Latour unplugged
Von Max Kern und François Schmid | Aktualisiert um 00:17 | 04.12.2005
ZÜRICH Normalerweise ist ein Interview-Gast nach 250 Zeilen erschöpft. Nicht aber GC-Trainer Hanspeter Latour. Der «Vulkan» spie erst nach 1396 Zeilen kein Fussball-Feuer mehr.
Herr Latour, haben Sie das Europacup-Out schon verdaut?
Latour: Ein Schock in dem Sinn war es nicht. Es war ein negatives Erlebnis, natürlich. Wir haben vor allem eine Chance verpasst, den letzten Auftritt im Hardturm in diesem Jahr mit einem positiven Ergebnis abzuschliessen. Das ist uns nicht gelungen.
Woran lags beim 2:3 gegen Dnjepr Dnjepropetrowsk?
Es war wie immer: Es stand auch noch ein Gegner auf dem Platz, der versuchte, uns alles kaputt zu machen. Schliesslich ist es schon daran gelegen, dass wir zu wenig Durschlagskraft hatten. In der ersten Hälfte, in der wir überlegen waren, gelang uns das Tor nicht. Ein- zweimal sorgten wir wirklich für Gefahr im gegnerischen Strafraum, aber das war zu wenig. Darum habe ich auch nicht von einem Schock geredet. Aber, und dazu stehe ich immer noch: Wenn der Match zehn Minuten länger gegangen wäre, hätten wir noch ausgeglichen. Nach unserem ersten Tor ist wie ein Damm gebrochen. Auch wenn Edu fehlt, können wir Tore machen. Das war wie eine Befreiung, leider zu spät. Man könnte auch sagen, zwei Tore müssten reichen, um ein Spiel zu gewinnen. Aber daraus nehme ich Zuversicht fürs nächste Spiel. Das habe ich der Mannschaft auch gesagt: Ihr habt gegen eine internationale Mannschaft zwei Tore geschossen, also müssen wir dran glauben, auch ein bisschen Geduld haben. Doch wir kamen durch einen mehr als fragwürdigen Freistoss in Rückstand, das hat das Spiel auf den Kopf gestellt, das hat wehgetan. Das gab uns z´chätschä bis zur zweiten Hälfte. Nachher, als man das Gefühl bekommen konnte, dass es eine Schlappe geben könnte, hat die Mannschaft noch zwei herrliche Tore geschossen. Für mich als Trainer hatte das doch eine Bedeutung. Ich kann sagen: Das letzte Tor habt ihr geschossen. Das gibt eine Vorwärtsstrategie.
Auch für den Sonntag? Da spielen Sie gegen den überragenden Leader Basel. Die ganze Schweiz, ausser Basel, drückt GC die Daumen.
Ja, so müsste eigentlich der Plan aussehen, um dort runter zu fahren. Ob dann wirklich die ganze Schweiz… natürlich, im Interesse der Meisterschaft müsste es so sein. Aber eben, dass haben wir von Anfang an gesagt: Es liegt nicht an uns, wir haben nicht die gewünschte Frechheit, den gewünschten Mut, um zu sagen, wir greifen jetzt Basel an. Aber in einem einzelnen Match können wir es, dürfen wir es auch. Doch über eine ganze Saison gesehen wäre es unrealistisch gewesen. Es gibt andere Mannschaften, YB oder der FC Zürich, die sich auf die neue Saison hin verstärkten, die müssten Basel eigentlich angreifen. Durch die gute Resultatkonstanz von Basel ist der Vorsprung halt doch schon beträchtlich. Aber mir geht’s nicht in erster Linie darum, den Vorsprung auf Basel zu verkleinern, sondern abei zu bleiben, da brauchen wir Punkte. So gesehen ist es ein wichtiger Match auch fürs Renommée des Vereins. Zwei Traditionsmannschaften, die aufeinander prallen. Es ist sicher das Spiel der Runde, die Aufmerksamkeit wird da sein. Da soll jeder versuchen, sich gut zu verkaufen, natürlich vor allem als Mannschaft.
Vor Saisonbeginn fuhren sie mit ihrem Team in Klein-Bussen auf den Zürcher Aussichtsturm Loorenkopf. Die Spieler mussten damals ihr persönliches Saison-Ziel schriftlich bekannt geben…
Ja, ich sagte damals, die Erwartungshaltung, die an euch gestellt wird, die ist gegeben. Von der Tradition von GC her, oder? GC ist in der nationalen Meisterschaft, wenn man die vorausgegangene Krise ausklammert, in der man aber drinsteckte, zählt GC immer zu den Favoriten einer Meisterschaft. Man muss doch aber auch mal die Beteiligten selber schlagen, ihr kennt die Konkurrenz, ihr kennt eure Stärken, was sagt ihr dazu? Ich habe immer gesagt: Wenn man hoch hinaus will, darf es einem nicht schwindlig werden. Darum bin ich mit ihnen auf diesen Loorenkopf, das ist ein Aussichtsturm, viel höher als ein Jagdsitz, da muss man manche Treppen rauf, Holztreppen, natürlich hält das Geländer, aber jemand, der sich nicht gewohnt ist, dem könnte es schon schwindlig werden. Wenn man eine solche Zielsetzung formuliert, dann soll er spüren, dass es ihm nicht schwindlig wird, wenn man hohe Ziele hat. Das wollte ich symbolisch darstellen. Da konnte jeder einmal seine Zielsetzung formulieren. Das nahm einen ganzen Nachmittag in Anspruch. Nachher sassen wir unten noch in der Waldhütte, sprachen über die Konkurrenz, was machen die? Da kamen wir zum Schluss: Wir wollen alles unternehmen, damit wir nicht überholt werden. Einen dritten Rang hatten wir aus der Vorsaison, von der Ausgangslage her überraschend. Wenn man aber schon einmal dort ist, muss man den Ehrgeiz haben, zu sagen, so, auf dem bauen wir jetzt. Obschon ich darauf hingewiesen habe, dass die Konkurrenz nicht schläft, das darf man nicht vergessen. Und so stehen wir jetzt dazu. Wir wollen um die internationalen Plätze spielen.
