Toro-Rosso-Chef: «Buemi bis jetzt klar unter Wert geschlagen»

Die vielen Schweizer Formel-1-Fans haben es zurzeit nicht leicht. Sébastien Buemi (20) sitzt in einer GP-Kiste, die nicht mehr läuft.

  • Publiziert: 23.06.2009, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Von Roger Benoit
play Trotz des Silverstone-Flops ist man bei Toro Rosso mit Formel-1-Rookie Sébastien Buemi zufrieden. (Keystone)

BLICK: In den ersten drei Rennen 2009 wurde Buemi mit drei Punkten als Super-Neuling gefeiert. Jetzt kämpft er gegen die letzten Plätze…
Franz Tost: Buemi kann für die jetzigen Resultate nichts dafür. Man muss die Realität so akzeptieren, wie sie ist. Erstens ist unser Auto von den Aerodynamik-Spezifikationen rund eine Sekunde langsamer als der Red Bull.

Und zweitens?
Buemi war mit dem Formel-1-Auto zum ersten Mal in Silverstone. Da wirkt sich das Testverbot extrem negativ aus. Denn bisher hatte auf dieser schwierigen Strecke jeder Fahrer mindestens drei Testtage vor dem Rennen.

Und drittens?
Es tauchten bei uns unerwartet technische Probleme auf. Ein Hydraulikdefekt und ein Sensorfehler mit dem Schnellschaltgetriebe raubten Buemi am Freitag und Samstag wertvolle Trainingszeit. Dazu kamen dann am Sonntag noch die Magenprobleme beim Schweizer dazu.

Die bisherige Saisonbilanz?
Buemi hat gut gearbeitet. Das Team dagegen mittelmässig bis schlecht, weil wir bisher zu dumm waren, ein Auto hinzustellen, das auch funktioniert.

Aber hätten Sie als B-Team von Red Bull nicht mehr Hilfe vom A-Team erwartet?
Warum? Toro Rosso erhält vom Entwicklungszentrum in England die Zeichnungen für die Spezifikationen zeitgleich mit Red Bull.

Und warum feiern dann Vettel/ Webber Doppelsiege – und Buemi sowie Bourdais humpeln am Ende herum?
Wir haben andere Kriterien, nach denen der Bau dieser Teile entschieden wird. Zuerst müssen wir mal wissen, ob sie uns einen Vorteil von mindestens 0,3 bis 0,4 Sekunden bringen. Und dann müssen wir auch innerhalb des Budgetplans bleiben.

Was heisst das?
Wir können nicht alle Teile sofort bauen. Wir müssen zuerst sehen, ob diese bei Red Bull Vorteile bringen. Erst dann entscheiden wir. Und dann beginnen in Faenza die Techniker, die für unseren Ferrari-Motor notwendigen Veränderungen zu übernehmen. Denn Red Bull fährt ja mit Renault-Power.

Sie fahren beim GP Ungarn am 26. Juli als letztes Team den Doppeldiffusor. Warum so spät?
Für den Doppeldiffusor müssen folgende Teile am Auto neu konstruiert werden: die Aufhängung hinten, das Hydrauliksystem, der Kühler, der Auspuff und die Motorverkleidung.

Und wenn Buemi in Budapest mit dem «neuen» Auto nicht wieder ins Mittelfeld fährt?
Dann haben wir ein innerbetriebliches Problem! Und nur zum Verständnis: Wenn wir unseren Doppeldiffusor bringen, arbeitet man bei Red Bull bereits an der dritten Stufe dieses Teiles. Aber das schaffen wir finanziell nicht.

Wie hoch ist eigentlich das Budget von Toro Rosso?
Sagen wir mal die Hälfte von Red Bull (und das soll 200 Millionen Euro betragen, d. Red.).

Glauben Sie, dass Toro Rosso 2009 noch WM-Punkte holt?
Ja, und zwar in einigen Rennen. Denn Buemi wurde bis jetzt klar unter seinem Wert geschlagen.

Und wie optimistisch sind Sie, dass der Krach zwischen der FOTA und FIA noch mit einem friedlichen Kompromiss endet?
Ich bin optimistisch, dass die acht Teams der FOTA auch 2010 guten Spitzensport betreiben!

Interview von Roger Benoit