BMW-Sauber ging baden

  • Publiziert: 13.09.2008, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Von Roger Benoit aus Monza

Sie wollten auf trockener Piste ihren Superspeed ausspielen und die zweite Pole nach Bahrain erobern. Am Ende blieben für BMW-Sauber in der Regen-Lotterie nur die Startplätze 10 (Heidfeld) und 11 (Kubica). Was für eine Enttäuschung.

Aber aufgepasst, die seltsamste Startaufstellung der letzten Jahre könnte heute, im 799. WM-Lauf der Geschichte, zu einem der aufregendsten Rennen führen.

Und wenn die Formel 1 in jüngster Zeit dafür bekannt war, dass es kaum mehr Überholmanöver gab, dann ist heute der Tag der Wiedergutmachung bei den Zuschauern!

Vor allem in den ersten der 53 Runden ist fast in jeder Kurve grosse Crash-Gefahr angesagt. Ein Angriff wird den andern jagen.

Ob nass oder trocken (zu 70 Prozent) – die Formel 1 wird sich für 2008 spektakulär aus Europa verabschieden! Dazu braucht man keine Glaskugel oder Tarot-Karten.

Auch die beiden BMW-Sauber müssen nach vorne in die Punkteränge – sonst droht der erste Nuller seit dem 22. Oktober 2006 in São Paulo!

Kubica kam gestern nicht mal in die Top Ten: «Die Bedingungen mit den Temperaturen und der stärker werdende Regen waren einfach gegen mich, dazu machte ich auch noch Fehler.»

Und dann fehlten dem Polen am Ende der zweiten Qualifikation genau 0,021 Sekunden gegenüber Ferrari-Massa (!), um ins Finale zu kommen.

Dort hatte BMW-Sauber nur noch einen Trumpf: Nick Heidfeld (31). Doch beim Deutschen sitzt momentan das Gespenst namens Alonso im Cockpit. Kommt der Spanier ins Team, fliegt Heidfeld raus.

Nun, der in Stäfa ZH lebende WM-Fünfte soll schon mal für 2009 bei Toro Rosso, Honda und Renault angeklopft haben.

Heidfeld wurde im Finale Letzter: «Komisch, ich hatte immer weniger Grip.» Möglich auch, dass das Team den Wagen von Nick für heute vollgetankt hat, damit er hier mit einer Ein-Stopp-Strategie nach vorne kommt.

«Ich begreife unsere Startplätze nicht», sagte Team-Teilhaber Peter Sauber (64), «Nick und Robert sind doch gute Regenpiloten. Vielleicht werden wir ja im Rennen am Sonntag von unseren Piloten positiv überrascht.»

107 Punkte sind bisher auf dem Saisonkonto der Münchner und Hinwiler – oder ein Schnitt von 8,2 Zählern. Würde man alles bis zum Finale in Brasilien hochrechnen, käme man auf knapp 150 Punkte.

Aber ein Ärger bleibt wohl noch jahrelang: Warum liess BMW-Sauber-Chef Dr. Mario Theissen (56) vor einem Jahr den gestrigen Pole-Mann Sebastian Vettel ziehen und setzte voll auf die Karte Heidfeld?

Nur privat fährt Vettel noch einen BMW. «Ich bleibe Botschafter dieser Marke.» Leider nicht in der Formel 1…

play Der Mann auf der Pole fährt leider nur noch privat einen BMW. (Reuters)