FCZ-Bickel: «Wir legen Hassli keine Steine in den Weg»

  • Publiziert: 27.08.2009, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Von Thomas Renggli

Nach der Champions-League- Qualifikation ködert Hollands Rekordmeister Ajax Amsterdam FCZ-Riese Eric Hassli. Das ist erst der Anfang.

«Die Champions League ist der Gipfel für jeden Fussballer. Einmal hier zu spielen, ist mein grosser Traum. Ich kann noch gar nicht richtig fassen, dass wir es geschafft haben.» Eric Hassli schreitet am Tag nach dem Triumph gegen Ventspils mit verklärtem Blick vom Trainingsgelände auf der Allmend Brunau zur Garderobe. Auf dem Weg posiert er mit Fans für Fotos und verteilt Autogramme. Hassli ist der Liebling der Massen.

Gleichzeitig muss er aber auch Fragen nach seiner Zukunft beantworten. Denn hinter den Kulissen ist der Poker um den hünenhaften Stürmer im vollen Gang. Vorige Woche klopften Interessenten aus Katar an. Jetzt soll ein Angebot des holländischen Rekordmeisters Ajax Amsterdam vorliegen.

Dem 28-jährigen Franzosen scheint die Aufregung um seine Person unangenehm: «Ich weiss von nichts», sagt er knapp. «Ich will mit dem FCZ in der Champions League spielen. Und zwar gegen Chelsea. Das ist mein Traum.»

Volle Combox bei Sportchef Bickel

Traumdeutungen im FCZ-Lager sind in diesen Tagen allerdings äusserst heikel. Denn die Champions-League-Quali hat grenzüberschreitende Reaktionen ausgelöst. Seit gestern dreht sich das Personalkarussell rasend schnell – bis spätestens am Montag, wenn die Transferfrist abläuft. «Als ich gestern das Handy angeschaltet habe, war die Combox voll mit Meldungen von Spieleragenten», sagt Sportchef Fredy Bickel. «Fragen Sie mich bitte nicht, um wen es geht, sondern um wen es nicht geht. Praktisch alle Spieler sind in den Fokus gerückt.»

Für Eric Hassli gilt das in gesteigertem Masse. Bickel sorgt sich deshalb um den sensiblen Stürmer: «Man merkt, dass ihn die Situation belastet. Ich habe das Gefühl, Eric wäre froh, wenn die Transferzeit endlich vorbei wäre.»

Froh wäre vor allem auch Bickel. Denn die ständigen Diskussionen sorgen für Unruhe – ein Zustand, den man mit Blick auf die Doppelbelastung Meisterschaft/Europacup unbedingt verhindern will. Präsident Ancillo Canepa: «Wir gehen nicht in die Champions League, um nur dabei zu sein.» Er weiss aber, dass dies nur mit Spielern möglich ist, die mit voller Konzentra-tion und ganzem Herzen zur Tat schreiten. Das war bei Hassli zuletzt nicht immer der Fall.

Canepa: «Die Mannschaft bleibt zu 95% zusammen»

So signalisiert Bickel eine gewisse Verhandlungs-bereitschaft: «Sollte eine faire Offerte eintreffen, würden wir Hassli keine Steine in den Weg legen. Schliesslich ist er in einem Alter, in dem er nicht mehr lange von einem grossen Transfer träumen kann.» Canepa antwortet ausweichend: «Die Mannschaft bleibt zu 95 Prozent zusammen. Zu einzelnen Namen will ich nichts sagen.»

Früher oder später muss der Präsident aber Stellung beziehen. Denn im Schweizer Klubfussball gilt ein einfaches wie frustrierendes Prinzip: Der Erfolg frisst die eigenen Kinder. Und je grösser er ist, desto schneller geht es.

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play Dauernd jemand am Apparat für Bernard Challandes und Fredy Bickel (r.). (Keystone)