Dienstag, 28.10.08
Ralph Hennecke, Zürich: Wer wird Formel-1-Weltmeister, Lewis Hamilton oder Felipe Massa?Antwort von Thomas Renggli: Diese Frage müssten Sie eigentlich unserem Formel-1-Experten Roger Benoit stellen. Doch weil der sich momentan im Flugzeug zum entscheidenden Rennen in Brasilien befindet, erlaube ich mir seine Stellvertretung zu übernehmen.
Rechnerisch befindet sich Lewis Hamilton im Vorteil. Der Engländer führt nämlich mit sieben Punkten Vorsprung vor Felipe Massa. Ihm genügt in jedem Fall am Sonntag ein fünfter Platz, um als jüngster Weltmeister in die Geschichte einzugehen. Ausserdem hat er mit seinem souveränen Sieg in Schanghai jene Kritiker zum Verstummen gebracht, die ihm die nervliche Stärke zum grossen Coup absprechen.
Trotzdem wird sich Hamilton am Sonntag mit gemischten Gefühlen hinters Steuer setzen – und unweigerlich ans vergangene Jahr zurückdenken. Damals trat er nämlich mit dem gleich grossen Polster zum entscheidenden Rennen an – und verlor den Titel in einem dramatischen Finale an Kimi Räikkönen. Diese Vorgeschichte (sowie der Heimvorteil) dürften also Massa zumindest einen psychologischen Vorteil verschaffen.
So oder so stellt der GP von Brasilien aber eine spezielle Herausforderung an die Fahrer dar. Denn er findet auf einer der wenigen Strecken (neben Istanbul und Imola) statt, die im Gegenuhrzeigersinn befahren werden.
Während es in Imola aus Platzgründen unmöglich war, die Boxen-Anlage auf der anderen Strassenseite zu errichten und die Veranstalter in der Türkei den Fahrern eine besondere Anforderung stellen wollten, liegt der Richtungswahl in Brasilien ein sicherheitstechnischer Aspekt zu Grunde.
Die Zielgerade ist nämlich relativ stark ansteigend. Würde man die Strecke im Uhrzeigersinn befahren, wäre diese Gerade abfallend und würde direkt auf eine Mauer zuführen.
Kurse im Gegenuhrzeigersinn sind deshalb speziell anspruchsvoll, weil sie überproportional viele Linkskurven aufweisen und die Nackenmuskulatur einer ungewöhnlichen Belastung aussetzen.
Der langen Rede kurzer Sinn: Ich gehe davon aus, dass am Sonntag der Engländer Lewis Hamilton triumphiert. Denn aus seiner Heimat ist er es sich schliesslich gewohnt, dass alles irgendwie in die verkehrte Richtung läuft – rein verkehrstechnisch selbstverständlich.