Pit-Stop mit Boliden-Roger Das ist die 40-Milliarden-Strecke

Am Sonntag startet die Formel 1 erstmals in Abu Dhabi. Roger Benoit ging bei der Besichtigung des neuen GPs durch die Hölle.

  • Publiziert: 29.10.2009, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Von Roger Benoit

Du stehst einfach da und weisst im riesigen Start- und Zielgelände nicht, wohin du eigentlich schauen sollst. Du weisst nur, da warten in der brütenden Mittagspause 5,554 Kilometer auf dich. Bei wolkenlosem Himmel, bei 35 Grad und 47 Grad Asphalt-Temperatur. Es ist Tradition, dass BLICK jede neue Formel-1-Strecke zu Fuss unter die Lupe nimmt. Gestern ging es durch die Hölle von Yas Island in Abu Dhabi.

Hölle? Das gilt für den Fussmarsch in Halbschuhen und Jeans. Eine kleine Wasserflasche ist auch dabei. Nach 1:07,43 Stunden ist der Spuk auf dem Wüsten-Highway zu Ende – und du hast unterwegs das Paradies gesehen, bist unter dem Strecken-Hotel durchgegangen, hast die 52 000 überdachten Tribünenplätze (vor allem für die Scheichs) bewundert. Nur die 2500 um den Kurs gepflanzten Palmen werden erst in einem Jahr richtig wirken. Und die Grand-Prix-Strecke, das Juwel in der grössten Freizeitanlage der Welt, wohl für alle Nachfolger unerreichbar machen. Kostenpunkt des Wahnsinns, der von über 40 000 Arbeitern weiter vorangetrieben wird: 40 Milliarden Franken. Hier wird nicht über Geld geredet. Man hat es. Und lässt fürs Weekend schnell die Musik-Stars Beyoncé Knowles, Nelly Furtado, No Doubt (mit Sängerin Gwen Stefani) und Aerosmith einfliegen.

So nebenbei hat Abu Dhabi, das grösste der sieben Emirate (mit 12 Prozent der weltweiten Erdölreserven), 500 Meter neben der Strecke sechs Hotels in einem Kreis hingestellt: Radisson, Crown Plaza, Rotana, Park Inn (wo das ganze BMW-Sauber-Team zum Abschied wohnt), Staybridge Suites und das Centro. Knapp 3000 Luxuszimmer werden da auf engstem Raum (und zu vernünftigen Preisen) angeboten. Eine Ausnahme im GP-Zirkus. Abu Dhabi, wo 1700 Schweizer leben, hat den kriselnden Nachbar Dubai längst aus dem Land der Träume gerissen. Und in der Schweiz glaubt wohl selbst SVP-Nationalrat Ulrich Giezendanner nicht mehr an einen GP der Schweiz.

Auch Peter Sauber (66), der morgen nach Abu Dhabi kommt, hat längst den Glauben verloren – an die Gerechtigkeit. Er zittert mit seinem Team auf der Warteliste weiter um grünes Licht von der FIA. Wann wird GP-Neuling USF1 mit TV-Reporter Peter Windsor und Ken Anderson endlich der Stecker rausgezogen, um für Sauber Platz zu machen. Gestern fand hier ein Meeting der Teamchefs (Sporting Working Group) für 2010 statt. Als FIA-Rennleiter Charlie Whiting die Amerikaner einlud, bekam er eine Absage – das Geisterteam aus Charlotte (USA), wo in der düstersten Stadtgegend kaum 20 Leute beschäftigt werden, hat noch nie ein Treffen der Teams besucht. Klar, dass Sauber (und Investor Qadbak) fast ausflippen.

Ein klarer Fall für Formel-1-Boss Bernie Ecclestone, der gestern 79 Jahre alt wurde und diesen Geburtstag mit seiner neuen Freundin Fabiana Flosi (30) feierte. Die bescheidene Brasilianerin, Marketing-Chefin beim GP in Interlagos, ist seit Monaten mit Bernie zusammen. «Ja, sie macht mich glücklich.» Fast vergessen ist die Scheidung vor über einem halben Jahr von Slavica (51), die offenbar mit Hunderten von Millionen abgefunden worden ist. Jetzt muss (und wird) Ecclestone im «Fall Sauber» handeln. Max Mosley (69) wollte offenbar am letzten Freitag als FIA-Chef nicht mit einer Niederlage abtreten und eingestehen, dass er mit dem Startplatz für USF1 einen Flop gelandet hat!