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SFV-Boss Ralph Zloczower nippt genüsslich an seinem Karibik-Drink. (Igor Kravarik)
Es gibt zwei Zäsuren in unserer Zeitrechnung: Die Einführung des Gregorianischen Kalenders 1582. Und der Schweizer Cupfinal 2009. Im ersten Fall ging es um die exakte Berechnung der Ostertage. Nach jahrhundertelangen Disputen entschied Papst Gregor XIII., mit der Tradition zu brechen. Grund: Neue Berechnungen der Himmelskörper durch Kopernikus.
Ausgerechnet am Pfingstmontag
Mehr als 500 Jahre später, die zweite Kalenderrevolution. Papst Ralph I. legt fest, dass der diesjährige Cupfinal erstmals in der Geschichte des Schweizer Fussballs an einem Werktag stattfindet. Grund: Der Papst muss auf die Bahamas. Und das ausgerechnet am Pfingstmontag. Seit Generationen wird an diesem Tag der Cup ausgetragen, ein Familienfest ohnegleichen. Jetzt ordnet Ralph Zloczower die Gestirne neu.
Man muss es neidlos anerkennen: Erst in der Krise schälen sich grosse Persönlichkeiten heraus. Während weltweit die gottgesalbten Herrscher ihre Macht schwinden sehen, bleibt die Feudalstruktur des Schweizer Fussballverbandes intakt. Die Kirche als politische Weltmacht ging an der Völlerei und Selbstüberschätzung ihrer Führer zugrunde, beim SFV hat das Obrigkeitsdenken bis heute überlebt.
Die offizielle Begründung, weshalb der Cupfinal dieses Jahr nicht zur gewohnten Zeit angepfiffen wird: Am 1. Juni (Pfingstmontag) findet auf den Bahamas ein wichtiger Fifa-Kongress statt. Alle 208 Verbände sind eingeladen. Damit auch der SFV in der Karibik am Papaya-Cocktail nuckeln darf, ändert Papst Ralph I. kurzerhand den Kalender.
Im Stil grosser Feudalherren
Das Irritierende am historischen Wurf unserer Verbandsbosse ist die Selbstverständlichkeit, mit welcher sie handeln. Und ihre verzerrte Wahrnehmung der Realität – ganz im Stil grosser Feudalherren. Robert Breiter, Hausjurist des SFV und Chef-Organisator des Cups, in der «Südostschweiz» von gestern: «Der Cup ist der Wettbewerb des Schweizerischen Fussballverbandes schlechthin. Da wäre es doch ein Witz, wenn die Mitglieder des Zentralvorstandes nicht anwesend wären.»
Der Witz ist ein anderer: dass der SFV nämlich glaubt, ohne Verbandsbosse würde sich die Welt nicht drehen, schon gar nicht der Matchball im Stade de Suisse. Was hätte es gebraucht, sich am Fifa-Kongress vertreten zu lassen und den Cupfinal wie gewohnt am Pfingstmontag auszutragen? Man hätte ohne weiteres sicherstellen können, mindestens vier SFV-Mitglieder in die Karibik zu schicken, da ein «Schieber» sonst schwierig würde. Aber abgesehen von einem Jass – geht der SFV davon aus, am Fifa-Kongress weltpolitische Entscheide fällen zu müssen und drum unentbehrlich ist?
Cupfinal ist mehr als ein Fussballspiel
Es ist letztlich diese Arroganz, die einem sauer aufstösst. Und der absolute Mangel an Feingespür, der ratlos macht (siehe auch Kommentar). Der Cupfinal ist eben mehr als nur ein Fussballspiel. Es ist ein Happening, ein Fest, das von der speziellen Atmosphäre lebt. Man trifft sich mit Freunden zum Grillieren, schleppt Bierharrassen in den Garten, ist gut drauf. Es ist Cupfinal. Man muss nicht aus dem Büro hetzen, weil man längst zu Hause ist. Cupfinal heisst Feiertag. Im wahrsten Sinne des Wortes.
Freude – trotz Papst Ralph I
Dass dem Verbandspräsidenten dieser einzigartige Cup-Groove fremd ist, sagt viel aus über dessen Verhältnis zu den Fans. Hier die Obrigkeit, dort das Volk – eine Asymmetrie, die 2009 nur noch lächerlich wirkt. Der Fussball lebt wegen den Fans, den Spielern, nicht wegen den Funktionären. Die Grundhaltung, die hinter der Cup-Verschiebung steckt, ist der eigentliche Skandal.
Nun denn, freuen wir uns auf ein wunderbares Spiel heute zwischen YB und Sion – nicht wegen, sondern trotz Papst Ralph I.
Auf diesem Wege wünschen wir Seiner Heiligkeit dann noch einen schönen Aufenthalt in der Karibik. Aktuelle Wassertemperatur in Nassau: 24 Grad.
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Cupfinal an Werktag: Grund? Der Papst Ralph I muss auf die Bahamas. (Toto Marti)