Wenn Sie nun den Geist vom Loorenkopf am Sonntag nach Basel transportieren können, dann gibt es einen GC-Sieg.
Oder ein Unentschieden. Das ist eine gute Frage. Am Sonntag gibt’s eine Antwort, wie weit auseinander man ist. Vielleicht können wir doch noch nahe zusammen sein, so in einem einzelnen Spiel. In England gibt’s auch einen klaren Leader. Ein einzelnes Spiel kann trotzdem umstritten sein. Der Unterschied zwischen Basel und GC ist im Moment, nicht zuletzt auch auf internationalem Parkett: Die gewinnen mit einem Goal Unterschied, und wir verlieren mit einem Goal Unterschied. Das ist im einzelnen Spiel sehr eng, aber wenn das drei-, viermal hintereinander stattfindet, gibt das eine Riesen-Differenz in der Rangliste. Aber in einem einzelnen Match, der kann umstritten sein. Und es ist auch nicht immer gesagt, dass der Favorit gewinnen muss. Basel ist mächtig stolz auf ihre Heimbilanz, das dürfen sie auch. Das drückt eine gewisse Stärke aus, und eine gewisse Souveränität, wenn man weiss, daheim ist man einfach stark. Darum habe ich angefangen bei GC zu versuchen, eine solche Serie aufzubauen, wir haben zwar noch zu viele Unentschieden dabei, aber wir sind immerhin auch ein Jahr lang ungeschlagen geblieben. Da spürt man auch, und das ist ja auch richtig so, wer 27 Meistertitel hat, bricht nicht gerade in Euphorie aus, wenn man mal ein Jahr lang ungeschlagen geblieben ist. Aber das sind so kleine Sachen, die einen auch stärker machen können. Bei Basel, dünkt mich, ist ihre Heimstärke extrem. Dazu leistet auch das Publikum seinen Beitrag. Das muss für uns auch eine besondere Herausforderung sein, dass man sagen kann: Dort sind wir auch nicht untergegangen.
Sie wissen ja, wie man Basel schlägt…
Ja, ja, in Thun. Aber ich muss sagen, ich bin in Basel auch schon stolz wieder in diese Senftube rein. Ich habe immer gesagt: Mutig zur Senftube raus, und mit Stolz wieder in die Senftube rein. Das habe ich den Thuner Spielern immer wieder eingeimpft. Das ist mir gelungen. Wir haben die beiden letzten Spiele mit Thun dort 1:1 und 3:3 gespielt. Immerhin, das waren kleine Achtungserfolge. Aber ich weiss aus der Fussballgeschichte, dass GC dort schon gewonnen hat. Zwischen durch auch einmal Luzern. Nur schon, dass man das weiss, zeigt, dass es etwas Besonderes ist, dort unten zu gewinnen. Und da ist, glaube ich, auch immer der Ehrgeiz jedes Gegners, der ist vorhanden.
Basel hat auch viele Spiele zuhause nicht verloren, weil die Gegner schlicht Angst hatten…
Ja, ich weiss aus eigener Erfahrung, als ich schon bei stärkeren Mannschaft gearbeitet habe, hatte man das Gefühl, wenn das nur geht am Sonntag, bei uns stimmt doch das eine oder andere nicht. Aber der Gegner hatte soviel Respekt, sagte, wenn wir einen Punkt holten dort, dann ist das fantastisch, und am Schluss verloren sie prompt 1:0. Dabei wären sie vielleicht zu packen gewesen. Man muss schon immer darauf achten, die eigenen Stärken zu pflegen. Aber was ich gut finde an diesem Match vom Sonntag: Wir sind wirklich der totale Aussenseiter, von der nationalen Meisterschaft her, von dem, was diese Woche passierte. Basel hat ein internationales Erfolgserlebnis, wir kommen aus dem gleichen Wettbewerb mit einer Niederlage. Nicht nur mit der Niederlage, sondern aus dem Ausscheiden raus, also umgekehrte Vorzeichen, aber jeder Match hat seine neue Geschichte, und dort liegt unsere Chance. Aber es wäre für alle eine Überraschung, und der Fussball lebt auch von Überraschungen.
Sie kennen Basels Christian Gross sehr gut als Trainer. Sie arbeiteten mit ihm, unter ihm. Was haben Sie ihm abgeschaut?
