
Bitte melden Sie sich an, um Ihren Kommentar abzugeben.
Wenn Sie ein Konto bei Facebook haben, können Sie sich damit anmelden.
Am 22. Juni 2005 hing der Himmel noch voller Geigen: BMW übernahm in München 80 Prozent des Sauber-Aktienpaketes – und sprach von einer grossen und erfolgreichen Zukunft. Mit den restlichen 20 Prozent ging Peter Sauber beruhigt in seine aktive Frühpension. Der Schweizer des Jahres hatte sein Lebenswerk offenbar in sichere deutsche Hände gegeben.
Nach vier Jahren wird die Ehe wieder geschieden. Und zurück bleiben zwei grosse Werkshallen, ein 70-Millionen-Windkanal und 420 Mitarbeiter, die um ihre Zukunft bangen. Darunter sind Familienväter, die ihrem früheren Formel-Chef seit dessen GP-Einstieg 1993 in Südafrika treu ergeben sind. Jetzt ist er ihre letzte Hoffnung.
Hat Sauber die Kraft?
BMW hat gestern bei der Pressekonferenz in München versprochen «für die Mitarbeiter am Standort Hinwil und die in dem Projekt Beschäftigten in München Lösungen zu finden. Wir sind uns unserer Verantwortung bewusst und werden die Mitarbeiter informieren, sobald wir Klarheit haben.» Hoffen wir, dass diese Worte von Entwicklungsvorstand Dr. Klaus Draeger auch echt sind.
Die grosse Frage ist nun: Was plant Peter Sauber, fühlt er sich mit bald 65 Jahren (am 13. Oktober) noch jung genug, um ein zweites Mal einzusteigen? Ja, hat er dazu auch die nötige Kraft?
Am 1. November ist Schluss
«Die Ankündigung von BMW, sich zurückzuziehen, kam für mich völlig überraschend. Ich akzeptiere und respektiere diesen Entscheid, kann ihn aber persönlich nicht nachvollziehen. Ich werde alles unternehmen, um den Fortbestand des Teams am Standort Hinwil zu sichern. Die Ausgangslage dazu ist aber schwierig!» So Peter Sauber gestern.
Um 8.30 Uhr wurden alle Mitarbeiter im Windkanal-Gebäude über die neue Situation informiert – ein Treffen, das nach jedem Rennen dort stattfindet. Doch diesmal spürten alle: Das Ende wird verkündet. Nach Abu Dhabi wird am 1. November vorerst Schluss ein.
Petronas ein Kandidat?
Peter Sauber wird kaum in diese bequeme Finanzlage in Form von einer einjährigen BMW-Geldspritze kommen. Aber das neue Reglement für die nächsten drei Jahre mit massiven Sparübungen könnte ihm zur Hilfe kommen, wenn er ein Comeback tatsächlich versucht.
Und BLICK kann sich vorstellen, dass Sauber alles unternimmt, um in den nächsten Wochen einen Käufer (Petronas) zu finden.
Fragezeichen bei Renault und Toyota
2010 dürfen zum Beispiel nur noch 45 Leute pro Team (ohne Catering und Marketing) zu den Rennen mitgenommen werden. 2011 liegt die Budgetobergrenze bei rund 50 Millionen Euro.Die 420 Mitarbeiter in Hinwil hoffen jetzt, dass Peter Sauber das Wunder schafft und die drohenden Kündigungen verhindert.
Auch Renault möchte so schnell wie möglich sein Team loswerden – und es an Rennchef Flavio Briatore abgeben. Der Italiener sucht ebenfalls verzweifelt Investoren. Oder die Hersteller (darunter ist auch Toyota) bekommen kalte Füsse, wollen abhauen.
So verabschiedete sich das Sauber-Team im Oktober 2005 nach 13 Saisons.- Kräling