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Bis auch 1980 das Schicksal Clay stoppte – und ihn im fernen Long Beach (USA) in den Rollstuhl verbannte.
Wie oft wurde ich doch gefragt, wer der bessere Rennfahrer gewesen sei: Der Fribourger oder der Tessiner?
Muss es auf diese Frage überhaupt eine Antwort geben? – Nein!
Jo und Clay waren gar nicht so unterschiedlich, wie viele lange glaubten.
Beide, immer mit einem Lächeln auf den Lippen, begeisterten als Kämpfer mit einem grossen Herzen und viel Mut – von taktischen Rennen hielten beide nicht viel.
Ihr gemeinsames Motto auf dem Asphalt lautete immer SOS. Sieg Oder Stopp!
Und wie war das neben der Rennstrecke?
«Ich habe Jo Siffert niemals mit einer Frau gesehen, die nicht ausgesprochen hübsch war!» So beginnt der Deutsche Richard von Frankenberg seine Biographie über Jo Siffert.
Und so könnte man auch in die Memoiren des Clay Regazzoni einsteigen…
Der grösste Unterschied zwischen den Schweizer «Brüdern» lag im Aufstieg nach oben. Siffert musste jahrelang mühsam fighten, Regazzoni traf meist die richtigen Leute, konnte seine Formel-1-Karriere 1970 gleich bei Ferrari starten.
Siffert, der lange als bester Privatfahrer galt, verpasste es dagegen dreimal, in Maranello seine Unterschrift zu deponieren.
1967 sagte Seppi dem Commendatore am Telefon höflich ab. Hatte ihm kurz zuvor seine Mutter bei einem Mittagessen in Luzern davon abgeraten?
Im November 1968 war Siffert praktisch schon engagiert, doch Enzo Ferrari plauderte das Geheimnis einem Reporter in Modena aus. Die News machte schnell die Runde und der lokale Porsche-Händler telefonierte ins Werk nach Zuffenhausen bei Stuttgart.
Alarm! Noch am selben Tag flog der inzwischen verstorbene Porsche-Rennchef Rico Steinemann zum GP nach Mexiko, um Jo (der auf der Pole-Position stand und nach einem Defekt am Gasgestänge noch 6. wurde) zu überreden.
Denn Ferrari hätte dem Schweizer nie erlaubt, weiter für Porsche dessen geliebte Langstreckenrennen zu fahren. Und bei diesen feierte Seppi seine grössten Erfolge – total 13.
Der stets (zu) loyale Siffert gab also Ferrari wieder einen Korb, wie im Sommer 1971 als die Italiener erneut anklopften, um ihn (wohl gegen Clay Regazzoni) auszutauschen!
Jo und Clay schafften es 1970 und 1971 nie, gemeinsam aufs Formel-1-Podest zu klettern.
Dagegen lagen sie am 5. September 1971 in Monza jeweils vier Runden lang in Führung. Als am Ende die ersten fünf Autos nur um 0,6 Sekunden getrennt waren, fehlten jedoch beide in den Punkterängen…
Das grösste Duell der zwei Eidgenossen sah die französische Rennstrecke von Rouen am 28. Juni 1970. In der Formel 2…
Es war damals keine Seltenheit, dass die Grand-Prix-Piloten auch noch in andern Serien regelmässig antraten.
Wie 13 Monate später in Monza rasten auch in Rouen die ersten fünf Autos, wie in ein Badetuch eingewickelt, über den Zielstrich. Innerhalb von 0,9 Sekunden!
Doch diesmal siegte Jo Siffert (BMW) mit einer Zehntelsekunde vor Clay Regazzoni (Tecno). Dahinter: Emerson Fittipaldi (Lotus) und Jacky Ickx (BMW).
Die Schweiz geriet nach jenem Doppelsieg wieder kurz ins Schwärmen. Wie bei Sifferts erstem Grand-Prix-Sieg am 20. Juli 1968 an seiner späteren Todesstätte in Brands Hatch…
Das Fernsehen und die Medien begannen mit leisen und kleinen Schritten den internationalen Automobilrennsport zu entdecken…
Begleitet vom Kreuzfeuer der Kritik. Denn es waren damals auch tödliche Jahre voller Dramen und Leid!
Und Niki Lauda (1976 fast verbrannt) sagt noch heute: «Nur wer in diesem gefährlichen Geschäft überlebt, ist ein Sieger!»