Die Sauber-Fans strömen am Wochenende des 20.-22. Juli zum Heim-Rennen in Hockenheim. Kamui Kobayashi (25) glaubt trotz seines Missgeschicks in Silverstone, dass sein 50. GP eine runde Sache wird.
Einmal mehr gehen die Fahrer des Schweizer Formel-1-Teams optimistisch an ein Rennen. Dabei hagelte es nach dem schwarzen Sonntag von Silverstone Kritik. Als «eine der dümmsten Aktionen der letzten Jahre», bezeichnete Niki Lauda (63) bei RTL Kamui Kobayashis Blackout in der Boxengasse.
Der Japaner liess gleich drei Mechaniker durch die Luft fliegen! Dennoch ist Kamuikaze zuversichtlich (siehe Kasten): «Ich mag die Strecke in Hockenheim und bin auch schon viele Rennen dort gefahren.»
Sergio Pérez (22), der seinen 27. GP bestreitet, erlebt eine Premiere: «Ich freue mich auf meinen ersten Formel-1-Grand-Prix in Hockenheim.» Der Mexikaner kommt erstmals in Kontakt mit dem 4,574 km langen Kurs, weil 2010 letztmals hier ein Rennen stattfand. Der Deutschland-GP wurde in den vergangenen ungeraden Jahren auf dem Nürburgring ausgetragen.
Die Leistungskurve zeigt bei Pérez nach unten: Zuletzt fuhr er in Montreal noch aufs Podest (3.), punktete in Valencia als Neunter und wurde dann in England von Maldonado abgeschossen. Kommt jetzt die Wende?
Sauber-CEO Monisha Kaltenborn ist guten Mutes: «Wir haben zwei starke Piloten: Sergio hat in diesem Jahr schon zwei Podestplätze herausgefahren, Kamui hat als Vierter im Qualifying und Fünfter im Rennen von Barcelona geglänzt.» Macht die «Iron Lady» auf Zweckoptimismus? (ds)
Monisha Kaltenborn, CEO: «Wir haben in dieser Saison mehrfach Punkte liegenlassen. Die Gründe dafür waren mannigfaltig. Diesen Punkten nachzutrauern, bringt gar nichts, wir schauen nach vorn. Positiv ist, dass wir in dem Sauber C31 ein Auto haben, das praktisch auf allen Arten von Rennstrecken schnell ist. Und wir haben zwei starke Piloten: Sergio hat in diesem Jahr schon zwei Podestplätze herausgefahren, Kamui hat als Vierter im Qualifying und Fünfter im Rennen geglänzt. Beide sind schon eine schnellste Rennrunde gefahren. Wir haben also alles, was es braucht, um in Hockenheim die erste Saisonhalbzeit positiv abzuschliessen, und das ist unser Ziel.»
Kamui Kobayashi: «Ich mag die Strecke in Hockenheim gern und bin auch schon viele Rennen dort gefahren – Formel Renault, Formel 3, GP2 und Formel 1. Es war dort im Sommer meist recht heiss. Wir sind noch nicht ganz sicher, wie die Weiterentwicklungen funktionieren, die wir für den C31 in Silverstone an den Start gebracht haben, weil wir nicht genug Trainingszeit im Trockenen hatten. Da müssen wir in Hockenheim vielleicht noch etwas Feinarbeit leisten. Ich denke, dass unser Auto auf allen Strecken gut ist, auf langsamen wie auf schnellen Kursen, also mache ich mir um unsere Leistungsfähigkeit keine Sorgen. Wir müssen uns darauf konzentrieren, das Beste daraus zu machen. Das Rennen in Deutschland ist für uns ein bisschen wie ein Heimrennen, weil Hockenheim nicht allzu weit entfernt ist von der Fabrik in Hinwil.»
Sergio Pérez: «Ich freue mich auf meinen ersten Formel-1-Grand-Prix in Hockenheim. In der GP2 habe ich dort gewonnen, insofern habe ich den Kurs in bester Erinnerung. Für uns bleibt es weiterhin wichtig, im Qualifying besser zu werden. Wir müssen uns erst einmal auf den Samstag konzentrieren. Unser Auto ist schnell, und wenn wir diesmal einfach alles richtig hinbekommen, haben wir alle Chancen auf ein gutes Ergebnis. In Hockenheim gefällt mir die Stadion-Passage ganz besonders gut. Sie ist fahrerisch anspruchsvoll, und die Atmosphäre dort ist klasse. Für mich ist es auch persönlich schön, wieder einmal nach Deutschland zu kommen. Ich habe dort in der frühen Phase meiner Laufbahn immerhin zwei Jahre verbracht. 2005 habe ich in Vilsbiburg in Bayern gewohnt und dann im zweiten Jahr in Berlin.»
Giampaolo Dall’Ara, Chefingenieur: «Das letzte Formel-1-Rennen in Hockenheim fand 2010 statt, also werden wir dort nun erstmals mit den Pirelli-Reifen und dem DRS fahren. Die Strecke hat von allem etwas, wenngleich die Hochgeschwindigkeitskurven nicht den gleichen Einfluss auf die Rundenzeiten haben wie in Silverstone. Insgesamt sind die Anforderungen ähnlich wie in Valencia. Gute Bremsstabilität und Traktion sind wichtig, aber auch eine gute Höchstgeschwindigkeit auf der langen Geraden, wo man auch überholen können sollte. Der Asphalt ist recht glatt. Pirelli stellt die weiche und die mittlere Reifenmischung zur Verfügung, was auf den ersten Blick eher konservativ anmutet. Aber natürlich können die Temperaturen im Juli in Hockenheim hoch sein, und es bleibt abzuwarten, wie sich das auf die Reifen auswirken würde. Das Auto wird im Heckbereich einige kleine Modifikationen aufweisen. Zudem kennen wir auch die Wirkung des Entwicklungspakets, das wir in Silverstone am Start hatten, noch nicht genau. Denn im Regen konnten wir nicht alle geplanten Messungen durchführen. Ich bin optimistisch, dass wir auch in Hockenheim sehr wettbewerbsfähig sein werden, nachdem unser Auto bisher auf sehr unterschiedlichen Strecken gut funktioniert hat.»
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