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Es ist verdammt kalt an der Via Spallanzani im düsteren Industriegebiet von Faenza (50 km von Bologna). Fast nichts erinnert in den sechs Gebäuden von Toro Rosso an die Weihnachtstage. Nur in einem Raum finden wir einen kleinen Christbaum...
Franz Tost, der bald 54-jährige Tiroler, ist seit vier Jahren Chef des Teams. Ein Mann, der nur für den Erfolg lebt: «Bei uns gibt es nur Arbeitstage, Renntage und Testtage!»
Tost begann 2006, als das Minardi-Team nach 20 Jahren aus Faenza verschwand, eine fast unmögliche Mission. «Damals übernahmen wir drei Hallen, jetzt sind es sechs. 2006 starteten wir hier mit 80 Leuten, die am Auto arbeiteten. Jetzt sind es 195 und mit der Verwaltung kommen wir auf 257 Angestellte.
Das B-Team von Red Bull hat sein Sicherheitsnetz verloren. Bis jetzt wurden aus dem englischen Werk (mit etwas Verzögerung) jeweils die Pläne der Boliden von Vettel/Webber nach Faenza übermittelt.
Das ist ab 2010 verboten. Tost: «Wir müssen jetzt auf eigenen Beinen stehen. Wir mussten über 60 neue Mitarbeiter anstellen. Allein 25 für den Windkanal im englischen Bicester, weil ein solcher in Italien zu teuer wäre. Die ganze Philosophie des Teams hat sich gändert. Wer passt ins Team, wer nicht – allein dieser Prozess wird Monate dauern. Und die Angst, dass es nicht klappt, kenne ich nicht. Die einzige bange Frage ist: Können wir den Daten aus dem Windkanal trauen?»
Buemi fehlt beim BLICK- Besuch – er muss Kart fahren
Toro Rosso muss nächste Saison mit einem Budget von rund 120 Millionen Euro leben. Aber wer das Chassis, die Aufhängungen, die Flügel, das Bodywork, die Kühler und Bremsen selbst machen muss, braucht Millionen.
Der neue Toro Rosso STR5 entstand aus rund 11000 Zeichnungen für die über 8000 Teile. Giorgio Ascanelli, der Technische Direktor (lange bei Ferrari) zu BLICK: «Der schnellste Weg Geld zu vernichten ist es, vieles davon zu haben.»
Franz Tost sagt lachend: «Die Formel 1 ist in Sphären vorgerückt, die nicht mehr zu verantworten sind. Es muss eine Gesundschrumpfung stattfinden. 2010 wird das letzte Wahnsinns-Jahr sein. Auch wir müssen der Realität ins Auge schauen.»
Das neue Auto hat die ersten Crash-Tests in England bereits hinter sich. Wer diese später bei der FIA nicht besteht, muss sie wiederholen oder bekommt Startverbot. Ascanelli: «Wir sind im Zeitplan – und haben schon zwei Millionen Euro zerstört!» Alles für die Sicherheit, gabs doch seit 1994 (Senna) keinen toten GP-Fahrer mehr.
Tost und sein Team haben in den neun Monaten, seit sie wissen, dass Kundenautos nicht mehr erlaubt sind, fast ein Wunder vollbracht.
Der Star des Teams, Sébastien Buemi (21), fehlt beim BLICK-Besuch. Tost hat ihn nach Brescia zum Kartfahren geschickt. «Der Junge ist sehr gut. Und wenn unser Auto auch gut ist, haben wir 2010 auch sehr viel Freude mit WM-Punkten!»