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Fragen Sie BLICK-Renggli: Kalenderwoche 47

  • Aktualisiert am 03.01.2012

Sport-Experte und BLICK-Reporter Thomas Renggli beantwortet Ihre Fragen zu jedem sportlichen Thema!

Mittwoch, 19. November

Bei Übertragungen von Slalomrennen sind jeweils unzählige Stangen zu sehen, durch die die Fahrer nicht hindurch fahren. Zumindest für den TV-Zuschauer ist das irritierend. Wieso entfernt man die Stangen nicht? Michael Ledebur, Zürich.

Antwort von Renggli: Tatsächlich ist es nicht immer ganz einfach, im Stangen-Dschnungel des Skiweltcups die Übersicht zu behalten. Allerdings sind die Fahrer davon noch viel stärker betroffen als die Fernsehzuschauer im Lehnstuhl.

Die Stangen, die Sie als überflüssig empfinden, sind aber sehr wohl nötig. Denn die Slalomkurse sind nach dem gleichen Prinzip ausgeflaggt wie Riesenslalom-, Super-G- und Abfahrts-Strecken. Mit anderen Worten: Der Parcours wird durch Tore bestimmt – wobei ein Tor jeweils aus zwei Stangen besteht.

Da sich die Fahrer (bevorzugterweise) an der Ideallinie orientieren, kann der Eindruck entstehen, dass die „äusseren“ Stangen reine Staffage sind. Spätestens aber wenn ein Fahrer nach einem Torfehler zurücksteigt, wird ersichtlich, dass dies nicht so ist. Denn um ein Tor korrekt zu passieren, muss die „gedachte“ Torlinie überquert werden. Diese Linie verläuft horizontal (also senkrecht zur Falllinie) von der Innenmarkierung nach aussen – also zwischen den beiden Stangen. Beim Zurücksteigen ist sie mit beiden Füssen und den Skispitzen zu überqueren.

So gesehen ist, es wie beim Fussball: Der Ball ist erst im Tor, wenn er die Linie überquert hat. Und zu einem Tor gehören nun mal zwei Pfosten.

Donnerstag, 20. November

Woher stammt die Zählweise im Tennis? Weshalb wird nach 15 und 30 nicht bei 45 (sondern 40) weitergezählt. Ina Weber, Winterthur

Antwort von Renggli: Ein echter Klassiker unter den Sportfragen – und eine komplexe Angelegenheit, in der mehr als eine Meinung existiert.

Die geläufigste Theorie geht auf das «Jeu de Paume», den französischen Vorläufer des heutigen Tennissports, zurück. Im 14. Jahrhundert sei von den Adligen in jedem Spiel um einen Betrag von 60 Sous gewettet worden. Der einzelne Punkt war mit 15 Sous dotiert. Man zählte also «15, 30, 45, 60».

Später löste das Wort «Jeu» die 60 ab. Die 45 fiel dem englischen «Sprachumgang» zum Opfer. Denn als in Wimbledon 1877 das erste Tennisturnier gespielt und ein verbindliches Regelwerk geschaffen wurde, erachtete man das Wort «Forty-five» als zu lange und kürzte es auf «Forty» ab. Stand das Spiel 40:40 nannte man das «Deuce».

Auch die zweite Version bezieht sich auf das Jeu de Paume, das 1908 in London sogar im olympischen Programm figurierte. Wenn in dieser Sportart ein Spieler einen Punkt gewann, durfte er sich nach vorn bewegen. Das Spiel begann an der Null-Zoll-Linie. Nach jedem Punktgewinn rückte man 15 Zoll vor – bis die 45-Zoll-Linie erreicht war. Weil die aber zu nah am Netz lag, wurde die letzte Markierung um fünf Zoll zurückversetzt.

Alles klar, oder vielleicht doch nicht? – Das Dilemma im Tennis beginnt nämlich schon ganz am Anfang. Denn die Null wird im weissen Sport als «Love» ausgesprochen. Erklärt wird auch das auf zwei Arten. In England gilt die Redewendung «to do something for Love» («etwas umsonst tun») als Ursprung. In Frankreich führt man diese Besonderheit hingegen auf das Wort «loeuf» zurück. Denn die Null auf der Anzeigetafel erinnere an ein «Ei», heisst es.

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