Ich bin nicht beleidigt, wenn man sagt, unter ihm. Die Rollen waren sehr klar verteilt. Abgeschaut in dem Sinn eigentlich nichts. Ich fühle mich nur wohl, wenn ich mich selber sein kann. Was ich bei ihm immer sehr geschätzt habe, und grossen Respekt entgegen gebracht habe, dass er wirklich alles macht, damit die Mannschaft Erfolg haben kann. Da kann man ihn absolut als Vorbild nehmen. Für ihn gibt’s nichts Wichtigeres, als dass die Mannschaft am Sonntag gewinnen kann. Das spürt man bei ihm. Das zeichnet ihn jetzt schon über längere Zeit aus. Das habe ich sehr geschätzt.
Ist es ein Vorteil im Hinblick auf dieses Spiel, dass Sie Christian Gross sehr gut kennen? Können Sie sagen: Ich weiss, wie Basel gegen uns spielen wird.
Das kann vielleicht in gewissen Momenten eine Rolle spielen. Aber wenn der Schiedsrichter anpfeift, ist es nicht mehr Gross gegen Latour. Dann sind es die beiden Mannschaften, die gegeneinander fighten. Da gibt’s das eine oder andere auf dem Platz, das das Ganze über den Haufen wirft. Ich glaube, das Spiel überhaupt keine Rolle mehr, wenn der Schiedsrichter anpfeift. Basel ändert nichts, weil GC kommt. Und wir wissen, wie Basel spielt. Da gibt’s keine Geheimnisse. Von Basler Seite her gibt’s kein taktisches Kalkül, die werden ihr Vorwärtsspiel machen, die werden Druck machen aufs gegnerische Tor, wie man sich das von ihnen zuhause gewohnt ist.
Weiss Christian Gross, wie Sie funktionieren? Sie waren damals sein Assistent. Sie haben sich in dieser Zeit sicher verändert als Cheftrainer.
Ich war vorher schon über 20 Jahre Cheftrainer, bevor ich diese Assistenzstelle angenommen hatte. Das hatte auch seine Gründe. Aber ich habe mich nicht so stark verändert. Und es ist zwar nicht so beachtet worden, aber ich habe 13 Jahre lang in Solothurn arbeiten dürfen, beim gleichen Klub, am Anfang spielten wir gegen Köniz oder Breitenbach, am Schluss gegen Zürich oder Servette. Da muss schon etwas da sein, das man hat, oder eben nicht. Aber man muss seine Rolle kennen, verstehen Sie? Bei GC, das ist etwas vom Schwierigsten, das wird jeder Super-League-Trainer sagen, wie wichtig es ist, dass er Ansprechpersonen hat, die loyal sind, aber auch über die nötige Fachkompetenz verfügen, da versuchte ich Christian Gross immer ein Assistent zu sein, wie ich ihn gern gehabt hätte. Da muss man die Rollen kennen, so pflege ich auch den Umgang mit meinen Mitarbeitern, ich habe nicht gerne Knechte, da kann sich jemand nicht entwickeln, aber absoluter Diener der Sache zu sein ist ein grosser Unterschied, ein Diener hat eine gewisse Aufgabe zu erfüllen, er hat gewisse Freiheiten. Bei Christian Gross war ich gerne ein Diener der Sache, aber vor allem im persönlichen Umgang, das kam auf dem Trainingsfeld vielleicht nicht so zum Ausdruck, aber wir haben natürlich stundenlang uns über Fussball, über die Mannschaft, über Gegner unterhalten. Das war eine sehr spannende Geschichte.
In Basel waren Sie wieder der Assistent von Gross…
Ja, aber bewusst. Da muss man sich zurücknehmen, anders geht das gar nicht.
Hatten Sie keine Mühe damit?
Da muss man sich bewusst sein, was man will. Da habe ich auf ein Ziel hingearbeitet. Ich habe mich einmal um eine Stelle beworben, die mich interessiert hätte. Es ist gleich, was. Zuletzt ging es noch um zwei Personen. Um die andere und um mich. Und sie haben die andere genommen. Die einzige Begründung, die für ihn gesprochen hat und nicht für mich, war, wie sie sagten, die mangelnde internationale Erfahrung. Die gab den Ausschlag. Damals, in der Schweiz, wo konnte man internationale Erfahrung sammeln? Bei GC und bei Basel. Wenn du das kennen lernen willst, dann musst du zu so einem Klub, da musst du auch einmal die zweite Geige spielen können, aber mir kann man das heute nicht mehr vorwerfen. Aber ich habe bei GC nicht gerade bei Christian angefangen, sondern beim Nachwuchs. Er holte mich nachher ins Eins, das rechne ich ihm hoch an. Das er das Vertrauen hatte, obwohl ich ja früher Cheftrainer war, zwar in unteren Ligen, das hat mir den Einstieg ins internationale Geschäft ermöglicht, GC war damals lange der einzige Klub, der in der Champions League gespielt hat, und ganz andere Dimensionen gehabt hatte, das hat einem gut getan, das gab eine gewisse Flexibilität. Und als ich dann das zweite Mal zum ihm gegangen bin, als er gefragt hat in Basel, ob ich nicht kommen wolle, da habe ich schon überlegt, da konnte er mich schon überzeugen, er war ja zuvor in England, da sagte er mir, das ist verrückt in England, ob Chef oder auch in welcher Funktion, wichtig ist, dass man in diesem Geschäft ist, da hat ein Goalietrainer eine solche Bedeutung, der ist nicht weniger wichtig, wenn die richtigen Leute zusammen sind, die wissen, wie wichtig das ist, das wird bei uns ein wenig unterschätzt, die Funktion des Co-Trainers, da sagte er mir, in England seien renommierte Leute bereit, weil sie wissen, dass es wichtig ist, ich solle das wieder machen kommen, ich muss sagen, ich war mir nie reuig, aber ich habe es immer schön gefunden, wie er mir Vertrauen geschenkt hat.
