Ryan Gardner «Die Hymne kann ich nicht»

  • Publiziert: 00.00 Uhr, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Von Dino Kessler

Seit dem Sommer 2008 ist der gebürtige Kanadier Ryan Gardner Schweizer Staatsbürger. Er spricht über seine Rolle in der Nati, die Unterschiede zwischen Lugano und Zürich, seine Kindheit in Ambri und er beweist seine Kenntnisse im Jassen.

Ryan Gardner, kennen Sie die erste Strophe der Schweizer Nationalhymne?
Ryan Gardner:
Nein.

Sie singen nicht mit?
Keine Chance. Bei unserem ersten Spiel der Vorbereitung – ich glaube, das war in Olten – sangen die Fans auch nur ein paar Worte mit und summten dann nur noch. Unglücklicherweise kenne ich die Worte der Hymne nicht. Ich stehe dann einfach da, geniesse den Augenblick und schaue ins Publikum.

Damals wurde die Hymne aber vor der Partie abgespielt, bei der WM kommt nur noch der Gewinner in den Genuss.
Ja, ich war überrascht. Die Hymne gefällt mir, deshalb sollten wir sie noch einige Male zu hören bekommen.

Sie sollen ein Weinkenner sein?
Nicht gerade ein Experte, aber ich kenne mich ein wenig aus. Als ich in Lugano (2001 bis 2007, die Red.) gespielt habe, reisten wir ab und zu ins Piemont, um einige Weine zu probieren. Aber ein wirklicher Kenner bin ich nicht. Italienische Weine schmecken mir am besten, französische Weine kenne ich weniger.

Sie haben die ersten Jahre Ihrer Profi-Karriere im Tessin verbracht, jetzt sind Sie in Zürich. Was sind die Unterschiede?
Als Erstes kommt mir natürlich das Wetter in den Sinn – das war im Tessin schon fantastisch, vor allem in Lugano. Unterschiedlich ist auch die Mentalität der Leute, die Tessiner haben einen anderen Lebensrhythmus. Man nimmt sich genug Zeit fürs Mittagessen, macht Kaffeepause, geht in den Apéro. Zürich ist eine internationale Stadt, viel geschäftiger, ähnlich vielleicht wie Toronto, wo ich herkomme. Aber natürlich viel sauberer, besser organisiert – das öffentliche Verkehrssystem in Zürich ist fantastisch.

Welchen Landesteil würden Sie bevorzugen?
Keinen. Schön ist es in der Schweiz ja praktisch überall. Und die Distanzen sind nicht zu gross, im Tessin ist man rasch. Ich versuche mich in der Schweiz zu integrieren, habe die Sprachen im Griff. Die Leute schätzen das. Ich habe Freunde im Tessin und in der Deutschschweiz. Für meine Frau ist es in Zürich einfacher, weil es viel mehr Möglichkeiten gibt. Sie arbeitet jetzt in Zumikon an einer internationalen Schule.

Als Schweizer Nationalspieler müssten Sie eigentlich Jassen können…
Oh ja. Mathias Seger ist mein Partner. Leider haben wir im Moment keine gute Phase. Geht es so weiter, muss ich mir einen anderen Partner suchen, sonst wird es bald einmal teuer.

Ein richtiger Jassexperte?
Ich kenne die Karten, wir spielen meist den «Coiffeur». Aber ich wüsste schon, dass vier Bauern einen Weis von 200 Punkten ergeben und beim Trumpfen gibt das Nell 14 Punkte.

Sie haben auch schon für das Team Canada am Spengler Cup gespielt. Was sind die Unterschiede zur Schweizer Nati?
Die Kanadier sind lauter, es wird auf dem Eis viel mehr gesprochen und öfter Witze gemacht. Kanadier sind kommunikativer während des Trainings oder im Spiel. Das ist wohl auch eine Frage der Mentalität.

Das Spiel gegen Frankreich war etwas schwierig für das Team, oder?
Ich denke schon. Hätten wir frühzeitig das zweite Tor erzielen können, wäre es wohl zum von den Fans gewünschten hohen Resultat gekommen. Natürlich hat die Nervosität eine gewisse Rolle gespielt, zum Teil haben die Stöcke gezittert. Wir haben trotzdem dominiert, unsere Chancen gehabt.

Deutschland dürfte ähnlich spielen wie die Franzosen.
Die werden vielleicht zurückstehen, abwarten und das Diktat uns überlassen. Wichtig für uns ist, dass wir konzentriert und geduldig bleiben. Wenn du in einem solchen Spiel die Nerven verlierst, baust du den Gegner auf. Wir müssen aber etwas einfacher spielen und mehr aufs Tor schiessen, dann sollten wir uns durchsetzen können.

Was ist Ihre Aufgabe in der Schweizer Nati?
Ich bin kein Spieler, der Sololäufe machen muss. Meine Stärke liegt darin, im Raum um das gegnerische Tor für Unruhe zu sorgen. Die gegnerischen Verteidiger beschäftigen, dem Goalie die Sicht nehmen.

Lesen Sie das ganze Interview im SonntagsBlick.

Persönlich

Ryan Gardner (31) bringt der Schweizer Nati völlig neue Perspektiven: Dank seiner Masse (196 cm, 105 kg) spielt das Element «Wasserverdrängung» im Schweizer Sturm plötzlich eine Rolle.

Mit den ZSC Lions wurde Gardner im ersten Jahr (2008) Meister, in der zweiten Saison ist er gleich Champions-League-Sieger. Sein Vater Dave war in den 80er-Jahren Topskorer bei Ambri und Visp und löste die erste Spielerlizenz für seinen Sohn Ryan in der Schweiz. Ryan Gardner spielte in der Schweiz zuvor für Ambri (1997 bis 2001) und Lugano (2001 bis 2007, Meister 2003 und 2006).
play Eng verbunden mit der Schweiz. Ryan Gardner verlor sein erstes Spiel in der NLA mit Ambri 1998 gegen den EV Zug. (Pius Koller)

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