Marco Schällibaum «Nur noch ein halber Mensch»

Die verrückteste Entlassung des Jahres: Als Leader entlässt Lugano seinen Trainer. Seither ists um Schällibaum ruhig geworden.

  • Publiziert: 29.12.2011, Aktualisiert: 10.01.2012
  • Von Benny Epstein

Das Morgentraining des FC Lugano am 8. Mai leitet Marco Schällibaum (49) noch. Die Nachmittags-Einheit nicht mehr, da ist er entlassen. Als Leader der Challenge League vier Runden vor Schluss!

«Es ist eine persönliche Abrechnung», wettert der Zürcher. «Präsident Renzetti wartete nur darauf, dass wir drei Mal in Folge verlieren.» Davor gewannen die Luganesi zwölf Mal in Folge. Beim FC Lugano passiert das Unmögliche: In den letzten sieben Runden verspielt man 14 Punkte Vorsprung auf den Tabellendritten und verpasst sogar die Barrage. Auch Schällibaum fällt in ein tiefes Loch.

«Die Entlassung war ein harter Schlag, ich brauchte Zeit zur Verarbeitung.» Frau Manuela, Tochter Mara und Sohn Nicola geben ihm Kraft. Auch mit einem Mentaltrainer arbeitet er. «Mein Ego hat sehr gelitten.»

Schällibaum, ein Trainer, der mit 110 Prozent bei der Sache ist. Einer, der an der Linie schon mal ausflippt, wenn seine Mannschaft vom Schiri benachteiligt wird. Kurz vor dem Aufstieg in die Super League ausgebremst. Das nagt.

«In letzter Zeit habe ich viele Spiele und Trainings gesehen, habe bei Basel und YB zugeschaut. Jetzt bin ich wieder bereit.» Schällibaum ist heiss: «Ich würde auch in den Nachwuchs gehen oder eine Stelle als Sportchef antreten. Aber ohne Arbeit bin ich nur ein halber Mensch. Und eine Familie habe ich auch zu ernähren.»

Doch Schällibaum weiss, wie trocken der Markt ist. «Es kann dauern, aber ein Türchen geht immer auf.» Ein Tolggen im Reinheft ist dabei sein oft überbordendes Temperament. «Stimmt, aber was viele nicht mitgekriegt haben: Bei Lugano musste ich nie auf die Tribüne. Ich habe mich gebessert.»