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Fragen Sie BLICK-Renggli: Kalenderwoche 40

  • Aktualisiert am 03.01.2012

ZÜRICH - Sport-Experte und BLICK-Reporter Thomas Renggli beantwortet Ihre Fragen zu jedem sportlichen Thema!

Dienstag, 30.9.08

This Ammann, Grabs: Was halten sie von der Leistung des SC Bern gegen die NY Rangers? Fehlte da nicht das Herz und die Leidenschaft?

Antwort von Renggli: Ich würde mit den Bernern nicht zu hart ins Gericht gehen. Denn selbst für Stars aus der Nationalliga A stellte diese Partie eine Begegnung der dritten Art dar. Plötzlich sahen sich die «kleinen» Schweizer nämlichen ihren grossen Vorbildern aus der NHL gegenüber – wobei «gross» wörtlich zu nehmen ist. Der in der Post-Finance-Arena eingesetzte Rangers-Goalie Stephen Valiquette misst 194 cm. Ausserdem fiel das Resultat ein paar Tore zu hoch aus. Denn bis zur 44. Minuten hielten die Berner zumindest resultatmässig den Kontakt und lagen nur 1:2 zurück.

Trotzdem spiegelt das Ergebnis die Weltordnung im Eishockey ziemlich perfekt. Dies ist Jahr für Jahr auch an jeder A-WM zu sehen. Dort sehen die Schweizer normalerweise nur gegen Gegner aus dem eigenen Leistungsbereich gut aus. Kommt es aber zum Duell mit Spitzenmannschaften, die in der Regel zum Grossteil aus NHL-Cracks bestehen, sind sie mit ihrem Latein mit frustrierender Regelmässigkeit am Ende.

Letztlich muss man die sportliche Bedeutung des Spiels vom Dienstag aber auch relativieren. Denn während sich die Rangers in der abschliessenden Phase der Saisonvorbereitung befinden und diverse ihrer Spieler noch Mitten im erbitterten Verdrängungskampf um die Plätze im NHL-Kader stehen, besass das Spiel für das Heimteam vor allem den Charakter einer Exhibition (bzw. einer Lehrstunde). Und da ist die 1:8-Niederlage gegen den vierfachen Stanley-Cup-Sieger eher als Erfolg zu werten als der glückhafte Penaltysieg der ZSC Lions gegen Biel vom gleichen Abend.

Mittwoch, 1.10.08

Hansjürg: Wieso spielt die italienische Fussball-Nationalmannschaft in Blau?

Antwort von Renggli: Nicht wegen Adriano Celentanos legendärem Canzone «Azzurro» und auch nicht, weil der Himmel über Italien (fast) immer blau ist. Der Farbe der italienischen Nationalmannschafts-Trikots (Azzurro=Himmelblau) hat einen interessanten historischen Ursprung.

Das italienische Blau geht auf die Königs-Dynastie Savoia zurück. Ihr heraldisches Zeichen war ein weisses Kreuz auf rotem Grund – ihre Familien-Farbe Blau. Ab 1911 trug die italienische Fussball-Nationalmannschaft das königliche Emblem auf der Brust und spielte in Blau. 1934 gewann sie in Azzurro den ersten WM-Titel. 1938 verteidigte Italien den WM-Titel erfolgreich – allerdings in Schwarz, weil die Faschisten einen Farbwechsel durchgesetzt hatten.

Nach dem zweiten Weltkrieg korrigierte man dieses Missverständnis. Mit dem Abdanken des letzten Königs Umberto II. – am 18. Juni 1946 – verschwand zwar das royale Zeichen von den Trikots. Doch am Blau hielt man fest – das gilt seither für die italienischen Auswahlmannschaften in sämtlichen Sportarten.

Donnerstag, 2.10.08

Michael Siegenthaler, Andwil: Warum gibt man viel Geld aus für sauberen Sport, gegen Doping, und dann empfängt man Lance Armstrong mit offenen Armen? Und schreiben sie mir nicht er habe nie unerlaubte Mittel genommen.