Sie sind einer der Haupt-Leidtragender der Redimensionierung bei GC. Bei Vertragsunterzeichnung sagten Sie, Sie wollen einen Kübel holen.
Ich habe gesagt, bei GC seien die Chancen grösser als bei Thun. Da stehe ich hundertprozentig zu dieser Aussage. Aber ich habe nicht gesagt: Nächstes Jahr holen wir den Kübel. Für jeden Schweizer Trainer muss GC eigentlich eine gute Adresse sein. Das ist ein Klub mit Tradition, ein Klub mit Ambitionen. Ein Klub, der Erfolg sucht. Wo gewisse Ansprüche gestellt werden. Jeder darf da nicht in Frage kommen. Als man mir klar signalisiert hat, dass man mich hier als Trainer will, sagte ich mir, diesen Schritt musst du machen, für die Entwicklung in diesem Trainer-Job ist das ganz wichtig, dass ich zu GC wechsle und ich will natürlich schon einmal einen solchen Kübel holen. Ich bin eigentlich auch engagiert worden, die Mannschaft, das darf man sagen, war damals in einem sportlichen Tief, und über längere Zeit, es war nicht einfach eine Sache von einigen Wochen, man ist eineinhalb Jahre nicht über diesen 7. Rang rausgekommen, das war mein Auftrag, die anderen Probleme, die mittlerweile dazugekommen sind, die waren mir nicht so bekannt. Das muss ich sagen. Bei meiner Vertragsunterzeichnung hat mir niemand signalisiert, was da auf die erste Mannschaft zukommt. Von einem stark reduzierten Budget. Von eingeschränkten Möglichkeiten. Man hat mir sogar gesagt, um die erste Mannschaft rum werde nichts geändert.
Aber das passierte ja nicht so lange nach Ihrer Vertragsunterzeichnung…
…ja eben, aber es war nachher. Jetzt muss ich aber sagen, das glaube ich diesen Leuten, da wurde nicht mit falschen Karten gespielt. Aber man hatte selber den Überblick nicht. Das glaube ich ihnen, und wie es wirklich steht, hat erst diese Task Force, das musste für mich schon ein Warnsignal sein, wo eine Task Force eingesetzt wird, ist nicht nur, weil drei Spiele verloren gegangen sind. Da muss ich den Sachverstand haben, um zu sagen, das ist etwas Spezielles, aber bei GC gibt’s natürlich Gerangel, das weiss man schon lange, und ich habe nicht gedacht, dass es so schlimm sei, nachher bekam ich selber Einblick in die Zahlen, und die sind dann kommuniziert worden, das ist noch nicht lange her, das war dieses Jahr, im Januar, in diesem Technopark, wo das mit Folien offen gelegt wurde, wie das aussieht, und das hat nicht gut ausgesehen. Da sah man sofort, das ´breicht´ auch die erste Mannschaft. Was nachher losging mit Salärkürzungen, von dieser Situation bin ich ein bisschen überrascht worden. Ich nahm mir dann vor: Lass dich nicht zu fest davon beeinflussen. Kümmere dich um das, wofür du geholt worden bist, dass die Mannschaft wieder bessere Resultate liefert. Aber das ist natürlich übergreifend. Das hat man immer wieder ein bisschen gespürt. Uns ist es aber doch gelungen, eine gewisse Stabilisation heranzubringen, die Mannschaft, man bekam gegenseitig Vertrauen. Und zur Führung: Ob das Wort Loyalität schon angebracht ist, dafür ist die Zeit ein bisschen zu kurz. Aber Verständnis füreinander, das ist gewachsen, dass man sieht, es ist eine schwierige Situation, und wenn Leute in schwierigen Situationen stecken, dann muss man ihnen auch gewisse Fehler zugestehen. Da habe ich das Gefühl, das beginnt zu funktionieren. Man ist nicht mehr so überkritisch untereinander. Die Führung weiss, dass wir auf dem Platz kämpfen, dass wir diese Position einigermassen… und ich glaube, dass es schwierig ist, die finanzielle Situation zu meistern. Und ich glaube, das ist doch etwas Wichtiges, dass man einer Denkweise entspricht, wo man Bescheid weiss, wie die Situation ist, nicht dass man meint, die wollen uns nur bescheissen. Und die wollen das möglichst billig machen, dabei könnte man das und das. Das ist nicht so. Ich glaube, man kennt die Faktenlage auf beiden Seiten. Da ist die optimale Lösung noch nicht da. Aber ich glaube, das gegenseitige Verständnis hat sich schon in einer Form von Loyalität ausgewirkt. Das tut GC auch gut. Es ist diesbezüglich auch ein bisschen stiller geworden. Für die Medien ist es auch nicht so ein Riesen-Spektakel, wenn GC Erster ist, ist GC «wäutsinteressant», der Erste darf ruhig gepusht werden, der hats auch verdient, aber wenn GC Dritter, vielleicht Vierter ist, unter diesen Umständen, was will man da? Man kann ´einisch schriibä´ und sägä, dass isch eigenlich no achtbar, aber sonst gibt’s nicht viel her. Aber hingegen wenn GC hinten ´abe gheit´, dann, dann, dann ist das natürlich normal. In dieser Phase ist man jetzt, aber man kann es auch positiv anschauen, man lässt uns arbeiten. Wir müssen wieder erstarken, aber dann müssen auch die Voraussetzungen dafür da sein.
