Alle Liveticker Live-Center

Fragen Sie BLICK-Renggli: Kalenderwoche 46

  • Aktualisiert am 02.01.2012

Sport-Experte und BLICK-Reporter Thomas Renggli beantwortet Ihre Fragen zu jedem sportlichen Thema!

Samstag, 15. November

«ZSC wieder Leader» war diese Woche zu lesen. Nach Verlustpunkten lag der ZSC aber noch am Samstag gleichauf wie das sechstklassierte Genf/Servette. Wird im statistikverrückten Eishockey jeweils rückwirkend bei Saisonende eine Leadertabelle nach «eigentlichen» Runden erstellt?“ Christian Schneebeli, Zürich

Antwort von Thomas Renggli: Tatsächlich existieren im Eishockey so viele Statistiken wie sonst in keinem anderen Spitzensport in der Schweiz. Dieser Trend stammt aus Nordamerika, wo in den grossen Sportarten praktisch alle Bewegungen der Hauptdarsteller statistisch erfasst werden. Das Paradebeispiel liefert der Baseballsport, in dem die schier endlose Wartezeit bis zum Ende des Regular-Season-Marathons (von 162 Spielen) mit zum Teil ans Absurde grenzende Zahlenspielereien überbrückt wird. Winston Churchill („Es gibt, Lügen, es gibt verdammte Lügen und es gibt Statistiken. Ich glaube nur Statistiken, die ich selbst gefälscht habe“), hätte seine Aversion gegen sportliche Betätigungen auf Grund des Baseballs nicht hinterfragen müssen.

Wie auch immer: Unter www.sehv.ch können Sie sich davon überzeugen, dass das Schweizer Eishockey (zumindest in statistischer Hinsicht)den Abstand zur nordamerikanischen Szene in den letzten Jahren deutlich reduziert hat. Die von Ihnen erwähnte Tabelle existiert aber nicht – sie könnte allerdings ohne grösseren Aufwand „konstruiert“ werden.

Zu den Ranglisten im Schweizer Sport ist generell Folgendes zu sagen: Bei Punktgleichheit wird immer jene Mannschaft besser gewertet, die weniger Spiele ausgetragen hat. Es gilt also die „Verlustpunkt-Rechnung“. Im englischen Fussball ist das beispielsweise anders. Dort spielt die Anzahl Partien keine Rolle. Bei Punktgleichheit wird zuerst die Tordifferenz beigezogen.

Im Schweizer Eishockey sind die Tabellen während der Regular-Season insofern nicht immer transparent, weil dann andere Kriterien gelten als nach Abschluss der Qualifikation. Während der Saison erfolgt die Klassierung (bei Punktgleichheit) nämlich auf Grund der Tordifferenz, nach Abschluss hingegen auf Grund der Direktbegegnungen

So oder so spielt es momentan eine untergeordnete Rolle, wer Erster oder Zweiter ist. Bis am 21. Februar lebt die Meisterschaft vor allem von der Spannung im Rennen um die Play-off-Qualifikation. Und auch vor der Stunde der Wahrheit muss die Pole-Position keinen Vorteil bedeuten. Sollten Sie daran zweifeln, erkundigen Sie sich auf der Geschäftsstelle des SC Bern (Telefon: 0900 57 51 01 /Mail: info@scb.ch).

Mittwoch, 12. November

Als grosser Box-Fan freue ich mich ausserordentlich, dass am 20. Dezember Nikolai Valuev und Evander Holyfield in Zürich um den WM-Titel der WBA kämpfen. Ich stelle mir aber die Frage, was dieser Kampf sportlich wert ist. Und wie viele WM-Titel es gibt?
Fatima Manan, Zürich


Antwort von Thomas Renggli: Eine berechtigte Frage. Denn in praktisch keiner anderen Sparte sind die Grenzen zwischen trivialer Unterhaltung, Voyeurismus, Glamour und Sport derart diffus wie im Boxring. Dass letzterer ein Viereck ist, macht das Dilemma der Branche auch irgendwie deutlich.

So gestalteten sich die Recherchen zu diesem Thema schwieriger als erwartet. Mike Tyson reagierte auf die Frage verbissen und liess ausrichten, er sage nichts ohne seinen Anwalt. Wladimir Klitschko ging in Deckung und nahm das Telefon nicht ab. Und Henry Maske verwies auf seinen Exklusivvertrag mit RTL. Auch in der helvetischen Szene war keine verbindliche Aussage zu erhalten. Valuev schliesslich spricht morgen exklusiv im BLICK.

Jetzt aber zurück zu den Fakten: Früher existierten bei den Profis bloss zehn Gewichtsklassen. Heute gibt es 26 – in mindestens vier Verbänden (IBF, WBA, WBC, WBO). Die kleinste Klasse (bis 47,627 kg) heisst beispielsweise bei IBF und WBO Minifliegengewicht, bei der WBC Strohgewicht und bei der WBA Minimumgewicht.

