Donnerstag, 16.10.08
Barbara Steinbrunner, Zürich: Ich bin ZSC-Fan und wundere mich über die Ereignisse während des Spiels Lugano – Servette. Müsste der Verband nicht rigoros einschreiten, wenn gegnerische Spieler mit Gegenständen beworfen und tätlich angegriffen werden?Antwort von Thomas Renggli: Bei den aufs Eis geworfenen Gegenständen handelte es sich offenbar um Münzen. Angesichts dieser Tatsache muss vermutlich sogar von einem kumulierten Strafbestand gesprochen werden. Denn es ist davon auszugehen, dass es Schwarzgeld war. Ob die Tessiner Steuerfahnder bereits wieder aktiv geworden sind, ist mir allerdings nicht bekannt.
Wie auch immer… Fliegende Münzen haben im Schweizer Eishockey eine lange Tradition – und vor allem in Lugano wurde diese Form der Einmischung durch das Publikum richtiggehend kultiviert. Frührer war es insofern noch massiver als die Tifosi auf Lire-Münzen zurückgreifen konnten. Seit der Einführung des Euros werden bevorzugterweise Frankenstücke geschmissen.
Ich bin absolut Ihrer Meinung, dass dies ein schwer akzeptierbarer Zustand ist – selbst wenn (wie am Dienstag Servette-Goalie Mona) der gegnerische Spieler etwas gar theatralisch zu Boden sinkt. Ohne gross moralisieren zu wollen, muss man sich nämlich die Frage stellen, wo die Grenze liegt? Bei einer Münze? Bei einem Feuerzeug? Oder bei einem Bierbecher? In der Resega ist schliesslich schon die halbe Stadioneinrichtung durch die Gegend geflogen. Ich erinnere an den Play-off-Final von 2001 (Lugano – ZSC).
Letztlich sind die Klubs an diesem Zustand aber mitschuldig. Sie haben nämlich vor ein paar Jahren die bereits beschlossene Regeländerung, wonach Mannschaften, deren Fans Gegenstände aufs Eis schmeissen, mit einer Zweiminutenstrafe taxiert werden, wieder rückgängig gemacht. Sie befürchteten wohl eine Verzerrung des Wettbewerbs. Denn keine Mannschaft erhielte mehr Gelegenheit, das Boxplay zu üben, wie der HC Lugano.