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Fragen Sie BLICK-Renggli: Kalenderwoche 42

  • Aktualisiert am 03.01.2012

ZÜRICH - Sport-Experte und BLICK-Reporter Thomas Renggli beantwortet Ihre Fragen zu jedem sportlichen Thema!

Montag, 13.10.08

Peter Schüpbach, Abtwil: Beim gestrigen Rennen in Japan gab es wieder komische Entscheide. Meine Frage: Werden nur Fahrer bestraft, deren Fouls man im Fernsehen sieht, oder sieht man bei der Jury die ganze Strecke?

Antwort von Thomas Renggli: In der Formel 1 entscheiden die sogenannten Sport-Kommissare während eines Rennes über die Strafen – und Sie können sicher sein, dass die auf sämtliche verfügbaren Bild- und Ton-Informationen zurückgreifen können. Denn kaum ein Sport ist derart technologisiert und so gut durchleuchtet (auch was die mediale Abdeckung betrifft) wie die Formel 1. Als autonome Instanz sind die Sportkommissare nur der Sicherheit verpflichtet. Deshalb geniessen sie eine vergleichsweise hohe Akzeptanz bei den Fahrern.

Gleichzeitig sind ihre Entscheidungen natürlich aber auch immer von einem Ermessensspielraum abhängig – und bieten deshalb (allein aufgrund des Tempos und der Dynamik in der Formel 1) immer Anlass zu Diskussionen.

Allerdings ist das in allen Sportarten so. Oder haben Sie schon einmal ein Fussballspiel gesehen, in dem die Schiedsrichter von den Verlierern nach dem Schlusspfiff zum Nachtessen eingeladen worden sind? Oder ein Eishockeymatch, in dem sich ein Spieler bedankt hat, dass er zum Ausruhen vom Referee auf die Strafbank geschickt wurde?

Besonders hart traf es am Wochenende übrigens den Deutschen Triathleten Timo Bracht. Er beendete den Ironman auf Hawaii nach fast achteinhalbstündiger Schinderei auf dem guten 5. Platz – und wurde eine Stunde nach Rennschluss disqualifiziert. Weil er auf der 180 km langen Radstrecke für ein paar Meter die Spur gewechselt haben soll. Dieses Urteil ist selbst für einen Ironman ziemlich hart.

Dienstag, 14.10.08

Michael Weil, Zürich: Weshalb stand beim Eishockey-Spiel Servette – ZSC Lions am letzten Samstag nach dem verletzungsbedingten Out von Headref Eichmann kein Ersatzschiedsrichter bereit? Ist es für eine Profi-Liga nicht blamabel, wenn ein Spitzenkampf von zwei Linienrichtern geleitet wird?

Antwort von Thomas Renggli: Ich gebe Ihnen vollauf recht. Es ist für eine Profiliga tatsächlich ein bedenkliches Zeichen, wenn eine derartige Konstellation nicht ausgeschlossen werden kann. Doch die Begründung ist simpel: Die Schweizer Schiedsrichter sind personell zu dünn besetzt, um an jedem Meisterschaftsspiel einen Ersatz bereit zuhaben – das geschieht erst ab den Play-off-Halbfinals (sowie an wichtigen internationalen Turnieren). Insgesamt umfasst das „A-Kader“ im Schweizer Schiedsrichterwesen neun Mann. Bei einer Vollrunde in der höchsten Liga sind also zwei Drittel im Einsatz.

Die Problematik wird sich mittelfristig noch verschärfen. Denn der Internationale Verband forciert momentan die Einführung des (in der NHL schon angewandten) Viermann-Systems (mit je zwei Headschiedsrichtern und Linienrichtern). Bereits an den Olympischen Spielen 2010 in Vancouver sollen nur noch Schiedsrichter zum Einsatz kommen, die im Alltag im neuen Format arbeiten. Die Schweizer Liga wird also über kurz oder lang das Viermannsystem einführen müssen.