Latour: Ein Schock in dem Sinn war es nicht. Es war ein negatives Erlebnis, natürlich. Wir haben vor allem eine Chance verpasst, den letzten Auftritt im Hardturm in diesem Jahr mit einem positiven Ergebnis abzuschliessen. Das ist uns nicht gelungen.
Woran lags beim 2:3 gegen Dnjepr Dnjepropetrowsk?
Es war wie immer: Es stand auch noch ein Gegner auf dem Platz, der versuchte, uns alles kaputt zu machen. Schliesslich ist es schon daran gelegen, dass wir zu wenig Durschlagskraft hatten. In der ersten Hälfte, in der wir überlegen waren, gelang uns das Tor nicht. Ein- zweimal sorgten wir wirklich für Gefahr im gegnerischen Strafraum, aber das war zu wenig. Darum habe ich auch nicht von einem Schock geredet. Aber, und dazu stehe ich immer noch: Wenn der Match zehn Minuten länger gegangen wäre, hätten wir noch ausgeglichen. Nach unserem ersten Tor ist wie ein Damm gebrochen. Auch wenn Edu fehlt, können wir Tore machen. Das war wie eine Befreiung, leider zu spät. Man könnte auch sagen, zwei Tore müssten reichen, um ein Spiel zu gewinnen. Aber daraus nehme ich Zuversicht fürs nächste Spiel. Das habe ich der Mannschaft auch gesagt: Ihr habt gegen eine internationale Mannschaft zwei Tore geschossen, also müssen wir dran glauben, auch ein bisschen Geduld haben. Doch wir kamen durch einen mehr als fragwürdigen Freistoss in Rückstand, das hat das Spiel auf den Kopf gestellt, das hat wehgetan. Das gab uns z´chätschä bis zur zweiten Hälfte. Nachher, als man das Gefühl bekommen konnte, dass es eine Schlappe geben könnte, hat die Mannschaft noch zwei herrliche Tore geschossen. Für mich als Trainer hatte das doch eine Bedeutung. Ich kann sagen: Das letzte Tor habt ihr geschossen. Das gibt eine Vorwärtsstrategie.
Auch für den Sonntag? Da spielen Sie gegen den überragenden Leader Basel. Die ganze Schweiz, ausser Basel, drückt GC die Daumen.
Ja, so müsste eigentlich der Plan aussehen, um dort runter zu fahren. Ob dann wirklich die ganze Schweiz… natürlich, im Interesse der Meisterschaft müsste es so sein. Aber eben, dass haben wir von Anfang an gesagt: Es liegt nicht an uns, wir haben nicht die gewünschte Frechheit, den gewünschten Mut, um zu sagen, wir greifen jetzt Basel an. Aber in einem einzelnen Match können wir es, dürfen wir es auch. Doch über eine ganze Saison gesehen wäre es unrealistisch gewesen. Es gibt andere Mannschaften, YB oder der FC Zürich, die sich auf die neue Saison hin verstärkten, die müssten Basel eigentlich angreifen. Durch die gute Resultatkonstanz von Basel ist der Vorsprung halt doch schon beträchtlich. Aber mir geht’s nicht in erster Linie darum, den Vorsprung auf Basel zu verkleinern, sondern abei zu bleiben, da brauchen wir Punkte. So gesehen ist es ein wichtiger Match auch fürs Renommée des Vereins. Zwei Traditionsmannschaften, die aufeinander prallen. Es ist sicher das Spiel der Runde, die Aufmerksamkeit wird da sein. Da soll jeder versuchen, sich gut zu verkaufen, natürlich vor allem als Mannschaft.
Vor Saisonbeginn fuhren sie mit ihrem Team in Klein-Bussen auf den Zürcher Aussichtsturm Loorenkopf. Die Spieler mussten damals ihr persönliches Saison-Ziel schriftlich bekannt geben…
Ja, ich sagte damals, die Erwartungshaltung, die an euch gestellt wird, die ist gegeben. Von der Tradition von GC her, oder? GC ist in der nationalen Meisterschaft, wenn man die vorausgegangene Krise ausklammert, in der man aber drinsteckte, zählt GC immer zu den Favoriten einer Meisterschaft. Man muss doch aber auch mal die Beteiligten selber schlagen, ihr kennt die Konkurrenz, ihr kennt eure Stärken, was sagt ihr dazu? Ich habe immer gesagt: Wenn man hoch hinaus will, darf es einem nicht schwindlig werden. Darum bin ich mit ihnen auf diesen Loorenkopf, das ist ein Aussichtsturm, viel höher als ein Jagdsitz, da muss man manche Treppen rauf, Holztreppen, natürlich hält das Geländer, aber jemand, der sich nicht gewohnt ist, dem könnte es schon schwindlig werden. Wenn man eine solche Zielsetzung formuliert, dann soll er spüren, dass es ihm nicht schwindlig wird, wenn man hohe Ziele hat. Das wollte ich symbolisch darstellen. Da konnte jeder einmal seine Zielsetzung formulieren. Das nahm einen ganzen Nachmittag in Anspruch. Nachher sassen wir unten noch in der Waldhütte, sprachen über die Konkurrenz, was machen die? Da kamen wir zum Schluss: Wir wollen alles unternehmen, damit wir nicht überholt werden. Einen dritten Rang hatten wir aus der Vorsaison, von der Ausgangslage her überraschend. Wenn man aber schon einmal dort ist, muss man den Ehrgeiz haben, zu sagen, so, auf dem bauen wir jetzt. Obschon ich darauf hingewiesen habe, dass die Konkurrenz nicht schläft, das darf man nicht vergessen. Und so stehen wir jetzt dazu. Wir wollen um die internationalen Plätze spielen.
