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Frisch, fröhlich, frech und frei: Selten hat ein Sauber-Pilot bei seinem ersten Auftritt so überzeugt, wie der Anti-Nipponsohn gestern bei der Sitzprobe und den vielen Medienterminen in Hinwil. «Ich bin nicht zu 100 Prozent ein Japaner, ich wohne ja seit sechs Jahren in Europa.» Die letzten vier Jahre in Paris, vorher in Italien. «Doch für Sauber zügle ich im neuen Jahr in die Schweiz!»
Sauber ist für den bisherigen Toyota-Fahrer, der in Brasilien (9.) und Abu Dhabi (6.) als Glock-Ersatz die Fachwelt mit zwei tollen Rennen schockte, die Chance seines Lebens. Und der Mann ohne Hobby («einmal versuchte ich Golf zu spielen») weiss, was er dem Team schuldig ist. «Ich hatte zwar andere Angebote, doch als mir Mister Sauber seine einmalige Fabrik und den Windkanal zeigte, wusste ich, dass aus dem Handschlag auch ein Vertrag wird. Denn sein Vertrauen ist mir sehr wichtig. Seine Philosophie über den Rennsport hat mich sofort überzeugt.»
Als Dank sucht Kobayashi in Japan («wo sich die Leute plötzlich nach mir umdrehen und mich ansprechen») auch noch Sponsoren fürs Team. «Ich bin da sehr optimistisch.»
Herrlich, wie Kamui mit einem breiten Grinsen die einfachsten Fragen locker beantwortet: Freundin? «Ja, aber sie ist weder Japanerin noch Französin, sie ist einfach international. Frag bitte nicht weiter...»
Lieblingsessen? «Sicher nicht Sushi, ich bin allergisch gegen dieses Zeug, auch wenn mein Vater eine Sushi-Bar besitzt... Kürzlich habe ich hier ein Raclette gegessen. War gut.»
Familie? «Nette Eltern, jüngere Schwester, älterer Bruder – aber niemand interessiert sich in der Familie für den Rennsport. Weil ich unbedingt Kart fahren wollte, engagierte ich aus Finanzgründen meinen Vater als Mechaniker – er machte fast alles falsch. Ich gewann aber trotzdem!»
Angst? «Nein, die kenne ich nicht. Ich verlasse mich nur auf mich, bin mental sehr stark – und versuche, die Fehler zu verstehen. Das ist wichtig fürs Selbstvertrauen!»
Fahrstil? «Ich bin eher ein weicher Pilot, nicht unbedingt aggressiv, weil ich die Strategie in einem Rennen liebe. Und natürlich das Überholen, wie beim Start in Abu Dhabi, als ich mir sofort Räikkönen im Ferrari schnappte. Fast wäre ich auch an Buemi vorbeigekommen... Doch da musste ich noch einige Kurven warten!»
Zum Abschluss verriet BLICK dem vom langen Tag gezeichneten Kobayashi, dass Mercedes bereits heute in Stuttgart das Comeback von Schumi bekanntgeben wird! So als eine Art Weihnachts-Über-raschung. «Super», sagte Kamui, «Schumacher wird es nach drei Jahren Pause mit den vielen Änderungen sehr schwierig haben. Doch nicht nur für mich ist der Deutsche eine Art Gott. Er schwebt seit vielen Jahren über uns allen. Und ich bin überzeugt, dass sich die meisten Fahrer auf diesen Superstar freuen.»
Kamui Kobayashi haucht 2010 dem neuen Sauber-Team bestimmt neuen Atem ein. Sein Teamkollege (Pedro de la Rosa?) ist ihm egal, solange sich beide leben und punkten lassen!