Peter Sauber exklusiv: «Die Formel 1 spielt total verrückt!»

  • Publiziert: 01.06.2009, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Von Peter Sauber
play 5 Siege in 6 Rennen: Button im Brawn-Mercedes in Monaco. (AP)

Peter Sauber kommentiert in seiner Kolumne exklusiv für BLICK das Formel-1-Geschehen und fragt: «Hätten Sie auf Button getippt?»

Wenn mir jemand vor einem halben Jahr gesagt hätte, dass Jenson Button, der zuvor in seiner gesamten Formel-1-Karriere gerade mal ein Rennen gewonnen hatte, nach sechs Grand Prix 40 Punkte oder mehr vor Fernando Alonso, Kimi Räikkönen, Lewis Hamilton und Felipe Massa liegt, hätte ich ihn für verrückt erklärt. Aber genau so ist es. Die Formel 1 steht Kopf!

Verantwortlich dafür sind die technischen Reglementsänderungen für 2009. Auffällig ist, dass die im vergangenen Jahr dominierenden Teams von Ferrari, McLaren-Mercedes, Renault und das BMW-Sauber-Team die neue Saison mit viel Rückstand begonnen haben. Das ist nicht leicht zu erklären. Auch in der Vergangenheit gab es immer mal wieder grössere Reglementsänderungen, aber nie wurde dadurch die gesamte Hierarchie über den Haufen geworfen. Teams, die vorher gut waren, gaben auch nachher den Ton an.

Nicht erklären kann man auch die sehr geringen Abstände. Fast alle Experten hatten erwartet, dass das Feld aufgrund der einschneidenden Änderungen zuerst einmal auseinandergezogen würde, weil die Top-Teams dank ihrer Ressourcen mehr Möglichkeiten haben, schneller das Optimum zu finden.

Genau das Gegenteil ist passiert: Die Abstände sind kleiner denn je zuvor in der Geschichte der Formel 1. Noch ein Phänomen!

Damit aber nicht genug. Beim GP von Bahrain standen die beiden Toyotas in der ersten Startreihe und hatten Siegchancen. Nur vier Wochen später in Monaco belegten Trulli und Glock die beiden letzten Plätze im Qualifying. Wer will das plausibel erklären?

Natürlich hat Monaco eigene Gesetze. Auf keiner andern Rennstrecke im Formel-1-Zirkus spielt der so genannte mechanische Grip eine derart entscheidende Rolle wie hier. Sowohl Toyota wie auch uns ist es am gesamten Wochenende nicht gelungen, die Reifen vernünftig zum Arbeiten zu bringen. Und so fehlte es denn an der nötigen Haftung. Auf die Rundenzeiten hatte das verheerende Auswirkungen.

Ich rechne fest damit, dass wir dieses Problem am kommenden Wochenende in Istanbul wieder im Griff haben. Erstmals werden wir dort einen Doppel-Diffusor einsetzen. Natürlich hoffen wir auf einen Schritt nach vorne, aber erwarten Sie bitte jetzt keine Wunder! Renault, McLaren, Red Bull und Ferrari, die zu Beginn der Saison alle keinen Doppel-Diffusor hatten, haben in der Zwischenzeit umgestellt. Doch nur das Ferrari-Duo schaffte dadurch in der Startaufstellung einen deutlichen Schritt nach vorne.

Das ist keineswegs überraschend, denn alle diese Autos sind von ihrem Grundkonzept her nicht für einen Doppel-Diffusor ausgelegt. Diesen nachträglich einzubauen, stellt zwangsläufig nur einen Kompromiss dar, der je nach Ausgangslage grösser oder kleiner ist. Wir mussten den Frontflügel, die seitlichen Luftleitbleche, den hinteren Teil der Motorverkleidung und die Felgenabdeckung modifizieren, um eine gute Anströmung des Doppel-Diffusors am Ausgang des Unterbodens zu erreichen.

Aber für den Sprung an die Spitze wird auch das noch nicht reichen. Wir müssen konsequent weiterarbeiten, um in diesem Jahr noch einige positive Resultate einfahren zu können.