Ralph Krueger Der WM-Totengräber

  • Publiziert: 27.03.2009, Aktualisiert: 20.01.2012
  • Von Thomas Renggli und Dino Kessler

Die Schweizer Eishockey-Auswahl will an der Heim-WM Grosses schaffen. Mit Coach Ralph Krueger ist das unmöglich.

Heimisches Schaffen ist in den Schweizer Playoffs von aussergewöhnlichem Wert. Vier der fünf erfolgreichsten Skorer besitzen den Schweizer Pass: Reto von Arx, Roman Wick, Michel Riesen, Marcel Jenni. In einer Liga, in der sonst die Ausländer den Takt angeben, sorgen plötzlich die Schweizer für die Musik.Einen Monat vor Beginn der Weltmeisterschaft in Bern und Kloten müsste das alle glücklich machen. Vor allem punkto Skorerqualität schwächelt unsere Nati seit Jahren gegenüber der Konkurrenz. Von Arx & Co. besässen die Feuerkraft, um die Mannschaft in die Medaillenränge zu schiessen. Doch einer bleibt stur: Nati-Coach Ralph Krueger. Obwohl der chronische Positiv-Denker mit Mittelmass eigentlich nicht zufrieden sein dürfte. Obwohl der Eishockey-Verband das WM-Ziel mit dem Slogan «Go for a Medal» in Stein gemeisselt hat. Obwohl die Integration der Besten endlich das öffentliche Interesse am Jahrzehntanlass Weltmeisterschaft wecken würde, der bis anhin bloss nationales Gähnen auslöst.Von den Schweizer Torgaranten kommt aber nur der 23-jährige Wick für eine WM-Nomination in Frage. Dem Rest zeigt Ralph Krueger die kalte Schulter – aus Gründen, die bei den meisten Leuten in Vergessenheit geraten sind, und nach mehrheitsfähigem Rechtsverständnis längst verjährt sein müssten.Aber Krueger stellt sein eigenes Ego über die Erfolgsaussichten der Mannschaft. Er klammert das aktuelle Formbarometer ebenso aus, wie die Bereitschaft mehrerer potenzieller Leistungsträger, sich an der Heim-WM in die Dienste des Vaterlands zu stellen. Eine Heerschar loyaler BefehlsempfängerNeben Jenni kommunizierte beispielsweise auch Lugano-Goalie David Aebischer sein wiedererwachtes Interesse an der Nationalmannschaft. Für die beiden gilt das Gleiche wie für Von Arx und Riesen: Zum letzten Mal besitzen sie die Möglichkeit, sich an einem Grossanlass dem eigenen Publikum zu präsentieren. Doch der Trainer will davon nichts wissen, knallt ihnen die Türe vor der Nase zu, und lädt stattdessen eine Heerschar von loyalen Befehlsempfängern ins Vorbereitungscamp ein.Weshalb sich Krueger diese Arroganz leistet, weiss niemand. Denn als einziger Trainer des Landes hätte er die Möglichkeit, unabhängig von der Klubzugehörigkeit, auf das beste Personal zurückzugreifen. Scherbenhaufen mit weltmeisterlichen AusmassenDoch offensichtlich wurde in den letzten elf Jahren so viel Geschirr zerschlagen, dass der Scherbenhaufen mittlerweile weltmeisterliche Ausmasse angenommen hat. Dazu passen auch die Absagen von langjährigen Leistungsträgern wie Adrian Wichser und Julien Vauclair. ZSC-Spielmacher Adrian Wichser, der auf dem Weg zu dem sensationellen Champions-League-Triumph der Zürcher ein wesentlicher Faktor gewesen ist, meldete sich schon im vergangenen Spätsommer für die Nationalmannschaft ab. Grund: Rückenbeschwerden. Noch grösser als Wichsers medizinische Weitsicht ist das Fragezeichen, das hinter der aktuellen Zusammensetzung der Nationalmannschaft steht. 29 Tage vor dem ersten WM-Bully ist nur eines klar: Ralph Krueger sitzt auf einem so hohen Ross, dass er den Blick für die sportliche Realität verloren hat. Es wäre allerdings noch nicht zu spät, daran etwas zu ändern. Sei es mit einer Korrektur der Sehschärfe – oder einem neuen Nationaltrainer.

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