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Es war das spannendste WM-Finale der Formel 1 aller Zeiten vor einem Jahr hier im seit Tagen verregneten São Paulo auf 750 Metern über Meer. Der Massa-Clan lag sich vor laufenden TV-Kameras glückselig weinend in den Armen, als Sohn Felipe im Ferrari als Sieger (und vermeintlicher Weltmeister) über den Zielstrich raste.
Hinter ihm verzweifelte in der sintflutartigen Endphase Konkurrent Lewis Hamilton, der einen 5. Platz brauchte, im McLaren-Mercedes auf dem 6. Rang. Vor Hamilton lag Timo Glock (Toyota), dessen Reifengummi kaum noch als solcher zu erkennen war.
Ein kurzer Schlenker, und Hamilton war – zwei Kurven vor dem Ziel – vorbei, fuhr 38 Sekunden hinter Massa als neuer Champion in die Geschichtsbücher.
Glock war der meistgehasste Mann in Interlagos
Am Sonntag fehlen zwei Hauptdarsteller von 2008: Massa (am 26. Juli in Budapest von einer Stahlfeder am Helm getroffen) fährt zwar in einem alten Ferrari wieder schnelle Runden, für ein Comeback reichts aber nicht – und Glock hat sich beim Japan-Crash auch noch am Rücken verletzt.
Weil der Deutsche vor einem Jahr in Interlagos der meistgehasste Mann war, wird er über sein Brasilien-Forfait nicht so unglücklich sein. «Ich konnte damals die ewigen Fragen, ob ich Hamilton im Titelkampf geholfen habe, nicht mehr hören!»
Am meisten Hilfe bekam Hamilton wohl von BMW-Sauber, das nach 34 Punkte-Rennen in Serie ausgerechnet in São Paulo als sensationeller WM-Dritter erstmals versagte: 10. Heidfeld, 11. Kubica.
Während Massa am Sonntag den Sieger abwinkt, versucht Landsmann Rubens Barrichello (37) seine letzte Titelchance gegen Brawn-Mercedes-Partner Jenson Button (29) zu wahren. Da der dienstälteste GP-Pilot 2010 offiziell für Williams fahren wird (sein sechstes Team nach Jordan, Stewart, Ferrari, Honda und Brawn), hat er jetzt schlechte Karten.
Teamchef Ross Brawn braucht nächste Saison einen «eigenen» Weltmeister mit der Startnummer 1. Auch wenn Button momentan noch um sein Salär pokert. Der Brite braucht noch zwei Mal einen 6. Platz zum Titel. Man wünscht Button auf der Zielgeraden, dass er den Hammer auspackt, wieder etwas mehr Mut und Kampfgeist zeigt – wie früher als Playboy bei den Frauen.
Brasilien birgt viele Gefahren
Die Chancen von Sebastian Vettel (22), der im Red-Bull 16 Punkte zurückliegt, stehen bei 5 zu 95. Auch wenn fast alle deutsche Medien und sein grösster Fan, Michael Schumacher (40), von einem Wunder träumen. Interlagos ist das dritte Rennen 2009 im Gegenuhrzeigersinn. In der Türkei siegte Button, in Singapur Hamilton.
Achtung, es wird scharf geschossen. Die meisten Teams warnten ihre Brasil-Reisenden mit einem Schreiben vor den vielen Gefahren. In den letzten Jahren ist es hier rund um die Rennstrecke immer wieder zu Raubüberfällen gekommen. So wurden auch Teambusse gestoppt und beschossen.