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Arroganz: Achtung, hier kommt Hamilton!

Ein Superstar spaltet die Fans, Medien und vor allem seine Formel-1-Kollegen: Lewis Hamilton (23) wird, um es auf die kürzeste Art zu sagen, geliebt oder gehasst. Einen goldenen Mittelweg der Neutralität oder der Teilnahmslosigkeit gibt es beim Briten nicht. Wie früher bei Niki Lauda, Ayrton Senna oder Michael Schumacher!

Von Roger Benoit aus Singapur | Aktualisiert um 13:27 | 27.09.2008
Gelbe Gefahr: Lewis Hamilton lässt sich den leuchtenden Helm, der seine Gegner einschüchtern soll, ins Fahrerlager tragen. (AP)
Gelbe Gefahr: Lewis Hamilton lässt sich den leuchtenden Helm, der seine Gegner einschüchtern soll, ins Fahrerlager tragen. (AP)
Die Arroganz, oft auch eine Art der Unsicherheit, fährt bei Lewis Hamilton seit seinem Grand-Prix-Start 2007 mit. Und Vater Anthony, sein Manager, tut auch nicht viel dagegen.

Es ist eine Arroganz, die das Ausnahmetalent von der Karibikinsel Grenada aber auch schnell macht.

Denn da oben, wo Hamilton nach nur 31 Rennen, acht Siegen, 20 Podestplätzen und 187 WM-Punkten in der Formel 1 bereits herumschwebt, ist die Luft verdammt dünn, die Einsamkeit gross.

Keine echten Freunde

Da oben musst du dich allein durchsetzen, da ist die Fairness oft ein Fremdwort. Da gelten die Gesetze der Wildnis – und echte Freunde haben keinen Platz mehr.

«Wenn du lernen kannst zu verlieren und diese Energie, auch wenn sie negativ ist, mitnehmen und sie in positive Dinge, die dich weiterbringen, umwandeln kannst, dann wirst du stärker denn je. Und wenn du einmal den Duft des Erfolgs eingeatmet hast, dann kennst du bei jedem Rennen nur noch ein Ziel – den Sieg!»

Der leuchtende Helm als Waffe

Es sind Worte, die man schon von den Gottesanbetern Senna und Schumacher gehört hat. Auch sie gingen für dieses Ziel durch die Formel-1-Hölle des Hasses.

Ihre Waffe war – der leuchtende Helm! Senna (Gelb) und Schumi (Rot).

Wenn ihre Gegner diese Farbe im Rückspiegel sahen, hiess es: Achtung, Gefahr!

Denn man wusste, dass Senna und Schumi (ohne Rücksicht auf eigene Verluste) ihrem Vordermann brutal durchs Auto fahren würden, wenn dieser nicht Platz machen sollte.

Unter diesem Motto tritt jetzt auch Hamilton (Gelb) an. Allerdings um drei bis vier Jahre früher als seine «bösen» Vorgänger.

In Monza machte sich Hamilton bei Überholmanövern gleich vier Fahrer zu Feinden, die er brutal wegdrückte: Glock, Alonso, Webber und Fisichella.

Auch gegen Trulli war Hamilton nicht besonders nett. Doch die sonst scharfen FIA-Chefs drückten vor 13 Tagen offenbar nur ein Auge zu, weil man dem Silberpfeil-Piloten ja schon in Spa den Sieg mit einer 25-Sekunden-Strafe weggenommen hatte (und der Rekurs sowieso keine Chance hatte).

Selbst bei McLaren-Mercedes gab man bei einem Team-Meeting am Donnerstag zu, dass Hamilton beim GP von Italien «zu aggressiv fuhr».

Er kann sich nicht mehr viele Fouls leisten

Hier in Singapur, wo Hamilton gestern schon im ersten Nacht-Training die Bestzeit (vor Massa) erzielte und im zweiten nur von Intimfeind Alonso geschlagen wurde, könnte der Vizeweltmeister am Sonntag ab 20 Uhr (14 MEZ) für seine Kollegen zum Nachtgespenst werden.

Doch die FIA ist gewarnt. Der WM-Leader (einen Punkt vor Massa) kann sich nicht mehr viele Fouls leisten.

Einen Fürsprecher hat der Silberpfeil-Star noch. Ex-Weltmeister Jackie Stewart (69) zu BLICK: «Zu oft wurde Hamilton schon benachteiligt und Ferrari favorisiert. Vielleicht gibt es ja einen lieben Gott, der die Gerechtigkeit nach unten schickt – und dann würde ich 2008 eher auf Hamilton als Weltmeister tippen.»

Nun, zehn Jahre lang hat McLaren-Boss Ron Dennis den jungen Lewis H. nach seinen Regeln auf Hochglanz poliert. Jetzt glänzt er so, dass er die Realität etwas verloren hat und – vor allem auf der Piste – nur noch sich selber sieht.

Peter Sauber: «Der Druck, den sich McLaren wegen den zehn Jahren ohne WM-Titel gibt, liegt jetzt allein auf den Schultern von Hamilton . 2007 konnte er zuerst noch unbelastet Alonso die Show stehlen, bevor ihn die britischen Medien damals schon zum Weltmeister hochjubelten. Wie jetzt!»
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Ayrton Senna mit seinem gelben Helm unter dem Arm. (FOTO: AP)
Ayrton Senna mit seinem gelben Helm unter dem Arm. (FOTO: AP)
Auch Michael Schumacher polarisierte. (Keystone)
Auch Michael Schumacher polarisierte. (Keystone)
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