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Fragen Sie BLICK-Renggli: Kalenderwoche 44

  • Aktualisiert am 03.01.2012

ZÜRICH - Sport-Experte und BLICK-Reporter Thomas Renggli beantwortet Ihre Fragen zu jedem sportlichen Thema!

Dienstag, 28.10.08

Ralph Hennecke, Zürich: Wer wird Formel-1-Weltmeister, Lewis Hamilton oder Felipe Massa?

Antwort von Thomas Renggli: Diese Frage müssten Sie eigentlich unserem Formel-1-Experten Roger Benoit stellen. Doch weil der sich momentan im Flugzeug zum entscheidenden Rennen in Brasilien befindet, erlaube ich mir seine Stellvertretung zu übernehmen.

Rechnerisch befindet sich Lewis Hamilton im Vorteil. Der Engländer führt nämlich mit sieben Punkten Vorsprung vor Felipe Massa. Ihm genügt in jedem Fall am Sonntag ein fünfter Platz, um als jüngster Weltmeister in die Geschichte einzugehen. Ausserdem hat er mit seinem souveränen Sieg in Schanghai jene Kritiker zum Verstummen gebracht, die ihm die nervliche Stärke zum grossen Coup absprechen.

Trotzdem wird sich Hamilton am Sonntag mit gemischten Gefühlen hinters Steuer setzen – und unweigerlich ans vergangene Jahr zurückdenken. Damals trat er nämlich mit dem gleich grossen Polster zum entscheidenden Rennen an – und verlor den Titel in einem dramatischen Finale an Kimi Räikkönen. Diese Vorgeschichte (sowie der Heimvorteil) dürften also Massa zumindest einen psychologischen Vorteil verschaffen.

So oder so stellt der GP von Brasilien aber eine spezielle Herausforderung an die Fahrer dar. Denn er findet auf einer der wenigen Strecken (neben Istanbul und Imola) statt, die im Gegenuhrzeigersinn befahren werden.

Während es in Imola aus Platzgründen unmöglich war, die Boxen-Anlage auf der anderen Strassenseite zu errichten und die Veranstalter in der Türkei den Fahrern eine besondere Anforderung stellen wollten, liegt der Richtungswahl in Brasilien ein sicherheitstechnischer Aspekt zu Grunde.

Die Zielgerade ist nämlich relativ stark ansteigend. Würde man die Strecke im Uhrzeigersinn befahren, wäre diese Gerade abfallend und würde direkt auf eine Mauer zuführen.

Kurse im Gegenuhrzeigersinn sind deshalb speziell anspruchsvoll, weil sie überproportional viele Linkskurven aufweisen und die Nackenmuskulatur einer ungewöhnlichen Belastung aussetzen.

Der langen Rede kurzer Sinn: Ich gehe davon aus, dass am Sonntag der Engländer Lewis Hamilton triumphiert. Denn aus seiner Heimat ist er es sich schliesslich gewohnt, dass alles irgendwie in die verkehrte Richtung läuft – rein verkehrstechnisch selbstverständlich.

Mittwoch, 29.10.08

Ronnie Siev, Zürich: Müssen Tennisturniere in ihrer Setzliste immer die ATP-Klassierung berücksichtigen oder können sie auch andere Kriterien beiziehen. Lokale Spieler, Spezialisten für gewisse Unterlagen, oder hübsche Spielerinnen könnten so bevorzugt werden, um die Attraktivität zu steigern.

Antwort von Thomas Renggli: Das Setz-System im Tennis ist prüde – es kennt weder einen Beauty-Bonus noch einen Bodymass-Index. Aber wahrscheinlich ist das auch gut so. Denn stellen Sie sich vor, wo wir hinkämen, wenn man vor jedem Turnier noch einen Schönheitswettbewerb (statt der Qualifikation) durchführen müsste. Von Ihrem Vorschlag begeistert wäre wohl Anna Kurnikowa gewesen. Denn die Russin mit dem spektakulären (Augen-)Aufschlag hätte ihre Karriere kaum ohne Turniersieg beenden müssen.

Bleiben wir aber bei den nüchternen Fakten. An ATP- und WTA-Anlässen wird ausschliesslich anhand der Weltranglisten gesetzt. Von dieser Regel ausgenommen, sind die Grand-Slam-Turniere. Doch auch hier gelten die Rankings als wichtigster Massstab.

Die Ausnahme, die die Regel bestätigt, ist (wie könnte es anders sein?) Wimbledon. Hier werden die Leistungen auf Gras in die Gesamtbeurteilung miteinbezogen. Das führte in der Vergangenheit immer wieder zu grossen Diskussionen – und anfangs des 21. Jahrhunderts zu einer Reglements-Änderung. Seither müssen auch in Wimbledon die Top 32 des ATP-Rankings (sofern sie am Start sind) gesetzt sein – ihre Reihenfolge bleibt allerdings offen.

Bei den Frauen gibt es aber selbst auf dem heiligen Rasen wenige Abweichungen gegenüber dem WTA-Ranking. Nur wenn das Turnier-Komitee der Meinung ist, man müsse die Ergebnisse auf Gras beiziehen, um die Fairness zu wahren, werden Anpassungen gemacht.

Für die Setzliste der Männer hingegen gibt es klare Vorgaben. Innerhalb der besten 32 wird die Reihenfolge wie folgt bestimmt: Zu den (normalen) ATP-Punkten werden zu 100 Prozent nochmals alle Punkte addiert, die an den Rasenturnieren der letzten zwölf Monate gewonnen wurden und 75 Prozent der Punkte des besten Rasenturniers in den zwölf Monaten davor. – Sie sehen also: Schönheit ist auch hier kein Faktor. Und auch sonst hat alles seine Ordnung. Bob Marley, der grösste Gras-Spezialist der Geschichte, war in Wimbledon auf jeden Fall nie gesetzt.

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