Wenn Sie nun den Geist vom Loorenkopf am Sonntag nach Basel transportieren können, dann gibt es einen GC-Sieg.
Oder ein Unentschieden. Das ist eine gute Frage. Am Sonntag gibt’s eine Antwort, wie weit auseinander man ist. Vielleicht können wir doch noch nahe zusammen sein, so in einem einzelnen Spiel. In England gibt’s auch einen klaren Leader. Ein einzelnes Spiel kann trotzdem umstritten sein. Der Unterschied zwischen Basel und GC ist im Moment, nicht zuletzt auch auf internationalem Parkett: Die gewinnen mit einem Goal Unterschied, und wir verlieren mit einem Goal Unterschied. Das ist im einzelnen Spiel sehr eng, aber wenn das drei-, viermal hintereinander stattfindet, gibt das eine Riesen-Differenz in der Rangliste. Aber in einem einzelnen Match, der kann umstritten sein. Und es ist auch nicht immer gesagt, dass der Favorit gewinnen muss. Basel ist mächtig stolz auf ihre Heimbilanz, das dürfen sie auch. Das drückt eine gewisse Stärke aus, und eine gewisse Souveränität, wenn man weiss, daheim ist man einfach stark. Darum habe ich angefangen bei GC zu versuchen, eine solche Serie aufzubauen, wir haben zwar noch zu viele Unentschieden dabei, aber wir sind immerhin auch ein Jahr lang ungeschlagen geblieben. Da spürt man auch, und das ist ja auch richtig so, wer 27 Meistertitel hat, bricht nicht gerade in Euphorie aus, wenn man mal ein Jahr lang ungeschlagen geblieben ist. Aber das sind so kleine Sachen, die einen auch stärker machen können. Bei Basel, dünkt mich, ist ihre Heimstärke extrem. Dazu leistet auch das Publikum seinen Beitrag. Das muss für uns auch eine besondere Herausforderung sein, dass man sagen kann: Dort sind wir auch nicht untergegangen.
Sie wissen ja, wie man Basel schlägt…
Ja, ja, in Thun. Aber ich muss sagen, ich bin in Basel auch schon stolz wieder in diese Senftube rein. Ich habe immer gesagt: Mutig zur Senftube raus, und mit Stolz wieder in die Senftube rein. Das habe ich den Thuner Spielern immer wieder eingeimpft. Das ist mir gelungen. Wir haben die beiden letzten Spiele mit Thun dort 1:1 und 3:3 gespielt. Immerhin, das waren kleine Achtungserfolge. Aber ich weiss aus der Fussballgeschichte, dass GC dort schon gewonnen hat. Zwischen durch auch einmal Luzern. Nur schon, dass man das weiss, zeigt, dass es etwas Besonderes ist, dort unten zu gewinnen. Und da ist, glaube ich, auch immer der Ehrgeiz jedes Gegners, der ist vorhanden.
Basel hat auch viele Spiele zuhause nicht verloren, weil die Gegner schlicht Angst hatten…
Ja, ich weiss aus eigener Erfahrung, als ich schon bei stärkeren Mannschaft gearbeitet habe, hatte man das Gefühl, wenn das nur geht am Sonntag, bei uns stimmt doch das eine oder andere nicht. Aber der Gegner hatte soviel Respekt, sagte, wenn wir einen Punkt holten dort, dann ist das fantastisch, und am Schluss verloren sie prompt 1:0. Dabei wären sie vielleicht zu packen gewesen. Man muss schon immer darauf achten, die eigenen Stärken zu pflegen. Aber was ich gut finde an diesem Match vom Sonntag: Wir sind wirklich der totale Aussenseiter, von der nationalen Meisterschaft her, von dem, was diese Woche passierte. Basel hat ein internationales Erfolgserlebnis, wir kommen aus dem gleichen Wettbewerb mit einer Niederlage. Nicht nur mit der Niederlage, sondern aus dem Ausscheiden raus, also umgekehrte Vorzeichen, aber jeder Match hat seine neue Geschichte, und dort liegt unsere Chance. Aber es wäre für alle eine Überraschung, und der Fussball lebt auch von Überraschungen.
Sie kennen Basels Christian Gross sehr gut als Trainer. Sie arbeiteten mit ihm, unter ihm. Was haben Sie ihm abgeschaut?
Ich bin nicht beleidigt, wenn man sagt, unter ihm. Die Rollen waren sehr klar verteilt. Abgeschaut in dem Sinn eigentlich nichts. Ich fühle mich nur wohl, wenn ich mich selber sein kann. Was ich bei ihm immer sehr geschätzt habe, und grossen Respekt entgegen gebracht habe, dass er wirklich alles macht, damit die Mannschaft Erfolg haben kann. Da kann man ihn absolut als Vorbild nehmen. Für ihn gibt’s nichts Wichtigeres, als dass die Mannschaft am Sonntag gewinnen kann. Das spürt man bei ihm. Das zeichnet ihn jetzt schon über längere Zeit aus. Das habe ich sehr geschätzt.
