Inside Ohrfeige für Hamilton

  • Publiziert: 23.09.2008, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Von Roger Benoit
play Spots an: In Singapur findet der erste Formel-1-GP bei Nacht statt. (AP)

McLaren-Mercedes hätte es eigentlich besser wissen müssen: Wer bei der FIA in Paris reklamiert, macht sich selber eines Vergehens schuldig – und zieht zu 99 Prozent mit einer Ohrfeige (und einer riesigen Spesenrechnung) ab.

Die Stadt der Liebe verteilt im Rennsport eben nur Hiebe. Das jüngste Opfer ist WM-Leader Lewis Hamilton (23). Seine 25-Sekunden-Strafe nach dem Sieg von Spa bleibt bestehen, der geschenkte Erfolg von Felipe Massa (Ferrari) vor Nick Heidfeld (BMW-Sauber) und Hamilton geht in die Statistik ein. Und so führt Hamilton vor den letzten vier Rennen gegen Massa weiter nur mit 78:77 Punkten.

Der Witz des neuen Theaters an der Seine ist die Tatsache, dass die fünf Richter aus der Schweiz, Spanien, Monaco, Österreich und Holland am Montag und Dienstag fast neun Stunden brauchten, um dann festzustellen: Der Protest der Silberpfeile ist gar nicht zulässig!

Aber hallo, wenn man gegen eine Durchfahrtsstrafe nicht Protest einlegen kann, kann man es auch nicht gegen die 25-Sekunden-Strafe. Denn Hamilton hätte für seine Abkürzung – dank der er die Führung von Kimi Räikkönen (Ferrari) übernahm, diese sofort zurückgab, um gleich wieder zu überholen – eine Boxenstrafe bekommen. Doch drei Runden vor Schluss ist dies nicht mehr möglich. Also gabs am Ende die 25 Sekunden Zusatzzeit.

Nun, schon kurz nach Ende der Weltmeisterschaft 2007 war McLaren-Mercedes in Paris abgeblitzt, als man darauf drängte, die vier Autos von Williams-Toyota und BMW-Sauber aus der Wertung zu nehmen, weil bei diesen zu kaltes Benzin festgestellt worden sei. Hamilton wäre so noch Weltmeister geworden.

Der Brite flog gestern noch vor der Urteilsverkündung in den schwülen Tropen-Ofen von Singapur, wo ab Freitag 1500 Lichtprojektoren (zu je 2000 Watt) den 5 km langen Strassenkurs erhellen. Genau machen 3 180 000 Watt in einer der saubersten Städte der Welt (4,5 Millionen Einwohner) die Nacht zum Tage.

Ein altes Gerücht taucht wieder auf: So sollen Nico Rosberg (23, Williams-Toyota) und Heidfeld (31, BMW-Sauber) für 2009 die Plätze tauschen!

play Abgereist: Lewis Hamilton verliess Paris noch vor der Urteilsverkündung. (Reuters)