Antwort von Renggli: Eine vollkommen berechtigte Frage. Ist es doch bewiesen, dass Armstrong zumindest auf dem Weg zu seinem ersten Tour-de-France-Sieg einen Teil seines Stehvermögens dem medizinischen Betreuerstab (bzw. dem Epo-Doping) zu verdanken hatte. Dass die 1999 eingefrorene Urinmenge nicht genügte, um später eine B-Probe zu entnehmen (und den Texaner rechtens zu überführen) muss der Blauäugigkeit der Radsport-Götter oder einem übereifrigen Entsorgungs-Kommando zugeschrieben werden.

Nun kehrt Armstrong zurück – drei Jahre nach seinem letzten Tour-Sieg. Dass er ausgerechnet bei den überführten Blutpantschern der kasachischen Sportgruppe Astana einen Startplatz erhält und dass der öffentliche Jubel wesentlich grösser ist als die Skepsis die dem erfolgreichsten Rennfahrer der Geschichte entgegenschlägt, steht für zwei Dinge: Einerseits geniesst Armstrong (vor allem in den USA) dank seines gewonnenen Kampfes gegen den Krebs den Status eines Helden, andererseits befindet sich der Radsport in einer derart tiefen Sinneskrise, dass jede Möglichkeit wahrgenommen wird, um von den wahren Problemen abzulenken.

Allein die Ereignisse in den letzten drei Jahren – notabene nach Armstrongs Rücktritt – lassen erahnen, dass ohne ärztlichen Beistand keine Topleistungen möglich sind. Oder ist es vielleicht doch so, dass gewisse positive Dopingproben auf Komplotte und Verschwörungen zurückgehen? Der unter Doping-Verdacht stehende Berner Zeitfahr-Olympiasieger Fabian Cancellara behautet das. Allein diese Aussage müsste eigentlich eine Sperre nach sich ziehen.

Freitag, 3.10.08

David Huber, Zürich: Weshalb besteht eine Fussball-Mannschaft aus elf Spielern?

Antwort von Renggli: Die Ursprünge des modernen Fussballs gehen auf das historische China zurück. Dort wurde im 3. Jahrhundert v. Chr. ein fussball-ähnlicher Sport zur militärischen Ausbildung getrieben. Auch die Maya und Azteken sollen schon dem Ball nachgejagt sein.

Im Mittelalter tauchte der Fussballsport in England das erste Mal auf. Dabei duellierten sich ganze Dörfer und Städte, die versuchten, einen Ball durchs gegnerische Stadttor zu befördern. Regeln gab es keine. Erlaubt war alles. Entsprechend gross war das Blutvergiessen. Kirche und Krone schritten ein und verboten die brutale Kampfform mehrmals.

Kultiviert wurde der Fussball an den englischen Universitäten im 19. Jahrhundert.
1848 verfassten Studenten der Universität Cambridge das erste Regelwerk („Cambridge Rules“). Es beschränkte die Mannschaftsgrösse auf 15 bis 20 Spieler. 1857 wurde der erste Fussball-Klub der Welt, der Sheffield FC, gegründet. Erst 1863 entstand der erste Verband, die englische Football Association. Sie trieb die Entwicklung des Spiels voran, modifizierte die Regeln, beschränkte 1870 – vier Jahre nach Einführung des Offsides – die Spielerzahl auf elf und verbot ein Jahr später allen Feldspielern den Ball mit der Hand zu spielen.

Diese beiden Neuerungen waren vor allem als Abgrenzung zum damals weiter verbreiteten Rugbysport zu sehen, in dem ein Team aus 15 Spielern bestand und der Ball getragen wurde. Die Theorie, die Spielerzahl im Fussball gehe auf die Grösse der Schlafsäle an den englischen Universitäten zurück, ist wohl dem Reich der Träume zuzuordnen. Vielmehr ist sie damit zu begründen, dass es damals für viele Teams schwierig war, genügend Personal zu mobilisieren.

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