Mich interessiert, weshalb die Russen im Hockey so viel Geld haben, obwohl sie nicht mehr Zuschauer haben als wir in der Schweiz. Reto Schmutz, Barbereche
Die Zuschauerzahlen spielen in diesem Zusammenhang eine Nebenrolle. Denn auf dem Territorium der früheren Sowjetunion hat sich die freie Marktwirtschaft auch auf sportlichem Parkett mit Nachhaltigkeit durchgesetzt. Im Eishockey ist die russische Liga, die Kontinental Hockey Liga, die seit dieser Saison auch Klubs aus Lettland (Dynamo Riga) und Weissrussland (Dynamo Minsk) umfasst, in den vergangenen Jahren quasi zur zweiten Weltmacht gewachsen.
Heute gilt sie als wichtigster Gegenpol zur National Hockey League (NHL). Sie bietet eine stark aufgewertete Infrastruktur (20 der 24 Teams spielen in modernen Hallen) und ein derart lukratives Betätigungsfeld, dass selbst die ganz Grossen nicht mehr auf ein Nordamerika-Engagement angewiesen sind
Alexei Jaschin etwa, in der NHL bis 2007 bei den New York Islanders unter Vertrag, verdient in Jaroslawl pro Jahr drei Millionen Dollar – und das zu vorteilhaften Konditionen. Während jenseits des Atlantiks der Fiskus bis zu 49 Prozent des Salärs abzweigt, profitieren Arbeitnehmer in Russland von einem einheitlichen Steuersatz. Und der beträgt konsumentenfreundliche 13 Prozent – egal, ob Buschauffeur oder Sport-Millionär.
Das hebt den Durchschnittslohn eines Eishockeyprofis in der Kontinental Hockey Liga (rund 500 000 Dollar pro Jahr) über das NHL-Mindestsalär (450 000 brutto) und liefert einen unmissverständlichen Anhaltspunkt, weshalb sich immer mehr ausländische Spieler für ein Engagement in Russland entscheiden. So drückt die russische Wirtschaftskraft – die Kontinental-Liga-Klubs verfügen über Budgets von bis zu 67 Millionen Dollar pro Jahr (Kazan) – indirekt auch auf das Leistungsniveau in der Schweiz.
Am Ursprung des Aufschwungs in Russland standen interessanterweise nicht die (früher vom Regime unterstützten) Traditionsklubs aus Moskau (ZSKA, Dynamo, Spartak), sondern die Neureichen aus der Provinz. In Ufa, dem aktuellen Meister, sowie Kazan und Nischnekamsk beispielsweise rollt der Rubel, weil das Öl fliesst. SKA St. Petersburg hängt an der Pipeline des Rohstoff-Giganten Gazprom.
In Magnitogorsk kann Metallurg auf den grosszügigen Support der Metallindustrie zählen, in Omsk hatte der Chelsea-Besitzer Abramowitsch die finanzielle Basis gelegt. In Chabarowsk wird der lokale Klub durch Gelder aus dem Goldhandel finanziert. Apropos Chabarowsk: Der östlichste Ableger spielt zwar vor ausverkauften Rängen (7100 Zuschauer), doch geografisch steht der Klub im Abseits – 8531 km (sieben Zeitzonen) entfernt von Moskau.
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Aktualisiert um 14:24 | 24.01.2009
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