Formel 1 Inside Der Wahnsinn von Abu Dhabi

Formel 1-Experte Roger Benoit über die unglaublichen Kosten der Strecke in Abu Dhabi und das Pokern von Kimi Räikkönen.

  • Aktualisiert am 13.01.2012
  • Von Roger Benoit
Die gigantische Formel 1-Strecke von Abu Dhabi.- Antti Puskala

Nico Rosberg (24), der neue Brawn-Mercedes- Pilot, blickte diese Woche an einem Pool auf der GP-Insel Yas bei Abu Dhabi (1,4 Millionen Einwohner, 2000 Schweizer) verwirrt in die Sonne: «Eine Billion Dollar – so viel Geld haben doch selbst die nicht.» Aber die Summe mit den zwölf Nullen hinter der kleinen 1 stimmte.

Wir hatten ungläubig auf die Titelstory der Lokalzeitung «The National» geschaut: Bis jetzt hat das Projekt um den GP-Kurs auf Yas Island 40 Milliarden Dollar gekostet, jetzt werden nochmals 25-mal so viel investiert, um aus der Region einen der modernsten Vororte zu machen. Mit weiteren Hotels, Autobahnen, Plantagen, Business- Türmen, einer Metro. Das Zauberwort in dieser Wüstengegend, die Nachbar Dubai längst den Rang abgelaufen hat, heisst: Solarenergie.

Den Formel-1-Fans bleibt nach dem WM-Finale bestimmt das «Yas Hotel», unter dem das Feld durchjagte, in Erinnerung. 4000 Menschen haben die 499-Zimmer- Nobelherberge in 22 Monaten aus der Wüste gestampft. Der Zimmerpreis ist inzwischen von 1300 Franken pro Nacht auf 250 gesunken, wird ab Dienstag wieder ansteigen, wenn alle Miss-World-Kandidatinnen vor dem Finale in Südafrika hier eine Woche Pause machen.

Der in Tokio gefällte Entscheid zum Toyota-Ausstieg nach 139 sieglosen Rennen (13 Podestplätze, 3 Pole-Positionen, aber nie ein Spitzenpilot) war für Ex-FIA-Boss Max Mosley der letzte Triumph. Damit hat er auf dem Schachbrett des heiligen Krieges gegen die FOTA alle vier Bauern, die den britischen König stürzen wollten, innerhalb von acht Monaten umgelegt: Ron Dennis (McLaren), Mario Theissen (BMW), Flavio Briatore (Renault) und jetzt John Howett (Toyota).

Kimi Räikkönen (30), Weltmeister 2007, pokert um seine Zukunft. Der bei Ferrari entlassene Finne kassiert aus Maranello 12 Millionen Franken, wenn er 2010 für ein anderes Team fährt – oder knapp 20 Millionen Franken, wenn er ein Jahr Pause macht. Kimi will nur zu McLaren-Mercedes wechseln («weil ich dort Ferrari schlagen kann»). Doch der 18-fache GP-Sieger will auch von den Silberpfeilen noch mindestens 10 Millionen Dollar. Edeljoker Nick Heidfeld (32) hofft, dass sich die zwei Parteien nicht einig werden…

Unterschreibt Kimi bei seinem alten Team (fünf Saisons), wird Heidfeld die Nummer 1 bei Sauber-Qadbak. In Hinwil läuft die Kommunikation bis zum sicheren Einstieg auf Schmalspur. Der vorsichtig gewordene Peter Sauber (66) muss bis zum – jetzt wohl süssen – Ende loyal zu Partner BMW bleiben. Die Münchner zahlen nämlich bis zum definitiven Verkauf noch die Löhne!

Still und heimlich mit rund vier Millionen Franken, ist die Genfer Firma MIG Investments (führender Schweizer Online-Broker) bei Brawn-Mercedes sehr prominent zu zwei WM-Titeln gefahren. Viele andere grosse Geldgeber hatte das Team nicht.

Was macht Kimi Räikkönen nächste Saison?- Keystone

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