Und der Titelkampf tobt

  • Publiziert: 20.09.2008, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Von Peter Sauber
play Auch dieses Jahr ist das Rennen um die Weltmeisterschaft noch völlig offen. (AP)

Damit hätte noch vor wenigen Wochen wirklich niemand gerechnet. Sebastian Vettel eroberte sich beim Grossen Preis von Italien in Monza nicht nur die Pole-Position, sondern fuhr von der Spitze aus auch gleich einen souveränen Sieg heraus. Und das bei extrem schwierigen Bedingungen. Natürlich war es ein Vorteil für ihn, dass er im Regen vorneweg fahren konnte und keine Gischt hatte, aber diese gute Position wird ja niemandem geschenkt.

Was mich an Vettel beeindruckt, ist nicht nur sein Speed, sondern seine grosse Rennintelligenz. Die Art und Weise, wie er mit heiklen Situationen umgeht. Andere Piloten beklagten sich in Monza über zu kalte oder zu warme Reifen, über verglaste Bremsscheiben oder anderes. Von Vettel hat man gar nichts gehört. Der hat am Ende einfach den Siegerpokal in Empfang genommen. Chapeau!

Für mich steht ausser Frage, dass Sebastian eine grosse Zukunft vor sich hat. Für ihn war Toro Rosso ein Glücksfall. Er konnte und kann dort ohne zu viel Druck von aussen reifen. Und ich muss sagen, dass seine Lernkurve beeindruckend steil verlaufen ist. Sebastian tut der Formel 1 mit seinem Können und seiner sympathischen Art unheimlich gut. Nach Lewis Hamilton kommt jetzt der zweite Shootingstar der neuen Generation.

Aber halt, da fehlt doch einer! Robert Kubica, der ganz eindeutig auch in diese Kategorie gehört.

In Monza fiel er zuerst nicht gross auf, weil er von Position 11 aus startete, aber danach lieferte er eine grossartige Leistung ab. Zusammen mit den Ingenieuren hatte der Pole entschieden, auf eine Einstopp-Strategie zu setzen und sein Auto randvoll zu tanken.

Vor allem zu Beginn war es für ihn sehr schwierig, den Wagen unter Kontrolle zu halten. Denn wenig Abtrieb in Kombination mit viel Benzin und nasser Piste – das passt eigentlich schlecht zusammen. Aber es war die einzig sinnvolle Strategie, und Robert hat das grossartig gemeistert. Er hat zu Beginn mit dem sehr schweren Auto den Rückstand in Grenzen gehalten und dann richtig attackiert, nachdem er von den Regenreifen auf die Intermediates gewechselt hatte. Robert fuhr absolut fehlerfrei und arbeitete sich letztlich vom 11. Startplatz auf den 3. Rang vor.

Damit hat er nun 64 WM-Punkte auf seinem Konto, 14 weniger als Lewis Hamilton und 13 weniger als Felipe Massa. Natürlich steht er damit nicht auf der Pole-Position im Kampf um die Weltmeisterschaft, aber ich rate dringend davon ab, ihn vorzeitig abzuschreiben. Robert ist ein unglaublicher Kämpfer, für den das Wort «aufgeben» nicht existiert. Wir werden ihn mit all unseren Kräften unterstützen.

Man muss sich nicht weit zurück erinnern, um zu sehen, wie schnell sich in der Formel 1 die Dinge ändern. Vor einem Jahr hatte Lewis Hamilton zwei Rennen vor Schluss 17 Punkte Vorsprung auf Kimi Räikkönen – das Ende der Geschichte ist bekannt. Gleiches gilt übrigens für die Konstrukteurs-Wertung. Ferrari führt mit 134 Zählern, vor McLaren mit 129 und dem BMW-Sauber mit 117. Auch da ist noch alles möglich.

Vier Rennen stehen noch aus, und das wohl spektakulärste findet gleich am kommenden Wochenende statt. In Singapur fährt die Formel 1 erstmals bei Nacht, zur gewohnten TV-Zeit in Europa. Darauf bin ich extrem gespannt! Und Sie sollten das auf keinen Fall verpassen! Ja, wenn es Nacht wird in
Singapur wird auch die Formel 1 übrigens 800 Rennen alt!