Eine Entspannung des personellen Engpasses ist allerdings nicht in Sicht. Denn einerseits geniesst der Schiedsrichter-Job denkbar wenig Sozialprestige, andererseits ist selbst die Aussicht auf eine Anstellung als Profi-Ref zu wenig attraktiv. Derzeit sind in der Schweizer Liga nur zwei von drei Jobs als Profischiedsrichter besetzt.

In letzter Konsequenz wären die Klubs gefordert. Nur sie könnten nämlich die finanziellen Mittel freimachen, um die Professionalisierung weiter voranzutreiben und den Posten des Unparteiischen aufzuwerten. Ob das allerdings geschieht, ist zu bezweifeln. Denn auch im Schweizer Eishockey gilt: Jeder denkt zuerst an sich selber – und die Schiedsrichter werden erst dann ein Thema, wenn sie etwas falsch machen.

Mittwoch, 15.10.08

Philippe Guggisberg, Bern: Können Sie mir erklären, weshalb der FC Basel und der FC Barcelona die gleichen Vereinsfarben tragen? Klar ist: Hans-Max «Juan» Gamper gehörte zu den Gründungsmitgliedern des spanischen Klubs. Er spielte aber zuvor in Zürich (und nicht in Basel) beim FC Excelsior. Ist die Parallele zwischen Basel und Barcelona gar reiner Zufall?

Antwort von Thomas Renggli: Ich muss Sie insofern korrigieren als Juan Gamper für den FC Basel spielte – allerdings nur einen einzigen Match. Den Grossteil seiner Schweizer Karriere verbrachte der gebürtige Winterthurer in Zürich. Wie Sie richtig bemerken, war sein Stammverein der FC Excelsior, aus dessen Fusion mit dem FC Turicum 1896 der FC Zürich hervorging. Gamper war also nicht nur Gründungsmitglied des FC Barcelona, sondern auch des FC Zürich. Ich überlasse es Ihnen, was Sie als bedeutender einstufen.

Die Frage nach der Herkunft der Klubfarben des FC Barcelona ist heute nicht mehr schlüssig zu klären und lässt sowohl eine baslerische wie eine zürcherische Interpretation zu. Die Farben des FC Excelsior waren nämlich praktisch identisch mit jenen des FC Basel. Weil Gampers Verbundenheit mit seinem Stammklub wohl grösser war als die mit dem FC Basel tendiere ich eher auf die Zürcher Version.

Beweisen kann ich es Ihnen aber nicht – und aus erster Hand sind ebenfalls keine Informationen mehr zu erfahren. Gamper, der sich im Kampf für seinen Klub immer wieder gegen die Staatsmacht aufgelehnt hatte und der 1925 wegen Unterstützung des „Katalanismus“ für drei Monate aus Spanien ausgewiesen worden war, verlor im Zug der Weltwirtschaftskrise sein gesamtes Vermögen und nahm sich am 30. Juli 1930 das Leben.

Donnerstag, 16.10.08

Barbara Steinbrunner, Zürich: Ich bin ZSC-Fan und wundere mich über die Ereignisse während des Spiels Lugano – Servette. Müsste der Verband nicht rigoros einschreiten, wenn gegnerische Spieler mit Gegenständen beworfen und tätlich angegriffen werden?

Antwort von Thomas Renggli: Bei den aufs Eis geworfenen Gegenständen handelte es sich offenbar um Münzen. Angesichts dieser Tatsache muss vermutlich sogar von einem kumulierten Strafbestand gesprochen werden. Denn es ist davon auszugehen, dass es Schwarzgeld war. Ob die Tessiner Steuerfahnder bereits wieder aktiv geworden sind, ist mir allerdings nicht bekannt.

Wie auch immer… Fliegende Münzen haben im Schweizer Eishockey eine lange Tradition – und vor allem in Lugano wurde diese Form der Einmischung durch das Publikum richtiggehend kultiviert. Frührer war es insofern noch massiver als die Tifosi auf Lire-Münzen zurückgreifen konnten. Seit der Einführung des Euros werden bevorzugterweise Frankenstücke geschmissen.

