Mittwoch, 8.10.08
Jonas Ledermann, Zürich: Der FC Basel hat das grösste Budget der Super League und kann trotzdem nicht überzeugen. Der FC Zürich hat dem FC Basel im Jahr 2006 und 2007 den Meister gezeigt mit dem schönsten Fussball. Wieso sind die Basler trotz finanziellen Vorteilen nicht besser als der FC Zürich?Erfreulicherweise lässt sich der Erfolg im Sport nicht kaufen. Sonst wäre Chelsea seit der Übernahme durch den 23 Milliarden Dollar schweren Oligarchen Abramowitsch garantiert immer englischer Meister geworden und würde Manchester City, der Klub, der neuerdings auf das unerschöpfliche finanzielle Reservoir des arabischen Scheichs Suleiman El Fahim zählen kann, ab 2010 jedes Jahr die Champions League gewinnen. Für Cristiano Ronaldo hat El Fahim beim Lokalrivalen Manchester United eine Offerte von 165 Mio. Euro deponiert.
In der Schweiz ist kein Scheich in Sicht. Entsprechend bescheidener sind die wirtschaftlichen Dimensionen. Beim FC Basel ist (offiziell) von einem 30-Mio-Budget die Rede; der FC Zürich operiert mit 15 Mio. Franken.
In dieser finanziellen Hubraumklasse lassen sich keine international renommierten Stars verpflichten – 15 Mio. mehr oder weniger ändern daran nicht viel. Die Klubs sind viel mehr auf ein gutes Scouting, die eigene Nachwuchsausbildung und Glück in der Verpflichtung von Ausländern angewiesen. Vor allem darauf basierten die Meistertitel des FC Zürich. Spieler wie Raffael oder Alphonse wechselten damals für ein Trinkgeld aus der Challenge-League nach Zürich. Daneben sprangen immer wieder eigene Junioren in die Bresche, wenn es darum ging personelle Lücken zu schliessen. Almen Abdi, der auf dem Weg zum ersten Titelgewinn nur eine Nebenrolle spielte, mittlerweile aber zum Nationalspieler gereift ist, liefert ein perfektes Beispiel.
Allerdings musste der FCZ in der vergangenen Saison die schmerzliche Erfahrung machen, dass der Erfolg im Schweizer Fussball sozusagen die eigenen Kinder frisst. Denn sobald sich ein Spieler einen gewissen Namen gemacht hat, beginnt er vom grossen Geld zu träumen – und verabschiedet sich früher oder später ins Ausland. Dies kostete dem FCZ im vergangenen Jahr die nationale Vormachtsstellung, und das macht momentan dem FCB zu schaffen. Denn Leute wie Derdiyok oder Stocker scheinen nicht mehr bloss in Rotblau zu denken. Ein anderer Pfeiler der Meistermannschaft 2008, Majstorovic, verabschiedete sich bereits im Sommer nach Griechenland.
Parallel zu diesen Entwicklungen in Basel legte sich in Zürich die grosse Hektik. Die Aussicht auf die Champions League, die noch vor zwölf Monaten einigen Exponenten die Sinne vernebelt hatte, bestand nicht mehr. Im Kader wurde aussortiert. Für teuere Ergänzungskräfte rückten Talente aus dem Nachwuchs nach. Trainer Challandes, der noch in der vergangenen Saison im eigenen „Rotations-System“ gefangen schien, konnte in Ruhe arbeiten und die Idealbesetzung seiner Mannschaft suchen. Die Tatsache, dass er (von verletzungsbedingten Absenzen abgesehen), praktisch immer auf die selben Spieler setzt, ist der Stabilisierung des Kaders (und der Stimmung in der Mannschaft) förderlich. In Basel hingegen nötigt die Doppelbelastung (Champions League, Meisterschaft) Trainer Gross zu regelmässigen Mutationen. Dies ist für den momentanen Zustand der beiden Schweizer Topklubs wohl entscheidender als die finanzielle Reichweite. Es lässt aber auch erahnen, dass schon in ein paar Wochen wieder alles anders sein kann – vielleicht zugunsten des FCB.