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Fragen Sie BLICK-Renggli: Kalenderwoche 41

  • Aktualisiert am 13.10.2008

ZÜRICH - Sport-Experte und BLICK-Reporter Thomas Renggli beantwortet Ihre Fragen zu jedem sportlichen Thema!

Montag, 6.10.08

Rolf Laube, Zürich: Würde heutzutage das Doping von früher überhaupt noch auf einer Liste stehen, oder gelten diese Art von Medikamenten mittlerweile nicht mehr als leistungssteigernd?

Antwort von Thomas Renggli: Doch, selbstverständlich. Die Problematik geht viel mehr in die andere Richtung. Die «Doping-Industrie» ist den Kontrolleuren immer einen Schritt voraus. Mit anderen Worten: Die leistungsfördernden Substanzen von heute können erst morgen (bzw. in ferner Zukunft) nachgewiesen werden. Deshalb werden die Urin- und Blutproben mittlerweile eingefroren und für acht Jahre aufbewahrt. Die jamaikanischen Wundersprinter von Peking (und sämtliche anderen Olympia-Heroen) haben ihre Medaillen also nur auf Bewährung gewonnen.

Dass einem die Doping-Sünden noch mit erheblicher Verzögerung zum Verhängnis werden können, musste etwa die amerikanische Sprinterin Marion Jones erfahren. Sie hatte an den Olympischen Spielen in Sydney 2000 fünf Medaillen gewonnen, musste diese aber (nach ihrem Doping-Geständnis) sieben Jahre später zurückgeben. Momentan sitzt sie wegen Meineides in einem amerikanischen Gefängnis.

Die Geschichte des Dopings ist so alt wie der Sport selber. Während aber früher mit eher brachialen Methoden (Amphetaminen, Kokain, Morphin, Strychnin, Steroiden) experimentiert wurde, sind die Methoden und Dosierungen mittlerweile so ausgeklügelt, dass selbst medizinisch präparierte Athleten negativ getestet werden.

Die ersten Dopingkontrollen an Olympischen Spielen wurden übrigens erst 1968 durchgeführt – als Folge auf den Tod des englischen Rad-Weltmeisters Tom Simpson, der an der Tour de France 1967 am Mont Ventoux mit einem Mix aus Alkohol und Aufputschmitteln im Blut zusammengebrochen war.

Simpson war aber sicher nicht der erste, der in die Medizinkiste (bzw.zur Flasche) gegriffen hatte. Die etymologische Herkunft des Ausdrucks Dopings stammt nämlich aus dem Afrikaans, der Sprache der weissen Buren in Südafrika. An Dorffesten der Eingeborenen soll dort ein Schnaps namens «Dop» getrunken worden sein. In welcher Form der aber leistungsfördernd war, ist heute nicht mehr zu eruieren.

Dienstag, 7.10.08

Vige Weiss, Rehovot: Was halten Sie von Änderungen in den Fussballregeln, um das Spiel attraktiver zu machen? Z. b. könnte bei einem Unentschieden das Eckball-Verhältnis als Kriterium beigezogen werden? Das würde die Mannschaften anspornen, auf Angriff zu spielen.

Antwort von Thomas Renggli: Ein interessanter Vorschlag – wie früher auf dem Pausenplatz (drei Corner = 1 Penalty). Ehrlich gesagt denke ich aber nicht, dass dies die Attraktivität des Spiels steigern würde. Denn das Erfolgsgeheimnis des Fussballsports basiert auf der leichten Verständlichkeit und den vergleichsweise simplen Regeln: Der Ball muss ins Tor. Zöge man die Corner-Statistik als Tie-breaker bei, würde das vermutlich nur dazu führen, dass die Mannschaften das Angriffspiel vermehrt darauf ausrichten, den Ball bloss in Richtung Grundlinie zu befördern – wie im Rugby bzw. im American Football.

Generell sind die Verbände im Umgang mit dem Regelwerk sehr zurückhaltend – was definitiv im Sinn der Sache ist. Inflationäre Regeländerungen tragen normalerweise nicht zur Transparenz und Verständlichkeit bei – was beispielsweise in der Formel 1 oder im Eishockey, wo fast im Jahresrhythmus am Wettbewerbs-Format gebastelt wird, zum Ausdruck kommt. Im Fussball hingegen wird konservativer verfahren. Eine der raren Modifikationen (die Rückpass-Regel) führte 1992 aber zu einer eindeutigen Attraktivitäts-Steigerung. Weniger durchdachte Änderungen (Golden- bzw. Silver-Goal) wurden hingegen wieder rückgängig gemacht.

Grösste aktuelle „Baustelle“ im Fussball ist die Problematik des Zeitschindens durch Simulieren – und damit ein Aspekt aus der Ornithologie (Vogelkunde): Wie lassen sich Schwalben bzw. sterbende Schwäne aus den Stadien vertreiben?

