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Noch einmal schlafen – und der FCZ tritt wieder auf die Champions-League-Bühne. Nach Real Madrid und AC Milan heisst die dritte Herausorderung Olympique de Marseille.
Für Alexandre Alphonse – französischer Stürmer des Schweizer Meisters – ist es wie Weihnachten und Geburtstag zusammen: «Von OM habe ich als Kind geträumt. Zwar bin ich in Paris aufgewachsen. Doch Marseille ist das Faszinierendste, das der französische Fussball zu bieten hat. Seine Erfolge, seine Fans, seine Skandale, sein Mythos.»
Für den 27-jährigen Stürmer mit Wurzeln auf Guadeloupe birgt das Spiel allerdings familieninternes Konfliktpotenzial. Denn seine Frau, Pauline, stammt aus dem Département Var – unweit von Marseille. Sie ist ein bekennender OM-Fan. «Aber nicht in dieser Woche», wie ihr Ehemann zu wissen glaubt.
Trotzdem muss Alphonse seine Zugeständnisse machen. Zehn Gäste erwartet er heute in seiner Mietwohnung in Rudolfstetten. «Es wird eng, aber wir werden schon Platz für alle finden.»
Was Alphonse verschweigt: Er selbst hat ein Bett auf sicher. Denn wie die ganze Mannschaft übernachtet er im Gasthof Leuen in Uitikon-Waldegg – mit Xavier Margairaz als Zimmerkollege.
Für Alphonse schliesst sich mit dem Spiel gegen Marseille ein Kreis. Allerdings nicht so, wie er sich das ursprünglich vorgestellt hat. Nach seinem meisterschafts-entscheidenden Tor im vergangenen Frühling in Bellinzona sagte er unverblümt: «Dieser Titel ist die Krönung. Nun ist die Zeit reif für eine neue Herausforderung.»
Fünf Monate später ist Alphonse noch immer in Zürich: «Es hat sich nichts Konkretes ergeben. Aber das macht nichts. Denn die Champions League ist eine einmalige Chance.»
Eine Chance, die den grazilen Stürmer seinem Traum – ein Transfer in eine grosse Liga – automatisch wieder ein Stück näher bringt: «Morgen sind wir in ganz Frankreich zu sehen», sagt Alphonse mit einem Leuchten in den Augen.
Dass er diese Auftrittsmöglichkeit erhält, ist alles andere als selbstverständlich. Denn bevor Alphonse 2002 in Grenoble den ersten Profivertrag unterschrieb, spielte er in der Anonymität der siebthöchsten französischen Liga.
Nach Zürich kam er 2005 via Etoile Carouge und La Chaux-de-Fonds für eine Ablösesumme von 90 000 Franken. Sportchef Fredy Bickel, der in La Chaux-de-Fonds eigentlich nur den damaligen Cupfinal-Gegner Luzern beobachten wollte, musste den zögernden Trainer Lucien Favre beknieen, um den Transfer durchzuboxen. Heute beläuft sich Alphonses Marktwert auf rund 2,5 Mio. Franken.
International wartet der Franzose aber noch auf den grossen Durchbruch. Die aktuellen Spieler von Marseille kennt er nur aus dem Fernsehen. Statt in der französischen Nationalmannschaft figuriert er im Aufgebot der (inoffiziellen) Auswahl von Guadeloupe.
Trotzdem weiss Alphonse genau, dass sein Leben auch eine andere Richtung hätte nehmen können. Denn dort, wo er aufgewachsen ist, in den Pariser Banlieu, ist die Unterwelt wesentlich näher als das Scheinwerferlicht der grossen Sportwelt. «Meine Kollegen in Paris haben Cannabis geraucht. Ich ging Fussball spielen», sagt er mit einem Augenzwinkern – und weiss genau, dass er damals die richtige Entscheidung getroffen hat.