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SonntagsBlick: Sie waren wie im letzten Jahr nach Weihnachten in Davos und haben sich den Spengler-Cup-Final angeschaut. Sind Sie ein richtiger Eishockey-Tifoso?
Jarno Trulli: Nicht speziell Eishockey. Ich liebe Sport generell.
Was verbindet Sie mit Davos und dem Eishockey?
In der Schweiz werden meine Weine in Davos vertrieben. Also bin ich regelmässig hier. Zudem habe ich viele Kumpels in Eishockey-Kreisen. So ist NHL-Legende Patrice Brisebois ein sehr guter Freund von mir.
Italiener ziehts aber mehr zum Calcio?
Mich nicht. Ich bin kein Extrem-Tifoso, habe auch keinen Lieblingsklub. Ich liebe es aber, selber Fussball zu spielen.
Sie leben in Pontresina und haben ein Haus in Lugano. Ist der Abruzzese Trulli mittlerweile mehr Schweizer als Italiener?
Ich bin halber Schweizer, mindestens. Und ich kehre sehr selten nach Italien zurück.
Was reizt Sie am Engadin?
Die Landschaft ist toll. Es ist perfekt zum Mountainbiken, zum Langlaufen, um Ski zu fahren, zum Joggen. Ich habe mittlerweile viele Freunde dort. Selbst wenn ich nur selten in St. Moritz bin.
Zum Sportlichen. Fast wären Sie bei Sauber gelandet.
Ich hatte Kontakt mit Peter Sauber, das stimmt. Unter ihm zu fahren, wäre eine sehr interessante Sache gewesen. Denn er ist ganz anders als alle anderen in diesem Zirkus. Peter Sauber ist sauber und ehrlich. Und er hat aus wenig sehr viel gemacht. Aber es wird nach dem Ausstieg von BMW für ihn schwieriger als zuvor. Das ist eine neue Ausgangslage.
Hat das den Ausschlag zugunsten von Lotus gegeben?
Lotus ist ein tolles und spannendes Projekt mit hohen Ambitionen und viel Power dahinter, auch finanzieller. Auf jeden Fall ist es eine gewaltige Herausforderung, für dieses Team zu fahren.
Werden Sie endlich Ihr zweites Rennen gewinnen können?
Es ist zu früh, von Siegen zu sprechen. Zuerst muss das Team aufgebaut werden. Dann wollen wir unter die besten Rennställe vorstossen.
Das Beispiel Brawn wird da Mut gemacht haben.
Das war eine ganz andere Ausgangslage. Der Brawn war ein weiterentwickelter Honda. Die mussten nicht bei null anfangen. Ein Vorteil, den übrigens auch Sauber hat.
Kann der Mythos Lotus Wiederauferstehung feiern? Ich erinnere an Graham Hill, Stirling Moss, Jim Clark, Jochen Rindt, Ayrton Senna, Emerson Fittipaldi, Mario Andretti und an sechs WM-Titel.
Das sind längst vergangene Zeiten! Von diesen ist nullkommanull zurückgeblieben. Jetzt geht es darum, uns an diese anzunähern. Aber Lotus ist ein Mythos, keine Frage.
Sie haben mal gesagt, Sie bilden mit Heikki Kovalainen das beste Pilotengespann der Formel 1.
Ich erachte das Team in der Tat als optimal. Ich bin ein alter Hase mit sehr viel Erfahrung, Heikki ist ein Junger und kommt von McLaren, einem ganz grossen Team. Sicher sind wir das beste Paar unter den neuen Teams.
Der Name Trulli steht mittlerweile auch für Wein. Welchen Einfluss nehmen Sie auf die Gewächse Ihrer Podere Castorani?
Mein Vater Enzo kümmert sich um das Gut in meiner Abruzzer Heimat. In der Schweiz habe ich durch Antonio Sellitto vom Ristorante La Carretta in Davos einen optimalen Vertrieb und schaue regelmässig vorbei. Aber ich stehe natürlich nicht im Weinkeller, dazu haben wir Spezialisten. Ich rede vor allem im Marketingbereich und bei der Auswahl der Produkte mit. So ist unser Hauptwein, der Jarno, ein Flaggschiff, mit dem ich mich voll und ganz identifiziere.
Woher kommt Ihre Affinität zum Wein?
In den Abruzzen hat der Weinbau grosse Tradition. Schon mein Grossvater hat Wein gemacht. Wir konnten ein Weingut übernehmen, das aus dem Jahr 1794 stammt. Ich trinke sehr gerne Wein. Aber nicht viel. Ich degustiere ihn lieber.
Ihr Lieblingswein?
Der Jarno, logisch.
Warum?
Weil er einem Amarone nahekommt, und ich bin ein grosser Amarone-Fan. Die Trauben für den Jarno werden auch spät gelesen und auch teils getrocknet. Und der Jarno ist ebenfalls ein Wein zum Meditieren.