Bei der Fifa steht dieses Thema weit oben auf der Prioritätenliste. Dass es seit dieser Saison im Ermessen des Schiedsrichters liegt, das Geschehen zu unterbrechen, wenn ein Spieler am Boden liegt, ist ein Schritt in die richtige Richtung. Der Weisheit letzter Schluss ist dies aber noch nicht. Denn weiterhin geschehen auf dem Fussballplatz wundersame Dinge: Spieler, die sich noch wenige Sekunden zuvor kurz vor dem Ableben befunden hatten, erwachen unvermittelt zu neuem Leben – sobald sie vom Platz getragen werden und nicht mehr am Geschehen teilhaben können. Mit anderen Worten: Die Seitenlinie besitzt in den meisten Fällen die medizinisch positivere Wirkung als jeder ärztliche Beistand.

Mittwoch, 8.10.08

Jonas Ledermann, Zürich: Der FC Basel hat das grösste Budget der Super League und kann trotzdem nicht überzeugen. Der FC Zürich hat dem FC Basel im Jahr 2006 und 2007 den Meister gezeigt mit dem schönsten Fussball. Wieso sind die Basler trotz finanziellen Vorteilen nicht besser als der FC Zürich?

Erfreulicherweise lässt sich der Erfolg im Sport nicht kaufen. Sonst wäre Chelsea seit der Übernahme durch den 23 Milliarden Dollar schweren Oligarchen Abramowitsch garantiert immer englischer Meister geworden und würde Manchester City, der Klub, der neuerdings auf das unerschöpfliche finanzielle Reservoir des arabischen Scheichs Suleiman El Fahim zählen kann, ab 2010 jedes Jahr die Champions League gewinnen. Für Cristiano Ronaldo hat El Fahim beim Lokalrivalen Manchester United eine Offerte von 165 Mio. Euro deponiert.

In der Schweiz ist kein Scheich in Sicht. Entsprechend bescheidener sind die wirtschaftlichen Dimensionen. Beim FC Basel ist (offiziell) von einem 30-Mio-Budget die Rede; der FC Zürich operiert mit 15 Mio. Franken.

In dieser finanziellen Hubraumklasse lassen sich keine international renommierten Stars verpflichten – 15 Mio. mehr oder weniger ändern daran nicht viel. Die Klubs sind viel mehr auf ein gutes Scouting, die eigene Nachwuchsausbildung und Glück in der Verpflichtung von Ausländern angewiesen. Vor allem darauf basierten die Meistertitel des FC Zürich. Spieler wie Raffael oder Alphonse wechselten damals für ein Trinkgeld aus der Challenge-League nach Zürich. Daneben sprangen immer wieder eigene Junioren in die Bresche, wenn es darum ging personelle Lücken zu schliessen. Almen Abdi, der auf dem Weg zum ersten Titelgewinn nur eine Nebenrolle spielte, mittlerweile aber zum Nationalspieler gereift ist, liefert ein perfektes Beispiel.

Allerdings musste der FCZ in der vergangenen Saison die schmerzliche Erfahrung machen, dass der Erfolg im Schweizer Fussball sozusagen die eigenen Kinder frisst. Denn sobald sich ein Spieler einen gewissen Namen gemacht hat, beginnt er vom grossen Geld zu träumen – und verabschiedet sich früher oder später ins Ausland. Dies kostete dem FCZ im vergangenen Jahr die nationale Vormachtsstellung, und das macht momentan dem FCB zu schaffen. Denn Leute wie Derdiyok oder Stocker scheinen nicht mehr bloss in Rotblau zu denken. Ein anderer Pfeiler der Meistermannschaft 2008, Majstorovic, verabschiedete sich bereits im Sommer nach Griechenland.

Parallel zu diesen Entwicklungen in Basel legte sich in Zürich die grosse Hektik. Die Aussicht auf die Champions League, die noch vor zwölf Monaten einigen Exponenten die Sinne vernebelt hatte, bestand nicht mehr. Im Kader wurde aussortiert. Für teuere Ergänzungskräfte rückten Talente aus dem Nachwuchs nach. Trainer Challandes, der noch in der vergangenen Saison im eigenen „Rotations-System“ gefangen schien, konnte in Ruhe arbeiten und die Idealbesetzung seiner Mannschaft suchen. Die Tatsache, dass er (von verletzungsbedingten Absenzen abgesehen), praktisch immer auf die selben Spieler setzt, ist der Stabilisierung des Kaders (und der Stimmung in der Mannschaft) förderlich. In Basel hingegen nötigt die Doppelbelastung (Champions League, Meisterschaft) Trainer Gross zu regelmässigen Mutationen. Dies ist für den momentanen Zustand der beiden Schweizer Topklubs wohl entscheidender als die finanzielle Reichweite. Es lässt aber auch erahnen, dass schon in ein paar Wochen wieder alles anders sein kann – vielleicht zugunsten des FCB.

