WM-Dreikampf Alonso, Hamilton, Vettel Stolpert Red Bull über Renault?

  • Publiziert: 16.03.2010, Aktualisiert: 03.01.2012
  • Von Roger Benoit aus Bahrain
play Beim Start entwickelte der Red-Bull von Mark Webber so viel Rauch, dass hinter ihm Sutil und Kubica kollidierten. Später spukte der Motor in Vettels Red-Bull. (Keystone)

Es war nicht der Auspuff, der Vettel in Bahrain den Sieg im Red-Bull raubte. Es war ein Elektrik-Defekt am 7. Zylinder, der ihn um 75 PS schwächte. Kommt Renault beim Dosen-Team wieder in die Kritik?

In der letzten Saison verlor Sebastian Vettel (22) die WM gegen Jenson Button (30) im Brawn-Mercedes mit 84:95 Punkten.

Der Endspurt des Red-Bull-Stars mit 25:11 Zählern in den letzten drei Rennen kam zu spät. «Wir hatten zu viele Nuller auf dem Konto. Leider waren auch zwei Unfälle in Australien und Monaco dabei», ärgerte sich Vettel.

Button brachte die Krone nach sechs Siegen in den ersten sieben Rennen dank der Zuverlässigkeit seines Autos (nur ein Ausfall, Crash in Spa) nach Hause. Auch wenn er von den letzten zehn Rennen keines mehr gewann! Und für seine oft unkämpferischen Einsätze auch viel Kritik einstecken musste.

Motorschäden stören Training

Bei Red Bull schob man die WM-Niederlage zu einem grossen Teil auch Motorenpartner Renault in die Schuhe. Weil vor allem der Trainingsbetrieb an den GP-Wochenenden dauernd von Renault-Motorschäden empfindlich gestört wurde.

In den Rennen explodierte bei Vettel der französische 2,4-Liter-Motor mit 750 PS nur in Valencia.

Verzweifelt versuchte das Team von Milliardär Dietrich Mateschitz (65) im Sommer den Motor zu wechseln und 2010 mit Mercedes-Power anzutreten.

Die Stuttgarter hätten den Deal gerne gemacht, doch der Transfer scheiterte am damaligen Vetorecht von McLaren-Oberguru Ron Dennis (62).

Und so ist Vettel auch dieses Jahr mit Renault-Power unterwegs.

Vettel: «Dummer Defekt kostete mich 13 Punkte»

Doch nach dem missglückten Auftakt und den schlechten Topspeed-Messungen am Sonntag schrillen wegen Renault bereits wieder alle Alarmglocken im englischen Red-Bull-Hauptquartier in Milton Keynes.

«Dieser dumme Defekt hat mich einen sicheren Sieg, den schönsten Pokal des Jahres und 13 WM-Punkte gekostet», stöhnte Vettel. Statt als erster Fahrer der Formel-1-Geschichte die 25 Zähler zu kassieren, holte er mit seinem vierten Platz nur 12 Punkte!

Noch hält sich der Schaden bei 18 ausstehenden WM-Läufen in Grenzen. Aber Vettel weiss, dass auch 2010 jeder Punkt zählt. Und seine beiden wohl grössten Titelgegner (Fernando Alonso im Ferrari und Lewis Hamilton im McLaren-Mercedes) liegen schon mal vor ihm.

Vettel: «Diese 25 Punkte wären ein tolles Geschenk gewesen, weil wir für diese Strecke nicht unbedingt das ideale Auto hatten.»

«So wehrt sich ein grosser Champion»

Und Bahrain-Sieger Alonso, seit einigen Wochen in Lugano daheim, gibt offen zu: «Red Bull ist uns noch ein Stück voraus, weil die Wüstenpiste zu unserem Auto viel besser passte.»

Die Fans dürfen sich schon auf die zweite WM-Runde in zwölf Tagen in Melbourne freuen. «Was Vettel in Bahrain nach dem grossen PS-Verlust mit seinen unglaublichen Kurventempi gezeigt hat, ist Weltklasse», lobte Red-Bull-Talentspäher Dr. Helmut Marko seinen Superstar. «So etwas habe ich noch nie erlebt. So wehrt sich nur ein grosser Champion gegen einen drohenden Untergang. Sebastian hätte das immer näher rückende Mercedes-Duo sicher einige Zeit geärgert.»

PS. Die Mercedes-Silberpfeile mit Nico Rosberg und Michael Schumacher hat momentan niemand auf der Titelrechnung 2010.