
Bitte melden Sie sich an, um Ihren Kommentar abzugeben.
Wenn Sie ein Konto bei Facebook haben, können Sie sich damit anmelden.
Die Grosse Sportwelt ist fasziniert: Michael Schumacher, der am nächsten Sonntag 41 Jahre alt wird, kehrt nach drei Jahren Pause in die Zirkusmanege der Formel 1 zurück. Seit seinem Rücktritt Ende 2006 spielte der Wahlschweizer oft so eine Art Pausenclown, reiste als Berater und Botschafter von Ferrari zu einigen Testfahrten und Rennen. Wer dafür fünf und mehr Millionen Franken pro Jahr kassiert, tut dies gerne. Aber die Arbeit und der Lohn befriedigten den Ehrgeiz in keiner Weise. Und sie löschten vor allem das Kampffeuer im Herzen der Lichtgestalt nicht.
Im Privaten Kopf-Programm geisterte das Wort Comeback fast täglich herum. Ein nach aussen harmonisches Familienleben mit Frau und Kindern hin oder her. Schumi brauchte die grosse Welt, die Anerkennung auf einem Planeten, den er als Sportler einst mit 7 Titeln und 91 Siegen längst verlassen hatte. Es gab kaum einen Rekord, den Schumi nicht gebrochen hat – es war genug für die Ewigkeit. Aber nicht für Michael S. Er suchte das Rampenlicht – und hätte es im letzten August fast wiedergefunden, als er ab Valencia seinen verunglückten Freund Felipe Massa ersetzen sollte. Eine Nackenverletzung (neben einem Schädelbruch), als Andenken an seinen schwersten Töff-Unfall im Februar 2009, verhinderte damals das Comeback.
Vor allem die roten Fans waren traurig, dass ihr Liebling nicht fahren konnte. Denn Schumi hatte 21 Jahre nach Scheckters WM-Titel 1979 den Erfolg nach Maranello zurückgebracht. Ein Held, ein Gott – aber am Ende eben doch nur ein Mensch. Trotz den jahrelangen Sprüchen wie «Ich werde immer bei Ferrari bleiben» hatte er im Herbst 2006 irgendwie mit den Roten abgeschlossen. Sein damaliger Rücktritt war nicht ganz freiwillig. Ferrari hatte Räikkönen geholt – und wenn Schumi geblieben wäre, hätte er damit seinen Freund Massa vor die Türe gesetzt. Also ging er – und jetzt kann er bei Ferrari-Erzfeind Mercedes Rache nehmen.
Das Schicksal wollte es offenbar so. Denn hätte Weltmeister Jenson Button bei Brawn (jetzt Mercedes-Werksteam) nicht um zwei Millionen Euro mehr für 2010 gepokert, wäre in Stuttgart kein Platz frei gewesen. Ausser man hätte Nico Rosberg wieder entlassen.
Bei Ferrari weint man Schumi, offiziell wenigstens, keine Träne nach. Und der neue Star, Fernando Alonso, hatte den Chefs gesagt, dass er Schumacher nicht mehr an den Ferrari-Boxen antreffen will. Tränen und Wut über Schumis Verrat am Traditionsteam zeigten vor allem in Italien die roten Fans und Medien. Und Schumi wusste nach der Silberpfeil-Unterschrift schnell: Da muss ich reagieren!
Ein offener Brief musste her. Dieser wurde von Schumi ausgerechnet an Heiligabend veröffentlicht: «14 Jahre lang war ich ein Teil von Ferrari. 14 Jahre lang war Ferrari ein Teil von mir. Ein grosses Stück Ferrari wird in meinem Herzen bleiben. Ich wäre glücklich, wenn ihr neben den beiden Ferrari-Piloten auch mir weiterhin ein kleines Stück eurer unendlichen Sympathie schenken würdet. Ich werde 2010 auch mit allem Respekt gegen die Ferrari-Autos antreten!» Gezeichnet: Euer Michael. Na ja, der Brief zeigt wenigstens, dass es Schumi nicht so wohl ist in seiner Haut, auch wenn ihn jetzt Millionen als Comeback-Star feiern.
Das Comeback wird Schumi endgültig zum Franken-Milliardär machen. Denn nach den geplanten drei Jahren bietet ihm – wie einst Ferrari – auch Mercedes einen lebenslangen Botschafter-Vertrag an. Um die internen Kritiker von Stuttgart nicht noch mehr zu ärgern, wurde das Gehalt von 7 Mio. Euro für 2010 nicht dementiert. Doch Schumis grosse Einnahmen werden jetzt vor allem aus dem Verkauf von Merchandising-Artikeln kommen, Kappen, Schals, T-Shirts, Jacken, Fahnen, Bettwäsche, Tassen usw. Interessant, dass in diesem Zusammenhang der Name von Willi Weber (67) kaum mehr in den Medien auftaucht. Hat es zwischen dem Schwaben, der Schumi entdeckte, förderte und gross machte, und der lebenden Legende vielleicht gekracht? Nun, Weber wird seine bekannten 20 Prozent Provision in Zukunft bei Nico Hülkenberg (22) abholen, der 2010 neben Barrichello bei Williams-Cosworth debütiert.
Mit 41 Jahren ist Schumi, wenn er fahren kann, kein Opa in der Formel 1. Juan-Manuel Fangio wurde 1957 mit 46 Jahren auf Maserati zum fünften Mal Weltmeister. Luigi Fagioli (Alfa) gewann mit 53 Jahren in Reims 1951 noch einen Grand Prix. Und Louis Chiron war 1955 in Monte Carlo mit 55 Jahren und 292 Tagen auf einem Lancia der älteste GP-Starter.
Mit den Worten «hab Spass» soll Gattin Corinna (40) ihren Ehemann in die zweite Karriere geschickt haben. Weil niemand an den Qualitäten des Rennfahrers Schumi zweifeln kann, gehört er mit einem guten Boliden auch zum engeren Titelkreis. So sehen es auch die Buchmacher. Als Topfavorit wird Hamilton (McLaren) mit 3,5:1 gehandelt. Vor Schumi und Alonso(je 4,5:1), Button und Vettel (je 6:1), Webber, Massa und Rosberg (je 12:1). Und Buemi (Toro Rosso) gibts für 200:1...