Exklusiv-Interview mit Barcelona-Opfer Sébastien Buemi: «Keine Zeit für Angst»

BARCELONA - Buemi hat 3 WM-Punkte – wie Massa und Räikkönen im Ferrari. Jetzt lernte unser GP-Fahrer den Horror kennen.

  • Publiziert: 12.05.2009, Aktualisiert: 14.01.2012
  • Von Roger Benoit

Blick: Gut geschlafen? Oder haben Sie wegen des Unfalls sogar Albträume gehabt?

Sébastien Buemi : Ich schlafe eigentlich immer gut. Da habe ich zum Glück keine Probleme – und wenn ich mal vom Rennsport träume, dann geht es um das Rennen oder ein gutes Resultat.

Haben Sie sich den Unfall, der Millionen schockte, später am Fernseher angeschaut?

Sicher, mehrmals. Die ganze Aktion hat ja wirklich spektakulär ausgesehen. Im Cockpit habe ich das alles aber gar nicht so stark mitbekommen. Du spürst einen Schlag im Heck – und dann steht das Auto schon im Kiesbett.

Tönt nicht gerade dramatisch, wenn es nach einigen Fehlern von Berufskollegen plötzlich um Leben und Tod geht. Sie waren ja der einzige Unschuldige bei diesem Massencrash – keine Angst gehabt?

Nein, um Angst zu haben oder sie irgendwie zu spüren, fehlte in Barcelona die Zeit. Du wunderst dich am Ende einfach, was denn passiert ist. Ich kann mich nur noch daran erinnern, dass sich vor mir der Trulli gedreht hat – und ich danach sofort vom Gas ging.

Ja – und dann ist Ihnen Teamkollege Bourdais voll ins Heck geknallt. Hat sich der Franzose wenigstens entschuldigt?

Nein, er sagte nur, dass er nichts gesehen habe. Und ich hatte auch keine Lust, mich lange mit ihm zu unterhalten.

Wie knapp war es am Sonntag nun wirklich?

Es war gefährlich. Der Toro Rosso ist mir keine zehn Zentimeter am Helm und am Lenkrad vorbeigeflogen. Zudem hat ein Teil des Wagens meine rechte Schulter berührt. Das hat kurz weh getan.

Sie sind mit 20 Jahren ein sehr kühler Typ. Emotionen sind Ihnen irgendwie fremd. Aber da war ja am Muttertag auch Ihre Mama Veronique live dabei...

Natürlich hat sie sich ein wenig erschrocken – aber sie wird sich daran gewöhnen, weil sie weiss, dass der Automobilrennsport eben gefährlich sein kann.

In den letzten Rennen hat Sie das Glück etwas verlassen...

Mit Glück allein kommt man nicht weiter. Unser Auto wird immer besser, aber wenn wir nicht fertig fahren, gibts auch keine Punkte. So einfach ist das.

In 9 Tagen gehts nach Monte Carlo – eine tolle Strecke?

Ein schwieriger Kurs, aber ich kann mit jeder Piste gut leben. Und wie gesagt, du musst das Ziel sehen. Nur das zählt.

Sie bekommen weltweit von allen Experten gute Noten...

Das freut mich natürlich, weil ich als einziger GP-Neuling in diesem Jahr unter Druck stehe. Aber ich beurteile mich lieber selbst.