Peter Sauber exklusiv «Daran hätte ich im Traum nicht gedacht!»

  • Publiziert: 29.11.2009, Aktualisiert: 03.01.2012
  • Von Peter Sauber

Als Peter Sauber vor vier Jahren seine Firma an BMW verkaufte, hätte er nie daran gedacht, je wieder an die Boxenmauer zurückzukehren. Jetzt ist es soweit.

So hatte ich mir das wahrlich nicht vorgestellt, als ich meine Firma vor vier Jahren an BMW verkaufte! Nie hätte ich auch nur im Traum daran gedacht, eines Tages wieder an die Boxenmauer zurückzukehren. Nun geschieht es doch. Ich brauche Ihnen die Fakten nicht mehr in allen Details zu erzählen, Sie werden sie wahrscheinlich kennen.Nur so viel: Als ich realisierte, dass die Entwicklung rund um den Verkauf des Teams in die falsche Richtung lief, habe ich BMW in der Nacht vom letzten Mittwoch auf den Donnerstag einen Vorschlag unterbreitet. Es war sozusagen der letzte Schuss.Und zum Glück wurde es ein Treffer. Es war ein Vorschlag, von dem ich wusste, dass er für mich tragbar und für BMW akzeptabel ist. Ich war daraufhin sehr erleichtert, dass BMW ihn vollumfänglich akzeptierte.Es war eine extrem schwierige Zeit, die richtig an die Substanz gingEs war dann Sache der Anwälte, das komplexe Vertragswerk auszuarbeiten, so dass wir am Donnerstag um 23.45 Uhr in Zürich unterschreiben konnten. In nur 24 Stunden ging der Verkauf letztlich über die Bühne. Ein grosses Dankeschön gilt auch den Verantwortlichen von BMW, die einen wichtigen Anteil am Gelingen dieser Aktion hatten.Mit dieser Unterschrift fand eine fast viermonatige Phase der Ungewissheit ihr Ende. Ich kann Ihnen sagen, dass es eine extrem schwierige Zeit war, die richtig an die Substanz ging. Und zwar bei allen Beteiligten. Das gilt vor allem auch für die Mitarbeiter in Hinwil, die fast jeden Tag neue Gerüchte im Internet lasen, und so natürlich entsprechend verunsichert wurden.Ich möchte mich an dieser Stelle bei all jenen Journalisten ganz herzlich bedanken, die im Interesse der Rettung des Standorts Hinwil ihren journalistischen Ehrgeiz zügelten und nicht jeden Blödsinn multiplizierten, der herumgeisterte.Nach der Bekanntgabe des Ausstiegs von BMW am 29. Juli gab es keine Garantie für ein gutes Ende. Die Situation war phasenweise sehr delikat. In diesem Fall galt: Schreiben ist Silber, Schweigen ist Gold. 250 Mitarbeiter in Hinwil sind dankbar dafür.Nun beginnt das TagesgeschäftDie zwei nächsten Meilensteine sind nun, den 13. Startplatz zu bekommen, womit wir in der kommenden Woche rechnen, sowie die Unterzeichnung des Concorde Agreements, das alle Formel-1-Geschäfte regelt.Sehr gut im Plan sind wir mit der Entwicklung des neuen Autos. Das hat auch damit zu tun, dass die neue Zusammenarbeit mit Ferrari besser nicht sein könnte. Die Verantwortlichen in Maranello haben grosses Vertrauen in unsere Ingenieure bewiesen und ihnen sehr früh alle wichtigen Daten über Motor und Getriebe geliefert.Natürlich hilft es dabei auch, dass bei den Meetings teilweise dieselben Leute am Tisch sitzen, die sich noch aus der Zeit vor 2006 kennen, als wir ja bereits Ferrari-Motoren verwendeten.Die Formel 1 ist in einer Phase der VeränderungIn den letzten Tagen wurde ich oft gefragt, ob es denn mit 250 Mitarbeitern überhaupt noch möglich sei, ein Top-Auto zu bauen. Die Antwort ist: Ja, ohne Zweifel. Die Formel 1 ist in einer Phase der Veränderung.Die Teamvereinigung FOTA hat Vorgaben definiert, die vor allem die grossen Teams zwingt, in den kommenden beiden Jahren die Anzahl Mitarbeiter drastisch zu reduzieren. Das spielt uns ganz klar in die Hände, denn wir haben nicht verlernt, wie man effizient arbeitet und aus begrenzten Ressourcen das Maximum herausholt.Ich habe mir das Windkanalmodell erklären lassen und bin überzeugt: Der SauberC29-Ferrari wird gut.