Das Superweltergewicht (WBA/WBC) ist identisch mit dem Juniormittelgewicht (WBO/IBF) und hat eine Obergrenze von 69,85 kg. Das Superfedergewicht (WBA/WBC) bzw. Juniorleichtgewicht (WBO/IBF) endet bei 58,967 kg. Leichter verständlich wird es erst bei den grossen Kerlen. Die Schwergewichtsklasse beginnt in allen Verbänden bei 90,892 kg und ist nach oben offen (die Superschwer-Kategorie ist Beiwerk).

In sämtlichen Verbänden finden sich auch Gewichtsklassen mit sehr eigentümlichen Namen – beispielsweise das Bantam- und das Welter-Gewicht.

Der Ausdruck Bantam bezieht sich auf das sogenannte Bantam-Huhn, eine alten Zwerghuhn-Rasse aus Java, die zum Hahnenkampf benutzt wird. Dieses Federvieh beeindruckte die Faustfechter dermassen, dass sie die Kategorie bis 53,525 kg (oder 118 Pfund) nach ihm benannten. Die Bantam-Klasse existiert auch in weiteren Sportarten, allerdings ist sie dort anderes definiert. Im Gewichtheben umfasst sie den Bereich bis 56 kg, im Ringen bis 57 kg und im Taekwondo bis 56 kg.

Auch Weltergewicht ist nicht gleich Weltergewicht. Im Boxen liegt seine Obergrenze bei 66,678 kg (147 Pfund), im Ringen bei 74 kg, im Taekwondo bei 76 kg. Zum Ursprung des Wortes gibt es keine verbindliche Erklärung. Plausibel scheint die sprachliche Ableitung: Welter bedeutet auf Englisch nämlich Woge oder Tumult.

Der langen Rede kurzer Sinn: Valuev und Holyfield kämpfen am 20. Dezember in Zürich zwar um einen WM-Gürtel. Doch Exklusivität ist ihnen damit nicht garantiert. Denn die Szene des Profi-Boxens ist mittlerweile so unübersichtlich geworden, dass praktisch für alle Faustkämpfer dieser Welt ein WM-Titel ausgesetzt ist – selbst wenn sie sich (wie der 46-jährige Holyfield) bereits im Pensionsalter für Berufssportler befinden.

Dienstag, 11. November

Im Fussball gibt es ein sogennates Transferfenster. Dieses ist logischerweise nicht in jedem Land zur selben Zeit. Meine Frage ist, wer bestimmt das Transferfenster, der Landesverband, die UEFA oder gar die FIFA? Peter Struss, Bangkok

Antwort von Thomas Renggli: Die Uefa gibt prinzipiell zwei Transferfenster vor – eines im Sommer zwischen dem 1. Juli und dem 31. August und eines im Winter zwischen dem 1. und dem 31. Januar. Die nationalen Verbände können – aufgrund der unterschiedlichen Saisonplanungen – aber von diesen Richtlinien abweichen. Grundsätzlich hat der Schluss einer Transferperiode auf ein Wochenende zu fallen – eine Verlängerung bis zum folgenden Montag ist aber in Ausnahmefällen möglich.

In Ländern mit sogenannten Sommermeisterschaften (wie etwa Schweden, Norwegen, Finnland und Russland) öffnen sich die Transferfenster normalerweise im Frühling (1. März bis 30 April) und im Spätsommer (1. bis 31. August)

In der Schweiz waren in diesem Sommer Klubwechsel zwischen dem 10. Juni und dem 31. August (für internationale Transfers) bzw. dem 10. Juni und dem 30. September (für nationale Transfers) möglich. Diesen Winter läuft die Transferperiode zwischen dem 15. Januar und dem 15. Februar (international) bzw. dem 28. Februar (national). Lokal ausgebildete Spieler unter 21 Jahren sind von diesen Bestimmungen ausgenommen – ebenso Fussballer im vertragslosen Zustand.

Grundsätzlich sind Transfergespräche oder Verhandlungen mit Spielern ausserhalb der offiziellen Perioden nicht gestattet. Allerdings ist die Umsetzung dieses Verbotes schwer möglich – zu viele Spielervermittler und Agenten sorgen dafür, dass das Transferkarussell ständig dreht (und es vielen Spielern den Kopf verdreht).

Uefa-Präsident Platini strebt übrigens eine Überarbeitung des Regelements für Vereinswechsel an. Unter anderem soll es künftig nicht mehr möglich sein, dass ein Spieler für mehr als einen Klub pro Saison spielen kann. Damit würde die Wintertransferperiode faktisch entfallen. Ausserdem strebt der Franzose ein Transferverbot für Junioren im Alter zwischen 14 und 18 Jahren an – um eine gewisse Stabilität in den Karriereaufbau eines jungen Fussballers zu bringen.

Top 3

1 Bulat bald gegen Kaution frei? Tschagajew will Hungerstreik beendenbullet
2 Von Pérez aus Jerez Sauber-Caps mit Original-Autogramm zu gewinnenbullet
3 Hardcore-Fans auf der Haupttribüne «Herr Canepa, können Sie das...bullet

Sport