Schumi quält sich fit – wird es reichen?

  • Publiziert: 05.08.2009, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Von Christian Bürge

Riskiert Michael Schumacher nur seinen Ruf oder auch seine Gesundheit? Ein Ex-Pilot und ein Arzt reden Klartext.

Es ist durchaus noch nicht sicher, dass der Nacken hält und das Comeback gestartet werden kann», sagte Schumacher-Sprecherin Sabine Kehm am Dienstag dem ZDF. «Es ist abhängig von medizinischen Untersuchungen, die noch anstehen. Erst danach ist klar, ob er wird fahren können.»

Die Fitness ist von zentraler Bedeutung für Schumis Einsatz. Auf seiner Homepage gibt der Deutsche Wasserstandsmeldungen durch. «Die ersten 3 Kilo sind schon weg», steht da etwa, oder – nach den ersten Fahrten – «mein Genick zwickt». Die Nacken- und Rückenmuskulatur sind mitentscheidend, ob man fit genug ist fürs Cockpit. Die Kräfte, die in einem Formel-1-Boliden wirken, sind unheimlich. In 2,5 Sekunden wird von null auf Hundert beschleunigt, eine Vollbremsung von Tempo 200 auf null geschieht in 50 Metern.

Schumacher war einer der Fittesten

Da wirken fünf «g», die fünffache Erdanziehungskraft. 80 Kilo werden zu 400, der Kopf wiegt statt vier plötzlich 20 Kilo. «Ein untrainierter Anfänger würde gleich wegknicken», sagt der ehemalige Schweizer Formel-1-Pilot Gregor Foitek (44), der sich keine einzige Runde in einem Boliden mehr zutrauen würde. «Mein Nacken wäre viel zu schwach.» Er erinnert sich gut an die Anstrengung. «Im Rennen selbst merkst du sie gar nicht so, du bist so konzentriert. Aber danach war ich jeweils fix und fertig.»

Schumacher traut er dennoch zu, der Aufgabe körperlich gewachsen zu sein. «Er war vorher einer der Fittesten und hat zwischendurch ja auch einiges gemacht.» Der bekannte Zürcher Sportarzt Walter O. Frey kennt die Physis von Formel-1-Fahrern. «Wir haben bei zweien die Nackenmuskulatur gemessen. Die war massiv stärker als bei allen anderen Athleten. Aber wenn man nicht trainiert, geht sie sofort weg.»

«Mit 40 ist er sicher an der Grenze»

Der Altstar müsse zweifellos mehr Trainingsfleiss entwickeln. «Denn der 40-jährige Schumacher wird es schwer haben, so zu werden wie der 20-jährige.» Doch wie steht es mit den Reflexen, dem Reaktionsvermögen? «Die koordinativen Fähigkeiten nehmen ab, dafür ist seine Erfahrung grösser. Das gleicht einiges aus.» Gefährlich wird es dann, wenn die Erfahrung alles kompensieren soll.

Für den Sportarzt ist das Comeback des Deutschen in diesem Alter machbar. «Mit 40 ist er sicher an der Grenze. Mit 50 hätte ich gesagt, er schaffts nicht mehr.»
Bis zum Rennen in Valencia, in gut zwei Wochen also, will Schumacher bereit sein. Dann muss seine Physis genügen. Schliesslich hat er einen Ruf zu verlieren. Und seine Gesundheit.

play Eigentlich sieht Michael Schumacher noch ganz fit aus. Aber auf das Niveau seiner besten Zeit als Fahrer wird er laut Fachleuten nicht mehr kommen. (Keystone)