Bleibt Marseille auch heute im Stau stecken?

  • Publiziert: 21.10.2009, Aktualisiert: 02.01.2012
  • Von Thomas Renggli

ZÜRICH – Wegen Baustellen auf der Zürcher Hardbrücke kommt Marseille am Dienstag 15 Minuten zu spät ins Training – und heute gar zu spät zum Spiel?

Die Fussballer von Olympique Marseille residieren im Fünfsternhotel Dolder Grand – standesgemäss und für einen Klub mit 90-Millionen-Euro-Budget nichts Besonderes. Denn auf der grossen Fussballbühne werden die Übernachtungsspesen aus der Portokasse bezahlt.

Und trotzdem könnte die Hotelwahl die französischen Gäste teuer zu stehen kommen: Auf der rund drei Kilometer langen Anfahrt zum Letzigrund hat das städtische Tiefbauamt diverse verkehrstechnische Fallen und Schikanen eingebaut.

Zum Beispiel den unwegsamen Baustellendschungel an der Gladbachstrasse oder das berüchtigte Nadelöhr auf der Hardbrücke.

Giovanni Marti, der Kommunikationschef des FC Zürich, sagt: «Wir haben Marseille empfohlen, ein Hotel in der Innenstadt zu buchen. Denn angesichts der prekären Verkehrssituation müssen die Franzosen mit Verzögerung von 30 bis 45 Minuten rechnen.»

Auch die zur Verfügung stehende Polizei-Eskorte wird den Transport nicht entscheidend beschleunigen.

Was ist höhere Gewalt?

Was passiert also, wenn Marseille heute zu spät zum Kickoff erscheint? Im Extremfall droht die Spielabsage – mit einer Forfait-Niederlage der Gäste oder einer Neuansetzung. Letztere ist aber nur möglich, wenn die Uefa den Grund «als höhere Gewalt» taxiert.

Streng juristisch kommt dies hier nicht in Frage. Denn unter höhere Gewalt fallen nur Ereignisse wie Naturkatastrophen, Terroranschläge oder Kriegsausbrüche.

Im Zürcher Stadtverkehr dagegen gilt momentan ein anderes Gesetz: Höhere Gewalt ist, wenn man ohne Stau durch die Stadt kommt. Oder mit anderen Worten: Vor dem Zürcher Riegel sind alle gleich – auch ehemalige Champions-League-Sieger.
play Macht das grosse Durcheinander den Spielern von Marseille einen Strich durch die Rechnung? (Keystone)