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Eine Medaille in Kanada – es war ein Traum und eine grosse Chance. Und nach etwas mehr als einem Drittel war schon alles vorbei. Die übermächtigen Schweden rächten sich im Spiel um Bronze für den verpassten Finaleinzug gegen die USA und erteilten den Schweizern eine Lehrstunde.
Die läuferische und technische Überlegenheit der Skandinavier führte bei der saft- und kraftlosen Schweizer Mannschaft im Handumdrehen zur Resignation.
Die Schweden kombinierten sich schon im ersten Drittel spielerisch leicht durch die nach diversen Absenzen gelichtete Schweizer Abwehr – nach 25 Minuten waren die sportlichen Verhältnisse endgültig zurechtgerückt: Schweden führte 7:0.
Die Schweizer konnten gestern trotz viel gutem Willen die Absenzen der beiden Team-Leader Sbisa und Josi nicht mehr kompensieren. Dafür fehlt uns in letzter Konsequenz die Breite. Im Abwehrdrittel der Schweizer herrschte darum Narrenfreiheit, Abpraller wurden praktisch Ausnahmslos die Beute der schwedischen Stürmer.
Der Leidtragende war Goalie Benjamin Conz: als einsamer Kämpfer war er der schwedischen Übermacht schutzlos ausgeliefert.
Nach dem 9:1 durch Brodin (34. Minute) nahmen die Schweden etwas den Fuss vom Gaspedal und erlaubten uns drei Tore durch Michael Loichat, Dominik Schlumpf und Nino Niederreiter. Mit dem 10:4 durch Petersson (39.) nahm die Niederlage dann allerdings auch auf der Anzeigetafel dramatische Züge an.
Die Pleite ist aber auch in dieser Höhe nur eine Frage der Logik. Die Schweden konnten es sich erlauben, auf sämtliche Übersee-Legionäre aus den kanadischen Junioren-Ligen zu verzichten. Zwar haben sie nach zwei Silbermedaillen 2008 und 2009 ihr erklärtes Ziel (Gold) verpasst, für Bronze hat es aber trotzdem gereicht.
Coach Par Marts vertraute ausschliesslich auf heimisches Schaffen und rekrutierte praktisch nur Spieler aus der Ersten Schwedischen Liga (Elitserien), die höchsten technischen Standard und viel Intensität garantiert.
Zum Vergleich: Köbi Kölliker verfügte mit Goalie Benjamin Conz (SCL Tigers), Lukas Stoop (HCD), Patrick Geering (ZSC Lions), Tristan Scherwey (SCB) und Mauro Jörg (Lugano) nur über fünf Spieler, die in der NLA schon Spuren hinterlassen haben. Und nach den Exploits gegen die Slowakei und Russland war beim Rest die Luft draussen.
Dass mit Nino Niederreiter ein Spieler aus der Juniorenliga Kanadas der beste und auffälligste (und jüngste) Schweizer des Turniers war, ist bezeichnend.
Nino Niederreiter als Star
Niederreiter (17) hat in Saskatoon seine Reputation als Stürmer mit NHL-Ambitionen mehr als nur bestätigt. Seine späten Tore führten in letzter Konsequenz zu den wegweisenden Siegen gegen die Slowakei und Russland. Neben den läuferischen und stocktechnischen Fähigkeiten (6 Tore, 4 Assists) hat aber vor allem die physische Durchschlagskraft des Schweizers für Aufsehen bei den NHL-Scouts gesorgt.
Im Halbfinal gegen Kanada (1:6) blieb Niederreiter zwar ohne Treffer, verschaffte sich aber mit krachenden Checks à discretion und leidenschaftlichem Zug aufs gegnerische Tor weiter Profil.
Keinen Einfluss auf die Zukunft
Das gute Abschneiden der U20 ist Momentaufnahme, Tendenzen lassen sich aus diesem Erfolg erfahrungsgemäss keine ableiten – zumindest nicht für die Schweiz. Dazu ist das internationale Junioreneishockey hinter den drei Topnationen Kanada, USA und Schweden zu volatil.
Die Aufgabenstellung für die Zukunft bleibt deshalb unberechenbar: in den letzten drei Jahren ist die U20-Nationalmannschaft abgestiegen, wieder aufgestiegen und zuletzt knapp an einer Medaille vorbeigeschrammt. Mit solchen jahrgangsbedingten Leistungsschwankungen kämpfen ausser den Amerikanern, den Schweden und den Kanadiern – die alle eine systematische Juniorenförderung betreiben – praktisch alle Nationen.
Das musste in Kanada zum Beispiel Tschechien erfahren: 2000 und 2001 waren die Osteuropäer als Weltmeister gefeiert worden, 2005 gabs noch Bronze. Fünf Jahre später mussten sie in der Abstiegsrunde gegen Österreich, Lettland und die Slowakei um den Ligaerhalt zittern.