Ist es ein Vorteil im Hinblick auf dieses Spiel, dass Sie Christian Gross sehr gut kennen? Können Sie sagen: Ich weiss, wie Basel gegen uns spielen wird.
Das kann vielleicht in gewissen Momenten eine Rolle spielen. Aber wenn der Schiedsrichter anpfeift, ist es nicht mehr Gross gegen Latour. Dann sind es die beiden Mannschaften, die gegeneinander fighten. Da gibt’s das eine oder andere auf dem Platz, das das Ganze über den Haufen wirft. Ich glaube, das Spiel überhaupt keine Rolle mehr, wenn der Schiedsrichter anpfeift. Basel ändert nichts, weil GC kommt. Und wir wissen, wie Basel spielt. Da gibt’s keine Geheimnisse. Von Basler Seite her gibt’s kein taktisches Kalkül, die werden ihr Vorwärtsspiel machen, die werden Druck machen aufs gegnerische Tor, wie man sich das von ihnen zuhause gewohnt ist.
Weiss Christian Gross, wie Sie funktionieren? Sie waren damals sein Assistent. Sie haben sich in dieser Zeit sicher verändert als Cheftrainer.
Ich war vorher schon über 20 Jahre Cheftrainer, bevor ich diese Assistenzstelle angenommen hatte. Das hatte auch seine Gründe. Aber ich habe mich nicht so stark verändert. Und es ist zwar nicht so beachtet worden, aber ich habe 13 Jahre lang in Solothurn arbeiten dürfen, beim gleichen Klub, am Anfang spielten wir gegen Köniz oder Breitenbach, am Schluss gegen Zürich oder Servette. Da muss schon etwas da sein, das man hat, oder eben nicht. Aber man muss seine Rolle kennen, verstehen Sie? Bei GC, das ist etwas vom Schwierigsten, das wird jeder Super-League-Trainer sagen, wie wichtig es ist, dass er Ansprechpersonen hat, die loyal sind, aber auch über die nötige Fachkompetenz verfügen, da versuchte ich Christian Gross immer ein Assistent zu sein, wie ich ihn gern gehabt hätte. Da muss man die Rollen kennen, so pflege ich auch den Umgang mit meinen Mitarbeitern, ich habe nicht gerne Knechte, da kann sich jemand nicht entwickeln, aber absoluter Diener der Sache zu sein ist ein grosser Unterschied, ein Diener hat eine gewisse Aufgabe zu erfüllen, er hat gewisse Freiheiten. Bei Christian Gross war ich gerne ein Diener der Sache, aber vor allem im persönlichen Umgang, das kam auf dem Trainingsfeld vielleicht nicht so zum Ausdruck, aber wir haben natürlich stundenlang uns über Fussball, über die Mannschaft, über Gegner unterhalten. Das war eine sehr spannende Geschichte.
In Basel waren Sie wieder der Assistent von Gross…
Ja, aber bewusst. Da muss man sich zurücknehmen, anders geht das gar nicht.
Hatten Sie keine Mühe damit?
Da muss man sich bewusst sein, was man will. Da habe ich auf ein Ziel hingearbeitet. Ich habe mich einmal um eine Stelle beworben, die mich interessiert hätte. Es ist gleich, was. Zuletzt ging es noch um zwei Personen. Um die andere und um mich. Und sie haben die andere genommen. Die einzige Begründung, die für ihn gesprochen hat und nicht für mich, war, wie sie sagten, die mangelnde internationale Erfahrung. Die gab den Ausschlag. Damals, in der Schweiz, wo konnte man internationale Erfahrung sammeln? Bei GC und bei Basel. Wenn du das kennen lernen willst, dann musst du zu so einem Klub, da musst du auch einmal die zweite Geige spielen können, aber mir kann man das heute nicht mehr vorwerfen. Aber ich habe bei GC nicht gerade bei Christian angefangen, sondern beim Nachwuchs. Er holte mich nachher ins Eins, das rechne ich ihm hoch an. Das er das Vertrauen hatte, obwohl ich ja früher Cheftrainer war, zwar in unteren Ligen, das hat mir den Einstieg ins internationale Geschäft ermöglicht, GC war damals lange der einzige Klub, der in der Champions League gespielt hat, und ganz andere Dimensionen gehabt hatte, das hat einem gut getan, das gab eine gewisse Flexibilität. Und als ich dann das zweite Mal zum ihm gegangen bin, als er gefragt hat in Basel, ob ich nicht kommen wolle, da habe ich schon überlegt, da konnte er mich schon überzeugen, er war ja zuvor in England, da sagte er mir, das ist verrückt in England, ob Chef oder auch in welcher Funktion, wichtig ist, dass man in diesem Geschäft ist, da hat ein Goalietrainer eine solche Bedeutung, der ist nicht weniger wichtig, wenn die richtigen Leute zusammen sind, die wissen, wie wichtig das ist, das wird bei uns ein wenig unterschätzt, die Funktion des Co-Trainers, da sagte er mir, in England seien renommierte Leute bereit, weil sie wissen, dass es wichtig ist, ich solle das wieder machen kommen, ich muss sagen, ich war mir nie reuig, aber ich habe es immer schön gefunden, wie er mir Vertrauen geschenkt hat.
