BMW-Sauber Ein Abschied ohne Tränen

  • Publiziert: 30.10.2009, Aktualisiert: 02.01.2012
  • Von Roger Benoit aus Abu Dhabi

Am Sonntag geht für BMW in Abu Dhabi das Kapitel Formel 1 zu Ende. Und kaum jemand im Zirkus ist traurig!

Die vierjährige Ehe-Bilanz mit Partner Sauber kann im 70. gemeinsamen Auftritt (bisher 304 WM-Punkte) leicht korrigiert werden, wenn das Team aus München und Hinwil den 32:34,5-Rückstand auf Williams-Toyota noch wettmachen kann – und sich als immer noch enttäuschender WM-Sechster verabschiedet.

Seit dem 29. Juli 2009, seit dem Tag, als in München die Formel-1-Fenster geschlossen wurden (als ob plötzlich die Pest über die Nobelmarke gekommen wäre), laufen die Uhren anders.

Der fehlende Erfolg, der vor allem auf den Münchner KERS-Wahn von Dr. Mario Theissen zurückzuführen ist, hat die BMW-Chefetage verärgert. Vom viel zitierten Sportgeist war nichts mehr zu spüren – und von den Folgen für die vielen Mitarbeiter redete kaum jemand.

Ende September wollte man allen Leuten auf Jahresende kündigen. Kurz: BMW wollte einfach nichts mehr mit der Sache zu tun haben. Das Problem war allerdings, dass Peter Sauber (66) seine langjährigen Mitarbeiter im Zürcher Oberland nicht einfach auf der Strasse sehen wollte.

Er plante eine Zukunft, die ihm BMW zuerst mit einem zu hohen Kaufpreis brutal versperrte. Als man dann trotzdem noch etwas Mitgefühl zeigte, war es für eine ordnungsgemässe Anmeldung (mit allen finanziellen Vorteilen) für die Saison 2010 zu spät. Sauber kam auf die Warteliste – und BMW hatte voreilig den Verkauf an Qadbak verkündet, also schriftlich die falsche Wahrheit in die Welt gesetzt.

Darunter leidet jetzt vor allem Peter Sauber, der heute nach Abu Dhabi kommt. Mit gemischten Gefühlen, die oft schon – wegen der vier Neulinge, die sicher nicht alle seriös sind und den Sauber-Einstieg (noch) verhindern – in Hass umgeschlagen haben. Doch Sauber wäre nicht Sauber, wenn er jetzt (in der schwierigsten Zeit seines Lebens) öffentlich leiden und abrechnen würde. Das Ventil wird irgendeinmal aufgehen. Und das Rätsel um Investor Qadbak, dem so viele Medien vergeblich auf der Spur sind, wird sich sofort lösen, wenn das grüne Startlicht für 2010 kommt.

PS: BMW feiert am Samstag im Fahrerlager für die ganze Formel 1 eine Abschiedsparty. Der Andrang wird sich in Grenzen halten.

play Ein BMW-Sauber-Highlight: Robert Kubica gewinnt 2008 den GP in Montreal. (AP)