Riskiert Schumi seinen Ruf?

  • Publiziert: 31.07.2009, Aktualisiert: 03.01.2012
  • Von Roger Benoit

Die Sportwelt feiert das Schumi-Comeback. Doch der Ehrgeiz des Rekod-Weltmeisters birgt auch eine Gefahr: den guten Ruf als Rennfahrer zu verlieren.

Nicht nur die spanischen Medien überschlagen sich vor dem nächsten Rennen mit Liebkosungen an den Superstar, der in genau drei Wochen – nach 45 Rennen oder 148 Wochen – wieder an einem Grand Prix teilnimmt.

Die wahren Hintergründe, warum der siebenfache Champion den Helm aus der Vitrine holt, sind natürlich Gegenstand von Spekulationen. Allein sein Herz für Arbeitgeber Ferrari, dem er 72 Siege und 5 WM-Titel schenkte, kann es nicht sein.

Das Comeback wird vergoldet

Beim Comeback spielt auch das Geld eine Rolle. Sein Manager Willi Weber, der nach Massas Unfall in Budapest sofort eine Rückkehr dementiert hatte, machte Schumi zum Milliardär – und er wird sich auch jetzt als Mister 20 Prozent tüchtig vergolden lassen. Unter zwei Millionen Franken pro Rennen setzt sich der Wahlschweizer bestimmt nicht ins Cockpit. Und Rabatt gibts da keinen.

Schumis Ehrgeiz, der ungebrochen scheint, birgt auch eine Gefahr – seinen guten Ruf als Rennfahrer. Wenn ihm Kimi Räikkönen, der jetzt bei der Finnland-Rallye sein WM-Debüt gibt, die Hosen auszieht, werden bestimmt Hohn und Spott auf ihn niederprasseln. Aber BLICK glaubt, dass die Chancen auf ein Versagen des 40-jährigen Deutschen eher klein sind.

Das zweite Rennen ist in Schumis Wohnzimmer

Ferrari sucht jetzt verzweifelt eine Piste, auf der Schumi noch einige Kilometer fahren und einmal den KERS-Knopf drücken kann! Und sei es nur an einem als PR-Tag getarnten Test.

Nun, in Valencia betritt Schumi Neuland, doch das zweite Rennen in Spa (30. August) findet dann in seinem selbsternannten «Wohnzimmer» statt. Dort, wo er 1991 in die Formel 1 einstieg (Jordan), wo er 1992 zum ersten Mal siegte (Benetton), wo er sechsmal triumphierte und einmal als Sieger wegen eines zu dünnen Unterbodens disqualifiziert wurde (1994).

In Italien kennt die Euphorie jetzt schon keine Grenzen mehr – dem verletzten Vizeweltmeister Felipe Massa (28) sollte dies zu denken geben. «Tuttosport»: «Mosley und Ecclestone, die einen Krieg gegen Montezemolo führten, sollten jetzt nach Maranello pilgern und dort vor den roten Toren auf die Knie gehen. Nur dank Schumi und Ferrari schnellen die TV-Quoten wieder hoch.»

In Deutschland wird sich Sebastian Vettel (22) wundern, wie plötzlich die Medien zu seinem Freund Schumi abwandern und ihn links liegenlassen. Was Vettel nur als Wohltat sieht.