Sie sind einer der Haupt-Leidtragender der Redimensionierung bei GC. Bei Vertragsunterzeichnung sagten Sie, Sie wollen einen Kübel holen.
Ich habe gesagt, bei GC seien die Chancen grösser als bei Thun. Da stehe ich hundertprozentig zu dieser Aussage. Aber ich habe nicht gesagt: Nächstes Jahr holen wir den Kübel. Für jeden Schweizer Trainer muss GC eigentlich eine gute Adresse sein. Das ist ein Klub mit Tradition, ein Klub mit Ambitionen. Ein Klub, der Erfolg sucht. Wo gewisse Ansprüche gestellt werden. Jeder darf da nicht in Frage kommen. Als man mir klar signalisiert hat, dass man mich hier als Trainer will, sagte ich mir, diesen Schritt musst du machen, für die Entwicklung in diesem Trainer-Job ist das ganz wichtig, dass ich zu GC wechsle und ich will natürlich schon einmal einen solchen Kübel holen. Ich bin eigentlich auch engagiert worden, die Mannschaft, das darf man sagen, war damals in einem sportlichen Tief, und über längere Zeit, es war nicht einfach eine Sache von einigen Wochen, man ist eineinhalb Jahre nicht über diesen 7. Rang rausgekommen, das war mein Auftrag, die anderen Probleme, die mittlerweile dazugekommen sind, die waren mir nicht so bekannt. Das muss ich sagen. Bei meiner Vertragsunterzeichnung hat mir niemand signalisiert, was da auf die erste Mannschaft zukommt. Von einem stark reduzierten Budget. Von eingeschränkten Möglichkeiten. Man hat mir sogar gesagt, um die erste Mannschaft rum werde nichts geändert.
Aber das passierte ja nicht so lange nach Ihrer Vertragsunterzeichnung…
…ja eben, aber es war nachher. Jetzt muss ich aber sagen, das glaube ich diesen Leuten, da wurde nicht mit falschen Karten gespielt. Aber man hatte selber den Überblick nicht. Das glaube ich ihnen, und wie es wirklich steht, hat erst diese Task Force, das musste für mich schon ein Warnsignal sein, wo eine Task Force eingesetzt wird, ist nicht nur, weil drei Spiele verloren gegangen sind. Da muss ich den Sachverstand haben, um zu sagen, das ist etwas Spezielles, aber bei GC gibt’s natürlich Gerangel, das weiss man schon lange, und ich habe nicht gedacht, dass es so schlimm sei, nachher bekam ich selber Einblick in die Zahlen, und die sind dann kommuniziert worden, das ist noch nicht lange her, das war dieses Jahr, im Januar, in diesem Technopark, wo das mit Folien offen gelegt wurde, wie das aussieht, und das hat nicht gut ausgesehen. Da sah man sofort, das ´breicht´ auch die erste Mannschaft. Was nachher losging mit Salärkürzungen, von dieser Situation bin ich ein bisschen überrascht worden. Ich nahm mir dann vor: Lass dich nicht zu fest davon beeinflussen. Kümmere dich um das, wofür du geholt worden bist, dass die Mannschaft wieder bessere Resultate liefert. Aber das ist natürlich übergreifend. Das hat man immer wieder ein bisschen gespürt. Uns ist es aber doch gelungen, eine gewisse Stabilisation heranzubringen, die Mannschaft, man bekam gegenseitig Vertrauen. Und zur Führung: Ob das Wort Loyalität schon angebracht ist, dafür ist die Zeit ein bisschen zu kurz. Aber Verständnis füreinander, das ist gewachsen, dass man sieht, es ist eine schwierige Situation, und wenn Leute in schwierigen Situationen stecken, dann muss man ihnen auch gewisse Fehler zugestehen. Da habe ich das Gefühl, das beginnt zu funktionieren. Man ist nicht mehr so überkritisch untereinander. Die Führung weiss, dass wir auf dem Platz kämpfen, dass wir diese Position einigermassen… und ich glaube, dass es schwierig ist, die finanzielle Situation zu meistern. Und ich glaube, das ist doch etwas Wichtiges, dass man einer Denkweise entspricht, wo man Bescheid weiss, wie die Situation ist, nicht dass man meint, die wollen uns nur bescheissen. Und die wollen das möglichst billig machen, dabei könnte man das und das. Das ist nicht so. Ich glaube, man kennt die Faktenlage auf beiden Seiten. Da ist die optimale Lösung noch nicht da. Aber ich glaube, das gegenseitige Verständnis hat sich schon in einer Form von Loyalität ausgewirkt. Das tut GC auch gut. Es ist diesbezüglich auch ein bisschen stiller geworden. Für die Medien ist es auch nicht so ein Riesen-Spektakel, wenn GC Erster ist, ist GC «wäutsinteressant», der Erste darf ruhig gepusht werden, der hats auch verdient, aber wenn GC Dritter, vielleicht Vierter ist, unter diesen Umständen, was will man da? Man kann ´einisch schriibä´ und sägä, dass isch eigenlich no achtbar, aber sonst gibt’s nicht viel her. Aber hingegen wenn GC hinten ´abe gheit´, dann, dann, dann ist das natürlich normal. In dieser Phase ist man jetzt, aber man kann es auch positiv anschauen, man lässt uns arbeiten. Wir müssen wieder erstarken, aber dann müssen auch die Voraussetzungen dafür da sein.
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