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Ferrari-Boss Luca Montezemolo dämpft die riesigen Erwartungen um das Comeback des 40-jährigen Michael Schumacher. Er versucht es wenigstens. «Wir erwarten keine Wunderdinge von ihm», sagt er in der «Welt am Sonntag». «Die Zuschauer erwarten das auch nicht. Sie werden es verstehen, seine Leistungen richtig einzuschätzen.»
Erwartungen sind riesig
Die Wahrheit ist: Die Erwartungen sind riesig. Die Fans trauen Schumi sogar den WM-Titel zu, obwohl das praktisch unmöglich ist. Der Rekord-Weltmeister müsste die ausstehenden sieben Rennen alle gewinnen. Leader Button dürfte keinen weiteren Punkt holen und die Button-Verfolger ebenfalls nicht über 70 Punkte kommen.
Nein, das ist in diesem schwachen Ferrari nicht machbar. Unbestreitbar aber ist Schumis-Comeback eine grosse Attraktion. Er sorgt für positiven Wirbel und neue Spannung, gerade rechtzeitig, um die chaotische Formel 1 wieder in besseres Licht zu rücken.
Hamilton freut sich auf Schumi
Und auch die Gegner scheints zu freuen: Weltmeister Lewis Hamilton euphorisch: «Ich bin so aufgeregt, dass das wirklich geschieht, dass Michael Schumacher in die Formel 1 zurückkehrt ». Anders als Schumis Ferrari-Kollege, Iceman Kimi Räikkönen: «Mir ist egal, wer den zweiten Ferrari fährt».
Euphorie, Gleichgültigkeit, aber auch Angst begleiten das Comeback des Deutschen. In einem Bettelbrief hatte Ferrari die anderen Teams gebeten, dass er ausnahmsweise einen Tag im neuen F60 testen dürfe, was nach den Regeln verboten ist. Sieben Teams haben dem Anliegen zugestimmt, Force India prüft noch. Teamchef Frank Williams (67) aber, seit einem Verkehrsunfall 1986 im Rollstuhl, sagte Nein. Red Bull ebenso.
Lässt er sich nicht doch noch umstimmen, muss sich Schumi fürs Training auf der Piste wieder in den alten Ferrari F 2007 setzen wie letzte Woche bei seinen ersten Tests. Ein Nachteil. Auch den Simulator von Fiat in Turin darf Schumi nicht benutzen, der gehört auch zum zweiwöchigen Testverbot. Ein weiterer Nachteil.
Schumi kennt Valencia-Strecke nicht
So nebenbei muss sich Schumi auf die Strecke in Valencia einstellen, wo er noch nie gefahren ist. Dort wird er am 23. August mit der Nummer 3 ins Rennen starten. Anstelle des verletzten Felipe Massa.
Der Brasilianer ist gestern, neun Tage nach seinem schweren Unfall im Qualifying zum Ungarn-GP, aus der Klinik in Budapest entlassen und per Flugzeug nach Brasilien überführt worden. Mit einer grossen Narbe über dem geschwollenen linken Auge, aber zuversichtlich. Über seinen Bruder Eduardo liess er mitteilen: «Gott sei Dank, ich fühle mich sehr gut.» Voraussichtlich wird der 28-Jährige in dieser Saison keine Rennen mehr fahren.
Eine beeindruckende Narbe ziert die linke Stirnseite des Brasilianers.- Keystone