Ich bin absolut Ihrer Meinung, dass dies ein schwer akzeptierbarer Zustand ist – selbst wenn (wie am Dienstag Servette-Goalie Mona) der gegnerische Spieler etwas gar theatralisch zu Boden sinkt. Ohne gross moralisieren zu wollen, muss man sich nämlich die Frage stellen, wo die Grenze liegt? Bei einer Münze? Bei einem Feuerzeug? Oder bei einem Bierbecher? In der Resega ist schliesslich schon die halbe Stadioneinrichtung durch die Gegend geflogen. Ich erinnere an den Play-off-Final von 2001 (Lugano – ZSC).

Letztlich sind die Klubs an diesem Zustand aber mitschuldig. Sie haben nämlich vor ein paar Jahren die bereits beschlossene Regeländerung, wonach Mannschaften, deren Fans Gegenstände aufs Eis schmeissen, mit einer Zweiminutenstrafe taxiert werden, wieder rückgängig gemacht. Sie befürchteten wohl eine Verzerrung des Wettbewerbs. Denn keine Mannschaft erhielte mehr Gelegenheit, das Boxplay zu üben, wie der HC Lugano.

Freitag, 17.10.08

Manfred Escher, Halta: Für die Fussball WM in Südafrika qualifizieren sich in der Europazone die Gruppenersten direkt sowie die acht besten Gruppenzweiten in einer Barrage. Wie ist das Kriterium für die acht besten Gruppenzweiten? Zählen alle Punkte der Qualifikation? Also auch die verschenkten an Luxemburg?

Antwort von Thomas Renggli: In der europäischen WM-Qualifikation spielen 53 Verbände um 13 Plätze – eingeteilt in acht Sechser- und eine Fünfergruppe. Wie Sie richtig bemerken, sind die neun Gruppenersten direkt für das Turnier in Südafrika qualifiziert. Die acht besten Gruppen-Zweiten machen in einer Play-off-Runde (Hin- und Rückspiel) die restlichen vier Plätze unter sich aus. Weil aber nicht alle Gruppen gleich gross sind, werden zur Ermittlung der acht Teilnehmer an dieser K.o-Phase nur die Resultate der besten fünf in jeder Gruppe beigezogen. Die Punktgewinne (oder Punktverluste) gegen die Sechstplazierten fallen also in diesem Moment aus der Wertung. Würde Luxemburg die «Schweizer» Gruppe am Tabellenende abschliessen, wäre die Schmach von Zürich zumindest statistisch getilgt. Ob es aber soweit kommt, ist eine andere Frage. Denn die Luxemburger erreichten zuletzt auch gegen das Schlusslicht Moldawien ein Remis und liegen momentan drei Längen vor dem letzten Platz.

Aber sind wir ehrlich: Nach den jüngsten Leistungen und angesichts des Spielplans (mit Heimauftritten gegen die direkten Konkurrenten Israel und Griechenland) muss für die Schweiz der erste Platz das einzige Ziel sein. Denn die Konkurrenz ist in dieser Gruppe alles andere als übermächtig. Der vermeintliche Favorit Griechenland, vor vier Jahren noch stolzer Europameister, zuletzt aber mit deutlichem Abwärtstrend, war am Mittwoch ein dankbares «Opfer» und brachte nicht einmal mehr seine fast schon legendären Defensiv-Qualitäten auf den Rasen. In dieser Verfassung ist die Mannschaft von Otto Rehhagel weiter von der Weltspitze entfernt wie die UBS von der Auszeichnung «Bank des Jahres 2008».

Deshalb meine Einschätzung: Qualifizieren sich die Schweizer in dieser Gruppe nicht für die WM, müssen sie sich prinzipielle Fragen gefallen lassen. Luxemburg hin oder her.

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