Monza-Zauber Ein Volksfest mit Helden und Tragödien

  • Publiziert: 11.09.2009, Aktualisiert: 03.01.2012
  • Von Roger Benoit aus Monza

MONZA - Die Formel 1 verabschiedet sich 2009 von Europa beim Klassiker in Monza. Ein dreitägiges Fest unter dem Motto: Forza Ferrari!

Die Fahrer lieben die Atmosphäre hier im einst königlichen Park von Monza. Bereits gestern pilgerten über 20 000 Fans zum Fahrerlager und in die Boxengasse.

Und die Piloten würden am liebsten heute noch mit ihren Autos durch die zwei weltberühmten Steilwände rattern, wie es die GP-Haudegen zuletzt 1961 taten.

Geschichte voller Helden und Tragödien

Monza – da wurden Helden geboren (wie 1970 Clay Regazzoni bei seinem Ferrari-Triumph).

Monza – da wurden Tragödien geschrieben (wie 1961 als Von Trips mit dem Ferrari in die Zuschauer raste und der Deutsche zusammen mit 14 Menschen starb).

Monza – da wurden unter anderem auch Ascari (1955), Rindt (1970) und Peterson (1978) zu Grabe getragen.

Monza – da siegte zuletzt 1966 ein Italiener in einem Ferrari (Ludovico Scarfiotti).

Erwartungen an Fisichella sind hoch

Und jetzt erwarten die Tifosi am Sonntag beim 13. WM-Lauf das gleiche Wunder vom neuen Nationalhelden Giancarlo Fisichella (36). Der Römer, der vor 12 Tagen beim GP Belgien in Spa mit einem zweiten Platz im Force India die Fachwelt (und wohl auch sich selbst) überraschte.

Fisichella folgt für die letzten fünf Rennen dem in Valencia und Spa überforderten Massa-Ersatz Luca Badoer. Fisichella: «Ich weiss, dass ein ganzes Land von mir ein Wunder erwartet. Ich werde alles geben. Denn in einem Ferrari zu sitzen und in Monza zu debütieren – das ist wohl einmalig. Ein Lebenstraum!»

Der letzte Italiener, der für Ferrari WM-Punkte holte, war Nicola Larini. Er musste am 1. Mai 1994 beim Todesrennen von Senna in Imola den verletzten Alesi ersetzen – und wurde hinter Sieger Schumi (Benetton) Zweiter. Danach wurde es still um Larini.

«Rennfahrer sind dünn geworden»

Der Monza-Zauber erfasste gestern auch den Schweizer Sébastien Buemi (20), als ihn plötzlich eine etwas ältere Dame ansprach und sagte: «Die Rennfahrer sind aber dünn geworden…»

Die weisshaarige Lady heisst Maria Teresa de Filippis, hat fast 83 Jahre auf dem Buckel, wurde in Neapel geboren – und war 1958 beim GP Belgien die erste Formel-1-Frau.

Sie wurde damals auf einem Maserati sensationelle Zehnte und wenige Wochen später lag sie hier in Monza an fünfter Stelle, als der Motor verreckte. Maria Teresa lachend zu BLICK: «Leider sechs Runden vor Schluss!»

play Der Druck auf den Italiener Fisichella ist gross. (Reuters)