
Bitte melden Sie sich an, um Ihren Kommentar abzugeben.
Wenn Sie ein Konto bei Facebook haben, können Sie sich damit anmelden.
Liebe Fans des BMW-Sauber-Teams, lassen Sie mich eines gleich klarstellen: Ich habe am vergangenen Sonntag genauso gelitten wie Sie. Die Ränge 13 für Robert Kubica und 15 für Nick Heidfeld – das ist nicht akzeptabel!
Wir hatten in Istanbul einen Schritt nach vorne gemacht, aber dann in Silverstone gleich wieder einen zurück. So schaffen wir den Anschluss an die Spitze natürlich nicht. Alle Verantwortlichen sind jetzt gefordert, damit wir so schnell wie möglich aus dieser Talsohle herauskommen.
Wie man richtig zulegt, das zeigt Red Bull. Sie waren in Silverstone total überlegen, geradezu unantastbar. Sebastian Vettel fuhr vom Start weg auf und davon.
Zum ersten Mal 2009 waren die Brawn nicht siegfähig. Ein wesentlicher Grund dafür waren die Reifen. Vor allem Jenson Button gelang es nicht, die Slicks optimal zum Arbeiten zu bringen. Interessant dazu auch eine Aussage von Ferrari-Pilot Felipe Massa, der im Rennen viel stärker war als in der Qualifikation: «Am Sonntag war die Aussentemperatur ein paar Grad höher, das hat genügt, dass die Reifen richtig arbeiteten.»
Für Aussenstehende mag das völlig unverständlich klingen, denn schliesslich fahren ja alle Piloten mit den selben Reifen. Aber Tatsache ist, dass diese nur in einem sehr schmalen Fenster arbeiten. Erinnern Sie sich, wie Sebastian Vettel beim GP von Monaco innerhalb weniger Runden seine Reifen zerstört hat? Dafür gibt es eine einfache Erklärung: Der Red-Bull-Renault ist ein Auto, das aggressiv mit den Reifen umgeht, der Brawn-Mercedes und auch unser Auto sind dagegen eher sanft mit den Reifen – manchmal zu sanft. Was in Monaco mit den weichen Reifen für Red Bull ein zu grosses Handicap war, erwies sich in Silverstone plötzlich als ein klarer Vorteil.
Zurück zu Jenson Button. Er ist ein eindrückliches Beispiel dafür, wie wichtig in der Formel 1 das Team bzw. das Auto ist. Wenn wir die Qualität von Piloten beurteilen, dann beurteilen wir das Auto immer gleich mit – ob wir wollen oder nicht. Davor sind selbst Experten nicht gefeit. Gerade mal drei WM-Punkte hat Button im vergangenen Jahr geholt, und man kann nicht behaupten, dass sich die Teamchefs vor dieser Saison um den Briten gerissen hätten.
Button ist im Jahr 2000 in die Formel 1 eingestiegen und galt damals als Supertalent. Aber irgendwie hat er es immer wieder geschafft, zur richtigen Zeit im falschen Team zu sein. Sein Stern war eigentlich schon untergegangen. Und nun, auf einen Schlag, steht er im Rampenlicht und ist erster Anwärter auf den WM-Titel, wenngleich ihm Vettel gehörig Druck macht. Eine kleine Episode am Rande: Ich habe Ende 2002 in Hinwil versucht, Button für Sauber zu verpflichten. Das hat damals leider nicht geklappt.
Von der anderen Seite erlebt derzeit Lewis Hamilton die Geschichte. 2008 noch Weltmeister, fährt er in diesem Jahr völlig chancenlos hinterher. Ich bin mir sicher, dass er in dieser Zeit das Autofahren nicht verlernt hat, aber der McLaren-Mercedes lässt im Moment nicht mehr zu. Gut für ihn, dass er bereits beweisen konnte, was er kann. Button brauchte da deutlich mehr Geduld. Aber es gibt im Paddock wohl kaum jemanden, der ihm den Erfolg nicht gönnt. Denn er ist nicht nur ein sehr guter Rennfahrer, sondern auch ein netter Kerl.