Kubica: «Ich brauche kein Rampenlicht»

  • Publiziert: 28.08.2008, Aktualisiert: 03.01.2012
  • von Georg Bender, Sportmagazin

Im Sommer 2006 war Kubica noch ein Unbekannter. Inzwischen gehört der Pole zu den begehrtesten Fahrern der Formel 1. Er spricht, wie er fährt: konsequent, schnörkellos, immer auf Sieg.

Es gibt Bilder, auf denen sieht es so aus, dass ganz Polen nach Ihnen verrückt ist. Macht Sie das denn kein bisschen stolz?
Ich bin stolz auf das, was ich als Fahrer erreicht habe. Aber ich fahre ganz bestimmt nicht Formel 1, um populär zu werden. Es sind die Resultate, die mich stolz machen.

Und die aus Polen eine Motorsportnation werden lassen?
Die Menschen sehen an meinem Beispiel eines: Ja, es ist möglich, es auch aus einem Land ohne grosse Motorsporttradition in die Formel 1 zu schaffen. Die Menschen mussten erst mal lernen, dass es so was wie Rundstreckenrennen gibt. Wir hatten ein paar Rallyes, aber das wars. Ich glaube, ich habe ein paar Türen geöffnet.

Wie kann daraus ein Boom werden?
Es gibt bisher nicht mal eine neue Kart-Strecke. Gerade Kartfahren wäre wichtig, man muss möglichst früh damit 08beginnen, wenn man im Motorsport etwas erreichen will. Aber in zwei Jahren kann sich das auch nicht grundlegend ändern. Das braucht mehr Zeit.

Wie oft sind Sie eigentlich noch in Polen?
Ich bin viel unterwegs, und in der wenigen Freizeit, die man während der Saison hat, möchte ich ehrlich gesagt meine Ruhe haben. Aber es ist mittlerweile unmöglich geworden, diese Ruhe in Polen zu finden. Selbst wenn ich nur zum Joggen vor die Haustür gehe, immer folgt mir jemand.

Sie wirken nicht nur beim Joggen manchmal wie ein Einzelgänger.
Ich bin nicht gern der Mittelpunkt des Geschehens, mit Ausnahme des Geschehens auf der Rennstrecke natürlich. Aber ich brauche auch kein Rampenlicht.

Wenn Sie Ruhe suchen, warum wohnen Sie dann nicht in der Schweiz, wie mittlerweile die meisten anderen Formel-1-Rennfahrer?
Auch wenn Sie es nicht glauben wollen: In Monaco, wo ich lebe, gibt es eine ganze Menge stille Ecken, wenn nicht gerade das Grand-Prix-Wochenende ist. Aber gegen die Schweiz habe ich auch nichts.

Sind Sie Formel-1-Fahrer geworden, weil Sie eine Einzelkämpfer-Natur besitzen?
Motorsport ist der grösste Mannschaftssport der Welt. Für den Erfolg eines einzelnen Fahrers arbeiten 500, 600 Menschen – wo gibt es das denn sonst im Sport? Die meisten Menschen blicken nicht hinter das System der Formel 1, sehen nur den Fahrer und haben deshalb falsche Vorstellungen. Sie glauben, der Fahrer macht alles. Aber wir können nur zusammen gewinnen und zusammen verlieren. Mehr Mannschaftsgedanken, als wir im Team haben, geht nicht.

Wie finden Sie den irdischen Frieden, bei dem Ehrgeiz, der Sie ständig treibt?
Chill-out ist wichtig, das bringt einem die nötige Energie zurück. Ich spiele gern Karten, und ich gehe gern zum Bowling. (Grinsen beim Reporter) Lachen Sie nicht, das ist kein einfacher Sport!

Okay, okay. Aber mit Verlaub: Das klingt nicht besonders aufregend. Andere Rennfahrer gehen fallschirmspringen, um sich den Kick zu holen.
Ich habe genügend Abenteuer auf der Rennstrecke zu bestehen. Dann brauche ich keine Action-Disziplinen als Hobby. Ich suche mir eher was, bei dem ich komplett abschalten kann.

Wenn Sie Ihr Dasein als Formel-1-Pilot beschreiben sollen, wie würde das Zwischenfazit im Sommer 2008 lauten?
Ich lebe ein sehr schnelles Leben – und ein ziemlich abwechslungsreiches.

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Im kompletten Interview erfahren Sie, ob Kubica tatsächlich mit einem Foto des Papstes im Helm fuhr, was in seiner Heimat Polen fehlt und wieso er sich mit einer Diät quälen musste.