Haben Sie in Ihrer Karriere so etwas Verrücktes wie in Sion jemals erlebt?
Letzte Saison hatte ich in Lens auch drei Trainer: Guy Roux, Jean-Pierre Papin und Daniel Leclercq. Und auch in dieser Saison gabs am Jahresende einen Final. Es war also in etwa dasselbe.
Aber doch nur in etwa. Einen Präsidenten, der sich so aktiv einmischt, das muss auch für Sie Neuland sein.
Er ist halt so, wie er ist. Ich habe einmal gesagt, was ich davon halte. Ich werde nicht darauf zurückkommen. Nicht, weil ich bereue, was ich gesagt habe, sondern weil das abgeschlossen ist für mich. (vgl. Textbox unten)
Haben Sie nie die Lust an Ihrem Job verloren?
Nein. Fussball ist nicht nur mein Job, sondern auch meine Leidenschaft.
Unlängst haben Sie aber von enttäuschten Erwartungen gesprochen.
Das stimmt. Aber das bezog sich rein aufs Sportliche. Ich war davon ausgegangen, um den Uefacup zu spielen und nicht um den Abstieg.
Bereuen Sie es, nach Sion gekommen zu sein?
Absolut nicht. Ich bereue keinen meiner Schritte. Ich habe hier eine andere Mentalität kennen gelernt, andere Leute. Mir gefällt es im Wallis, meiner Familie auch.
Ihr Vertrag läuft noch eine Saison. Werden Sie ihn respektieren?
On verra. Damit beschäftige ich mich unmittelbar vor solch einem wichtigen Spiel nicht.
Ist das eigentlich ein Playoff-Bart?
Nein. Ich habe einfach beschlossen, mich bis Ende Saison nicht mehr zu rasieren. Nicht aus Aberglaube, einfach so.
Sind Sie ein Tattoo-Fetischist?
Nein, aber Tattoos waren immer eine Art Passion für mich. Aber keines meiner Tattoos ist nur einfach so auf meine Haut gekommen. Sie haben alle ihre Bedeutung. Auf den Armen stehen die Namen meiner Kinder Paolo und Paloma. Meine Grosseltern habe ich in einem Stern verewigt. Der Löwe auf meinem Rücken ist mein Sternzeichen, und die Achtzehn meine Rückennummer, die ich als Profi immer trug. Bis ich nach Sion kam. Da hatte sie schon der Goalie.