Montag, 15. Dezember
Woher stammt im Golf die Bezeichnung Birdie? Peter Haupt, WinterthurAntwort von Renggli: Für jede Spielbahn auf einem Golfplatz ist (aufgrund ihrer Länge) ein «Par» definiert. Dieser Wert gibt die Anzahl Schläge vor, die ein guter Spieler zum Einlochen benötigt. Bei der Berechnung des Pars wird immer davon ausgegangen, dass zwei Schläge auf dem Green nötig sind. Der Ausdruck Par stammt übrigens aus der Börsen-Sprache, in der damit der Ausgabewert einer Aktie bezeichnet wird.
Hier kommt nun der «Birdie» ins Spiel. Er steht für das Resultat, wenn ein Golfer einen Schlag unter dem Platzstandard bleibt. Der Begriff geht auf den amerikanischen Slang des 19. Jahrhunderts zurück. «Bird» war die Frühform von «cool». Im Zusammenhang mit dem Golfsport soll das Wort – transformiert in «Birdie» – gemäss dem «Historical Dictionary of Golfing Terms» (Ausgabe 1993) erstmals 1899 verwendet worden sein. Ab 1910 zählt «Birdie» zu den standardisierten Begriffen der Fachsprache.
Damit sind die Parallelen zwischen dem Golfsport und der Ornithologie aber längst nicht erschöpft. Denn für noch bessere Resultate (zwei, drei bzw. vier unter Par) wurden die Begriffe Eagle, Albatross und Double-Albatross eingeführt – wobei letzterer noch seltener vorkommt als eine Schwalbe im Winter. Er ist nämlich nur bei einem «Hole-in-one» auf einer Par-5-Bahn (ab 431 m) möglich und wurde seit 1962 erst dreimal beobachtet.
Häufiger sind reale Kollisionen mit Vögeln. Ernsthafte Probleme hat sich der Golfprofi Tripp Isenhour im vergangenen Frühling in Orlando eingehandelt. Während der Aufnahme eines Lehrfilmes («Shoot like a Pro») kam ihm ein Rotschulterbussard in die Quere. Und weil sich das Tier nicht vertreiben liess, griff Isenhour zur Selbstjustiz. Mit dem sechsten Ball schoss er den armen Vogel ab.
Obwohl sich Isenhour danach als «wahren Tierliebhaber» bezeichnet und zu seiner Verteidigung gesagt haben soll, dass er unlängst drei Katzen «adoptiert» habe, geriet er ins Visier der Justiz. Ein Gericht in Florida verurteilte ihn zu einer Busse von 500 Franken und der Verrichtung von 100 Stunden Sozialarbeit – 40 davon zugunsten eines Tierschutz-Fonds.
PS: Für Golfer, die im Wettkampf unabsichtlich ein Tier treffen, gilt Regel 19-1: «Wird der Ball in seiner Bewegung zufällig durch etwas nicht zum Spiel Gehörendes abgelenkt oder aufgehalten, gilt dies als Zufall, ist straflos, und der Ball muss gespielt werden, wo er liegt.» Zu Isenhours Verteidigung trug dieser Passus allerdings nichts bei.