Donnerstag, 9.10.08

Rainer Wegmüller, Arisdorf: Ich ärgere mich seit Jahren über die bei Olympia und GP-Meetings eingeblendeten Weltrekorde. Marita Koch 47,60 oder die 800 Meter der Kratochvila. Schrecklich, die Deutschen und die Tschechen schämen sich ja, diese «Bestleistungen» zu erwähnen. Auch bei den Männern ist es im wahrste Sinn des Wortes abstossend: 23 Meter Kugelstossen, auch der Schweizer Rekord von Günthör mit 22,75 stinkt, usw. usw. Warum stellt die IAAF den Unsinn nicht ab?

Antwort von Thomas Renggli: Ich gebe Ihnen recht – ohne wenn und aber. Gewisse Bestmarken in der Leichtathletik wirken mittlerweile schon fast absurd. Nehmen wir beispielsweise den 100-m-Weltrekord der (mittlerweile unter mysteriösen Umständen verstorbenen) Amerikanerin Florence Giffith-Joyner aus dem Jahre 1988. Mit dieser Zeit hätte sie noch zwanzig Jahre später (mit grossem Vorsprung) die olympische Goldmedaillen gewonnen. Die Siegerin von Peking (Shelly-Ann Fraser) lief 10,78.

Oder eben Werner Günthör, der seine Bestmarke ebenfalls 1988 aufstellte. Er hätte damit den aktuellen Olympiasieger (den Polen Tomasz Majewski) um 1,24 Meter hinter sich gelassen. Der Schweizer Meister 2008, der Aargauer Urs Hasler, gewann seinen Titel übrigens mit 15,52. Es ist nicht davon auszugehen, dass Hasler bei seinem Goldstoss gedopt war. Übrigens: Kugel-Werni würde auch heute noch locker den Schweizer Meistertitel gewinnen. In Magglingen warf der 47-Jährige für Blick.ch die 7,257-kg-Kugel im ersten Versuch auf die Weite von 15,80 Meter – aus dem Stand!
Das Video des Sensationswurf finden Sie hier

In der deutschen Leichtathletik sind die Rekorde aus DDR-Zeiten, in denen nachweislich und flächendeckend geschummelt wurde, seit Jahren ein Thema. Der Verband stiess dabei allerdings an juristische Grenzen. Er entsprach zwar dem Antrag der früheren Weltklassesprinterin Ines Geipel, ihre nationalen Rekordwerte zu löschen. Eine rückwirkende individuelle Aberkennung aller nachweisslich mit Doping-Unterstützung aufgestellter Bestmarken gegen den Willen der Athleten ist rechtlich aber nicht möglich.

Eine ähnliche Thematik beschäftigte übrigens auch die Sportkameraden aus dem Velogeschäft – bezüglich des Stundenweltrekords. Alle zwischen 1984 und 1996 erzielten Rekorde wurden vom Weltverband nachträglich annulliert – allerdings nicht aus medizinischen Bedenken, sondern weil die Rennräder in dieser Zeitspanne eine extreme technische Entwicklung erlebten und letztlich mit einem herkömmlichen Velo kaum mehr etwas gemeinsam hatten. Seither müssen die Sportgeräte dem Stand des Velos von Edy Merckx 1972 entsprechen. Doping war in diesem Zusammenhang selbstverständlich nie ein Thema.

Freitag, 10.10.08

Philippe Styger, Schindellegi: Weshalb fahren Formel-1-Fahrer immer während einer Phase mit gelber Flagge an die Box?

Antwort von Thomas Renggli: Sie sprechen wohl die Boxenstopps während der Safety-Car-Phase (signalisiert durch gelben Fahnen und einem Schild mit der Aufschrift «SC»)an. In diesen unfall- oder witterungsbedingt gefährlichen Situationen setzt sich ein «Sicherheits-Wagen» vor das Feld. Das Tempo wird reduziert und das Feld unweigerlich zusammengeführt. Allerdings besteht ein striktes Überholverbot.

Ein Boxenstopp führt dann zu einem deutlich geringeren Zeitverlust als wenn das Feld im Renntempo unterwegs ist. Dieser Vorteil überwiegt den verhältnismässig grossen Platzverlust deutlich.

Das in seinen Details oft etwas diffuse Formel-1-Reglement weist während Safty-Car-Phasen aber auch eine Schikane auf. Denn im Gegensatz zum Reifenwechsel ist das Nachtanken in diesen Situationen verboten. Ein Vergehen wird mit einer Zeitstrafe von zehn Sekunden geahndet. Dieser Passus kann ein Rennen zur Lotterie machen. Fällt nämlich eine Safety-Car-Phase mit dem Zeitfenster für einen Tankstopp zusammen, werden die betroffenen Teams ungerechtfertigt bestraft. Aus diesem Grund soll im Hinblick auf die nächste Saison zum alten System zurückgekehrt und das Nachtanken wieder während des gesamten Rennens erlaubt werden.

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