Vermiest Williams die Sauber-Rettung?

  • Publiziert: 15.10.2009, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Von Roger Benoit aus São Paulo

Peter Sauber hat am Dienstag den 66. Geburtstag im geliebten Laax gefeiert. Einer der wenigen freien Tage in der Zeit des Horrors.

Wo nimmt Peter Sauber nur die Kraft her, um sein Team, mit dem er 1993 bis 2005 (meist glücklich) allein unterwegs war, in eine gesicherte Zukunft zu führen? Dass BMW nach nur vier Jahren Ehe mit Sauber den Bettel hinwarf, ist einfach stillos.

Dass dann die mit KERS kläglich gescheiterten Münchner aber kurz vor der Unterzeichnung des neuen Concorde Agreements (Formel-1-Gesetz) mit erhöhten Verkaufsforderungen Saubers Lebenswerk und 420 Hinwiler Arbeitsplätze gefährdeten, war für Sauber «der schlimmste Tag meiner Karriere».

Wer nicht offen kommuniziert, bekommt Probleme

Jetzt versucht BMW (mit Boxen-Bürokrat Theissen) zu retten, was noch zu retten ist. Mit einem Verkauf an den für viele immer noch mysteriösen Investor Qadbak. Es kommt, wie es kommen musste: Wer nicht offen kommunziert, bekommt Probleme. Ist der einst aus München offiziell angekündigte Verkauf schon über die Bühne? Eine klare Stellungnahme gibt es nicht.

Aber jetzt wird plötzlich der vierzehnte Startplatz 2010 zur Hauptsorge. «Wir können nicht mit Fahrern und Sponsoren verhandeln, wenn wir nicht sicher dabei sind», wird Theissen zitiert. Der Deutsche dürfte aber im Nachfolgeteam Qadbak (und wohl auch Sauber) kaum eingeplant sein.

Nun, Sauber schweigt noch. Er leidet. Auch unter seinem alten Weggefährten Frank Williams (67). Der Rollstuhl-General, dessen Autos zuletzt am 24. Oktober 2005 hier in São Paulo siegten (mit Montoya und BMW-Power), legte gegen Sauber-Qadbak sein Veto ein. Da nur 13 Teams im Concorde Agreement vorgesehen sind, braucht ein 14. Mitglied die Unterstützung der 13 andern Mannschaften.

Warum Frank Williams auf stur schaltet, ist jetzt klar: Er will Sauber dessen Super-Sponsor, den malaysischen Ölriesen Petronas ausspannen, hat schon Kontakte geknüpft.

Alte Rachegelüste gegen BMW – Sauber büsst

Wenn Sauber nicht kommt, dürfte Petronas weich werden. Da Williams 2010 den GP-Senior Rubens Barrichello (37) ins Team holt, könnte er auch Brasiliens Mineralöl-Gigant Petrobras einfacher haben. Doch der Brite war schon einmal mit Petrobras zusammen, musste dann aber offenbar auf dessen Öl verzichten, weil Motorenpartner Toyota sich über mangelnde Qualität beklagte. Mit Motorschäden als Folge! Da musste sich Sauber in seinen dreizehn Petronas-Jahren nie Gedanken machen.

Dass Williams jetzt das böse Spiel treiben kann, hat auch die FIA zu verantworten. Chef Mosley (noch acht Tage im Amt) weiss genau, dass von den vier Neulingen Manor, Campos, Lotus und USF1 nicht alle vier in 21 Wochen beim Start in Bahrain dabei sind. Warum lässt man Sauber leiden?

Alte Rachegefühle von Mosley und Ecclestone gegen BMW sollten jetzt keine Rolle spielen. Dass Frank Williams sich jetzt unbarmherzig zeigt (oder will er Sauber sein Vetorecht gar verkaufen?), liegt an Ex-McLaren-Boss Ron Dennis. Der schnappte ihm dauernd die besten Deals weg: Stardesigner Adrian Newey (jetzt Red Bull), Pilot Montoya, Honda und den arabischen Milliardär Mansour Ojjeh.

play Rollstuhl-General Williams sabotiert die Rettung des Sauber-Teams. (AP)