Penalty: Darum schoss Streller nicht

  • Publiziert: 17.04.2009, Aktualisiert: 19.01.2012
play Die FCB-Spieler während dem Penaltyschiessen gegen YB. Streller (4. von rechts) scheints zu gefallen, dass er nicht schiessen muss. (Keystone)

Basel verschiesst drei Penaltys. Dabei lief Marco Streller nicht mal an. Was war der Grund?

In der Meisterschaft hat Christian Gross seine vorgesehenen Elfmeterschützen genau festgelegt – sogar in Reihenfolge: 1. Huggel, 2. Ergic, 3. Abraham. Somit war auch beim Cup-Halbfinal in Bern klar, dass diese drei zum Penaltyschiessen antreten.

Neben den drei gesetzten hatte der FCB-Coach Frei und Streller vorgesehen – doch es liefen Chipperfield und Gjasula an. Frei hatte Krämpfe – aber bei Streller stellt sich die Frage: Hat er etwa gekniffen?

Schliesslich hat der glücklose Stürmer, der gegen YB eine ordentliche Partie ablieferte, ein Elfer-Trauma. An der WM 2006 versemmelte Streller beim Achtelfinal-Drama gegen die Ukraine (0:3 n. P.) fahrlässig.
Ein Jahr später gab er zu: «Ich habe verdammt lang daran zu kauen gehabt.» Und sagte weiter: «Es war ein fürchterlicher Elfmeter. Als ich den Ball treten wollte, fehlte mir plötzlich die Kraft. Als hätte jemand den Stecker gezogen. Ich hatte Angst. Es war schlimm.»

Chance verpasst

Vielleicht erinnerte sich auch Gross daran, als er Streller in die Augen schaute. Und entschied sich um, nachdem auch die Verlängerung des Cup-Halbfinal torlos blieb. Schliesslich kam Gjasula selbstsicher zum Coach: «Ich schiesse.» Also schickte Gross ihn als letzten Schützen ins Rennen.

Der FCB-Trainer: «Gjasula hat sich von sich aus gemeldet – das spricht für ihn.» Streller kam nicht.Dabei hätte ein verwandelter Penalty den zuletzt viel kritisierten Stürmer denkbar einfach rehabilitieren und ihm sein verlorenes Selbstvertrauen zurückbringen können – auch für die wichtige Meisterschafts-Phase.
Aber Streller fieberte im Stade de Suisse nur an der Mittellinie mit, statt als Führungsspieler Verantwortung zu übernehmen.

Gross nimmt ihn aber in Schutz: «Streller hat mir im Match gut gefallen. Penaltyschiessen ist eine mentale Extremsituation, keine Lotterie. Es haben schon weltbekannte Spieler in entscheidenden Situationen verschossen.»

Verschiessen ist eine Sache – verkriechen eine andere. Übrigens: Streller war für eine Stellungnahme gestern nicht zu erreichen.